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Was Frauen wirklich wollen

09.10.2012 | 22:00 Uhr
Was Frauen wirklich wollen
Lila, rot, schwarz oder weiß – was darf’s sein? Sabine Meller (rechts) hat für jeden Geschmack etwas dabei.Foto: Uwe Möller

Velbert  Zu Besuch auf einer Dessousparty mit Höschen, BH und Sekt. Obwohl Männer hier fehlt am Platz sind, mogelt sich eine Herrenhose auf die Wäschestange.

Es ist warm im Wohnzimmer von Silke Meller. Ziemlich warm sogar. Kein Wunder eigentlich, denn schließlich hat die 45-Jährige heute Abend zur Dessousparty eingeladen. Bei der Anprobe soll später niemand frieren müssen. Zur Begrüßung gibt’s ein Gläschen Sekt. „Die Flasche wird heute bestimmt auch noch leer“, verspricht die Dessousberaterin.

Einfache Modelle laufen gut

Hinter dem Esstisch steht eine große Kleiderstange. An ihr hängen BHs und Höschen in allen Formen und Farben. Einfache, weiße Modelle gibt es genauso wie extravagante oder bunte Dessous. Gespannt nehmen die drei Gäste auf dem Sofa Platz. „Normalerweise kommen zwischen vier und acht Leute. Für heute haben leider viele abgesagt“, erzählt Silke Meller. Der Stimmung tut das aber keinen Abbruch. Es wird gescherzt und gelacht, bevor überhaupt der erste BH vorgestellt ist.

Nach einer kurzen Begrüßung geht es dann zur Sache. Rote, weiße und schwarze Dessous wandern durch die kritischen Hände der drei Frauen. Baumwolle oder Synthetik – hier eine Gewissensfrage. Manches Exemplar verdient sich ein wohlwollendes Pfeifen. Schnell kommen Einwände: „Das ist doch unpraktisch. Und mein Mann merkt es sowieso nicht, wenn ich sowas trage“, sagt eine Besucherin. Nicht immer nur Schickimicki – das sei ein großer Wunsch vieler Frauen, weiß Silke Meller. „Bei mir gehen vor allem die einfachen Modelle gut weg.“

Das Hobby zum Beruf gemacht

Kurz werden noch die Sonderangebote vorgestellt, dann geht es zur Anprobe. Dafür wird extra das Rollo heruntergefahren. Neugierige Nachbarn habe sie zwar eigentlich nicht, aber man könne ja nie wissen, sagt Silke Meller. Als Dessousberaterin arbeitet sie jetzt schon seit zwölf Jahren. „Als ich damit angefangen habe, war das noch etwas ganz verruchtes. Leute, die darauf komisch reagieren, frage ich immer, ob sie denn keine Unterwäsche tragen würden.“ Ihren Nebenjob sieht sie auch als Hobby. „Die Partys machen mir Spaß, und ich verdiene Geld dabei. Besser geht es doch nicht!“ Und das Geschäft lohnt sich. Jede Frau lasse im Schnitt 80 bis 100 Euro bei ihr.

Die Wohnung hat sich mittlerweile in eine Umkleidekabine verwandelt. Im Schlafzimmer, im Bad und im Flur probieren die Damen ihre Traummodelle an. Hier muss es eine Größe kleiner sein, da zwickt der Träger ein wenig. Bei jedem Problem weiß Silke Meller Rat. Gerade diese persönliche und intensive Beratung mache eine Dessousparty zu etwas Besonderem, erzählt Maren Bölle.

Lockere Atmosphäre

„Es ist natürlich auch die lockere Atmosphäre, die uns großen Spaß macht. Wenn man einmal nichts findet, hatte man im schlimmsten Fall einen netten Abend.“ Die 50-jährige Besucherin ist wie die meisten Kundinnen Wiederholungstäterin. Seit vielen Jahren geht sie auf Dessouspartys und richtet mittlerweile sogar selber welche aus.

Männer gibt es auf der Dessousparty natürlich nicht. Um so erstaunlicher ist es, dass sich an die Wäschestange eine Herrenhose untergemogelt hat. „Es kommt schon öfter vor, dass Frauen ihren Partnern Unterwäsche von hier mitbringen. Die freuen sich auch meistens darüber“, sagt die Dessousberaterin. Ganz selten gebe es auch Partys für Männer. Das seien aber dann meist Junggesellenabschiede.

Nach der Anprobe wird noch ein bisschen gequatscht. Und mit dem einen oder anderen neuen Modell in der Tasche verlassen die Damen am späten Abend eine zufriedene Gastgeberin. Der Abend hat sich gelohnt. Für alle.

Karoline Schubert



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