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Häusliche Gewalt

Wenn’s beim Nachbarn laut wird

13.11.2012 | 22:00 Uhr
Wenn’s beim Nachbarn laut wird
Häusliche Gewalt ist keine Privatsache.Foto: Knut Vahlensieck

Velbert.   Hilferufe bei häuslicher Gewalt nehmen zu, auch bei weiblichen Migranten. Polizei gibt Tipps, wie sich Zeugen am besten verhalten

Die Kreispolizei Mettmann registriert eine Zunahme bei den Fällen häuslicher Gewalt. Das müsse nicht heißen, dass früher in Zweierbeziehungen und Familien weniger geschlagen worden sei als heute, sagt Frank Bons, bei der Kreispolizei zuständig für Kriminalprävention/Opferschutz. „Tatsache ist, dass die Polizei heute hochsensibel mit dem Thema umgeht und schneller einschreitet. Außerdem hat sich in der Bevölkerung herumgesprochen, dass die Polizei hilft“, sagt Bons. Besonders unter weiblichen Migranten sei zu beobachten, dass Gewaltopfer sich nicht mehr so sehr einschüchtern lassen wie früher. „Denen wurde von ihren prügelnden Ehemännern gedroht: Ich nehme dir die Kinder weg, niemand interessiert sich für das, was du sagst“, berichtet Bons.

Häusliche Gewalt ein Sozialproblem?

Dass in ärmeren Gegenden mehr geprügelt würde als in Mittelstandsvierteln der Kreisstädte, kann Frank Bons nicht bestätigen. Allenfalls stimme: „Sozialer Wohnungsbau hat dünnere Wände, da bekommen die Nachbarn mehr mit als bei der freistehenden Fabrikantenvilla“, sagt er.

Was tun, wenn’s nebenan kracht?

Niemand kann von Nachbarn oder anderen Zeugen erwarten, dass sie persönlich einschreiten und zu schlichten versuchen. „Die berühmte Telefonnummer 110 ist mittlerweile Service-Hotline geworden, sagt Bons. „Da sollte man sofort anrufen, wenn man etwas mitbekommt, das den Eindruck von Gewalttat hinterlässt.“

Muss man seinen Namen nennen?

Der Polizei ist es lieber, wenn Anrufer ihren Namen nennen. „Wer jedoch persönliche Schwierigkeiten befürchtet, darf auch anonym bleiben, das wird von der Polizei akzeptiert“, so der Kriminalhauptkommissar. Hauptsache sei schließlich , die Gewalt so schnell wie möglich zu beenden.

Was passiert nach dem Notruf?

Geht ein Notruf ein, schickt die Polizei in der Regel zwei Beamte vor Ort. „Heute wird solchen Fällen in der Polizeiausbildung viel Aufmerksamkeit gewidmet“, berichtet Frank Bons. Die Beamten verlangen Zutritt zur Wohnung und verschaffen sich einen Überblick über die Lage. „Sind die Möbel zertrümmert und die Augen blau, helfen keine Ausflüchte.“

Darf man Gewalt ignorieren?

„Es ist jedem zuzumuten, die besagte 110 anzurufen“, meint Bons. Wer jedoch Zeuge werde von häuslicher Gewalt und sich dennoch bedeckt halte, riskiere es, sich wegen unterlassener Hilfeleistung strafbar zu machen.

Erste Schritte in eine Zukunft ohne Gewalt

Seit 2003 betreibt der SKFM Mettmann eine so genannte Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt. Die Institution in Mettmann ist für Frauen in Notlagen direkt ansteuerbar, aber auch die Polizei vermittelt Opfer auf Grundlage von § 34a Polizeigesetz an die katholische Einrichtung. „Wenn die Betroffene damit einverstanden sind, benachrichtigen die Polizeibeamten nach einem Einsatz die Interventionsstelle, schildern die Lage, so dass eine Mitarbeiterin danach den Kontakt suchen kann“, berichtet Frank Bons, Kriminalhauptkommissar bei der Kreispolizeibehörde Mettmann. Ein klassisches Netzwerk also, zumal Bons wie auch eine Mitarbeiterin der Interventionsstelle für den Weißen Ring tätig sind.

Ziel der Verbindung ist es zunächst einmal, das Selbstwertgefühl und das Selbstbewusstsein der betroffenen Frauen neu aufzubauen. Die Klientinnen erfahren, wo es Hilfe gibt, sie werden über ihre Rechte informiert und in finanziellen Fragen beraten. Auch wie sich die Frauen und ihre Kinder künftig schützen können, wird vermittelt.

Matthias Spruck



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