Wenig Gedenk-Tradition
25.01.2008 | 20:32 Uhr 2008-01-25T20:32:22+0100Dabei sind die Velberter nicht abgeneigt zu feiern. Auch Geschichtsbewusstsein ist da. Nur scheint man sich an manche Ereignisse selten zu erinnern. Die neue Gemeindeverwaltung krempelte die Welt um
WAZ-SERIE 200 JAHRE BÜRGERMEISTEREI VELBERT Dem Velberter kann eine gewisse Bereitschaft zum Feiern nicht abgesprochen werden. In schöner Regelmäßigkeit lässt er im Herbst die Reben hochleben. Zurückhaltung übt er indes bei den kommunalen und regionalen Gedenktagen. Zwar ist ein Geschichtsbewusstsein da, und "man hat sich immer mal erinnert", so der Leiter des Stadtarchivs, Christoph Schotten. Es scheint jedoch auf der kommunalen Ebene keine solche Tradition zu geben wie auf Bundesebene. "Obwohl jede Stadt mindestens ein Ereignis hat, auf das die Bürger mit Stolz zurückblicken können", erklärt Schotten.
Und so verhält es sich auch in der Schlossstadt. Beispiel 1: Die Zugehörigkeit Velberts zum Rheinland. Zwar hat das Datum 925 für die Niederberg-Stadt im Vergleich zu anderen Jahreszahlen die geringste Bedeutung. Gleichwohl wurde die Tausendjahrfeier am 29. August 1925 in vielen Städten des Rheinlands ordentlich gefeiert. Schließlich gab es noch einen zusätzlichen Anlass: den Abzug der Franzosen.
Gedenkbeispiel Nummer 2 hatte da schon etwas größere Bedeutung: die Berufung Velberts in den Stand der Städte auf den Provinziallandtagen im Jahre 1827. Das 100. Jubiläum dieses Ereignisses wird zum ersten und letzen Mal am 16. Juli 1927 gefeiert. Das dann aber auch richtig, unter Einbeziehung der Schulen und mit Festakt in der Jubiläumshalle "Am weißen Stein", die eigens dafür wenige Monate zuvor gebaut worden war. Sie fasste annährend 1200 Menschen und wurde auch als Turnhalle sowie für Vorstellungen des Schulkinos genutzt, brannte allerdings während des Zweiten Weltkriegs ab.
Am Rande: Ludwig Scheiper, damals Bürgermeister von Heiligenhaus schrieb: "Die Gemeinde Heiligenhaus, seit 30 Jahren zwar auf eigenen Wegen, einst und künftig in den wirtschaftlichen Aufgaben aber eng verbunden und einig mit den Zielen der Stadt Velbert, nimmt stillen, recht warmherzigen Anteil an den festlichen Veranstaltungen."
Das wohl bedeutendste, weil weitreichendste Ereignis für Velbert - und somit Gedenkbeispiel Nr. 3 - ist die Erhebung zu einem selbständigen Gemeinwesen. Am 13. August 1808 wird die Munizipalität Velbert aus den Honnschaften Velbert mit dem Dorf Velbert, Krehwinkel, Leubeck mit dem Dorf Heiligenhaus, Hasselbeck, Hetterscheidt, Isenbügel, Oefte und Tüschen gebildet. Die Bürgermeisterei, ein Werk der Franzosen.
Anlässlich der Hundertjahrfeier - wiederum bislang die einzige - erinnert man sich, besser noch, man entschuldigt sich. Dass "der bedeutungsvolle Wendepunkt in der Geschichte unserer engen Heimat sich in der Zeit der tiefsten Erniedrigung Deutschlands vollzog". Um dann anzufügen, dass die französische Herrschaft hierzulande nicht als so drückend empfunden worden sei. Im Gegenteil. "Unendlich" viel Gutes" habe sie gehabt. Mit "unzähligen alten Zöpfen aus der Zeit des ,heiligen römischen Reiches deutscher Nation' aufgeräumt. Sie habe vor allem die "schmachvolle Leibeigenschaft und deren tief bedauerliche Nebenerscheinungen" beseitigt. Handel und Gewerbe standen in Blüte, die Gemeinden wurden von der "sie niederhaltenden Bevormundung" befreit.
Wie dies über die Bühne ging, dass das Ergebnis durchaus auch Schattenseiten hatte, und wie sich Velbert in den vergangenen 200 Jahren entwickelte, will die WAZ in den kommenden Wochen und Monaten rekonstruieren.
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