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Wahllos weggeworfen

09.02.2010 | 18:23 Uhr
Wahllos weggeworfen

Velbert. Die Technischen Betriebe klagen über den Zustand der Containerstandplätze

Freundlich begrüßen einen die zwei kleinen Vögel, die friedlich auf einem großen Stein an der Zufahrt des Parkplatzes am ­Von-Böttinger-Platz sitzen. Beim Anblick derer könnte manch ein Passant in einer lauen Sommernacht dazu verleitet werden, den Poeten in sich zu entdecken und blind vor Liebe zwischen Zwitschern und Pfeifen ein Gedicht aus der Feder zu flöten. Aber erstens gibt das Wetter derzeit keinen Anlass für solch spontane Poesie-Ergüsse, und zweitens ist der Anblick der zwei unschuldigen Ton-Vögel nur ein Ausschnitt aus einem ganz und gar nicht idyllischen Gesamtbild.

Unmittelbar neben den Vögeln liegen eine verdreckte Radkappe, eine fettige Friteuse, Schuhe, Lampen und alte Inline-Skates. Daneben säckeweise Hausmüll und eine faulende Yucca-Palme. Der Containerstandplatz an der Von-Böttinger-Sportanlage ist mit Abfall übersät,  verwahrlost, in einem erschreckenden Zustand. Was den meisten Bürgern beim Anblick einiger der über hundert Containerstandorte in Velbert unangenehm und unverständlich vorkommt, bereitet Gerold Schmelter schon seit einiger Zeit Kopfschmerzen. Schmelter ist Sachgebietsleiter bei den Technischen Betrieben und unter anderem für die Abfallentsorgung in der Stadt zuständig, also auch für die Leerung der Altglas-, Altpapier- und Altkleidercontainer. Auf seinem Computer gibt es ganze Ordner voll mit Beweisbildern verschiedener Standorte.

Einige zeigen „nur“ neben den Containern abgestellte Kartons und Flaschen, andere belegen das ganze Ausmaß der Problematik: Große Wäschekörbe voll mit Hausrat, Gefriertruhen oder gar palettenweise verschimmeltes Obst. „Wir haben grundsätzlich zwei Probleme. Zum einen kommt es immer wieder vor, dass Leute ihr Leergut einfach neben die Container werfen.“ Vielfach sind die Behältnisse voll oder zumindest von einer Seite bereits prall gefüllt, was oft auf eine falsche Benutzung zurückzuführen ist.

„Kartons müssen geknickt oder zerkleinert werden. Die Öffnungen der Container sind bewusst nicht so groß, um Fehlbefüllungen zu vermeiden“, so Schmelter. Und genau da liegt das zweite, viel größere Problem: „Manche Menschen laden einfach alles an den Standorten ab. Es gibt kaum etwas, was wir noch nicht gefunden haben“, echauffiert sich Schmelter. Die Bilder im Computerarchiv belegen dies ebenso, wie der Besuch am Böttinger-Platz. Besonders schlimm seien die Standorte Akazienstraße, Sonnenblume oder Sontumer Straße. „Diese sind etwas abgelegen und können nicht gut eingesehen werden“, begründet Vorarbeiter Sven Tüsselmann diesen Umstand.

Durch das nicht sachgerechte Abladen von Unrat sieht es rund um die Container nicht nur vielfach verboten aus. Mancher Müll, zum Beispiel Elektrogeräte oder Farben, können auch – besonders für spielende, neugierige Kinder – gefährlich werden. Zudem kostet die außerordentliche Abfuhr des Abfalls Geld. Schmelter: „Wir haben bis zu vier Mitarbeiter auf zwei Fahrzeugen im Einsatz, die nur den Unrat an den Containern wegfahren – jeden Tag.“ Allein die Entsorgung einer Tonne kostet 150 Euro. Hinzu kommen Fahrt- und Arbeitskosten, alles zu Lasten der Allgemeinheit.

Die zwei Vögelchen, die über so viel Gleichgültigkeit mancher Menschen wahrscheinlich nur staunen, hat TBV-Mitarbeiter Andreas Mroncz mittlerweile auch abtransportiert. Zurück bleibt der festgefrorene Dreck in den Schneeresten, die bei einsetzendem Tauwetter weitere, unangenehme Überraschungen preisgeben werden.

Daniel Duhr

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