Wenigstens die Grabsteine retten
25.01.2013 | 17:32 Uhr 2013-01-25T17:32:00+0100
Velbert. Es gibt einen Bauvorantrag für den Stillen Park. Gerd Lensing hat zur Geschichte der Einrichtung einen historischen Aufsatz verfasst. Er möchte wenigstens die Steine retten.
Gerd Lensing zählt zu den geschichtsbewussten Menschen in dieser Stadt. Dienstags betreut er das Kirchenarchiv in der Christuskirche, im Bergischen Geschichtsverein war er auch engagiert bis zu dem Zeitpunkt, als dieser nach Lensings Meinung bei der Kontroverse um den Erhalt der Herminghausvilla zu viele Zugeständnisse an die Entscheider rund um das geplante Shoppingcenter machte. Lensing, der über viele Jahre in der Evangelischen Kirchengemeinde Velbert dem Leitungsgremium angehörte, hat auch ein vielbeachtetes Buch über die Alte Kirche geschrieben.
Immer wieder erweitert
Seine jüngste stadtgeschichtliche Untersuchung beschäftigt sich mit dem Stillen Park, dem alten evangelischen Friedhof. Im vergangenen Herbst hatte Gerd Lensing vor Teilnehmern der WAZ-Wanderung einen Vortrag über die Geschichte des Areals zwischen Bahnhof-, Ost- und Kurze Straße gehalten, den er zu einem Aufsatz mit einem fotografischen Dokumentarteil erweitert hat. Im Ergebnis hält Lensing fest: Velbert war 1750 noch ein Dörflein, als der Friedhof seinen Anfang nahm. „Da gab es von Carl Theodor von Pfalz-Sulzbach, dem Regenten im Herzogtum Jülich/Berg, einen Erlass, aus hygienischen Gründen Gräber aus dem Wohnbereich zu entfernen.“ Doch es sollte noch bis 1807 dauern, bis die Velberter Protestanten unter Druck französischer Gesetzgebung auf einem ererbten Grundstück am Weg nach Ostum außerhalb des Dorfes einen neuen Kirchhof anlegten. Der Friedhof wurde immer wieder erweitert, zuletzt umfasste er fast 10000 qm, bevor er 1961 geschlossen wurde.
In besten Zeiten eine wahre Pracht: „Durch die Industrialisierung trieben die wohlhabend gewordenen Velberter viel Aufwand für ihre Verstorbenen“, berichtet Lensing. Imposante Grabmäler, elitäre Gruften, auch ein Denkmal Velberter Schlosserkunst: Schmiedeeisernen Einfassungen der Gräber wurde 1904 noch ein entsprechender Zaun dazugegeben. Fast die komplette Handwerkspracht musste jedoch ab 1980 wegen der „Unfallgefahr“ wieder abmontiert werden – „man rauft sich die Haare“, klagt Lensing.
Mohn, Ditzhaus, Dornemann, Ehrenberg, Eigen, Erbach, Erley, Fingscheid, Wordenbeck – lang ist die Liste stadtprägender Familien, die hier bestattet wurden. Seit 1986 kümmert sich die Stadt um den Erhalt des Parks, verabredet wurde eine Dauer von 30 Jahren. Und dann? „Es gibt einen Bauvorantrag“, sagt Lensing. Wenn das Parkgelände denn aufgelöst würde, möchte Lensing wenigstens die Grabsteine retten.
21:09
Grabsteine, die unsere Wurzeln ausdrücken sollte man retten, wie das diskutierte Grabmal von Ludwig Damm. Wenn es denn keinen Platz mehr haben soll auf dem ev. Friedhof, sollte man es, samt Engel, in den Stillen Park bringen.
Den stillen Park bebauen, das kann doch nicht Euer Ernst sein, Gemeinde?
16:49
Der alte evangelische Friedhof und jetzige Stille Park an der Bahnhofstraße ist ein Teil Alt-Velberter Geschichte. Sollte er entwidmet und zubetoniert werden, geht ein weiteres Stück Heimatgeschichte verloren und umso mehr kann man von Velbert sagen: Geschichtslos und gesichtslos!
08:35
Dem Dank schließe ich mich an, auch an die Redaktion. Wie sonst sollte man davon erfahren, wenn es nicht eine Lokalzeitung gäbe.
Ein Satz lässt aufhorchen:
„Es gibt einen Bauvorantrag“
Frage hierzu:
1. Ist unsere Stadt überbevölkert, so dass man jede Ecke bebauen muss, weil alle Brachen längst bebaut sind?
2. Gibt es zu viele Grünflächen in der Innenstadt, die diese lebenswerter machen für die Bürger die seit einigen Jahren wieder verstärkt das Zentrum beleben?
3. Wird unsere Stadt attraktiver durch Verzicht auf Licht und Luft und Grünverbindungen?
4. Gibt es zu viel Geschichte, zu viele Denkmale in Mitte, zu viel Lokalbezug, zu viel kulturelles Erbe, so dass der stille Park verzichtbar ist?
5. Handelt es sich bei unserer Stadt um ein Investmentobjekt oder um belebte Umwelt, um heimat um Zuhause?
Nur wenn man die Fragen mit "Ja" beantworten kann sollte man den stillen Park getrost bebauen.
07:55
Friedhofskultur in Velbert. Ein weiteres Stück "lebendige Geschichte" der Stadt. Spannend und gut recherchiert. Vielen Dank Gerd Lensing.