Vom Waisenhaus zum Haus „Startklar“

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Was wir bereits wissen
Wenn Kleinfamilien zerbrechen, wird das Haus Maria Frieden für Kinder und Jugendlichezum „Ankerpunkt“. Jüngere kehren ins Familienleben zurück, Ältere lernen die Selbstständigkeit.

Langenberg..  Doch, vor wenigen Wochen noch war das einstige Kinderheim für Kriegswaisen tatsächlich das Zuhause von Waisenkindern. Dennoch gilt der Satz Peter Huyengs. „Es gibt kaum Waisen“, sagt der Leiter von Haus Maria Frieden. „Heute sind es Sozialwaisen.“ 99 Plätze bietet das Kinder- und Jugenhilfezentrum diesen „Waisen“: vom jüngste Kleinkind in der Notaufnahme, erst wenigen Wochen alt, bis zu den jungen Müttern, die in betreuten Apartments lernen, für ihre eigenen Babys zu sorgen, die in dieser geschützten Umgebung Fürsorge lernen.

Mit welcher traurigen Vorgeschichte der Vernachlässigung oder gar Misshandlung Kinder von den Jugendämtern im Kreis Mettmann und darüber hinaus zum Haus Maria Frieden gebracht werden – Peter Huyeng, der Diplom-Pädagoge und Gestalttherapeut, betont: „Wir suchen nicht nach Schuld. Das hilft nicht. Auch die Eltern haben einen Grund, warum sie sind, wie sie sind.“

Seit sechs Jahren leitet er das Haus. Bestätigt seine Erfahrung den viel publizierten Eindruck, dass Rohheiten an Kindern „immer schlimmer“ werden? Seine Antwort: „Es ist mehr in den Schlagzeilen.“ Wie viele Experten in Sachen Kindeswohl glaubt Peter Huyeng eher, dass die Gesellschaft – und die zuständigen Institutionen – heute genauer hinschauen: „Es hat sich in der Jugendhilfe ganz viel verändert. Man hat das Kindeswohl anders im Blick als noch vor fünf, sechs Jahren.“ Allerdings fehle im 21. Jahrhundert jener Rückhalt, den einst die Großfamilie jungen Eltern gab. „Viele Kleinfamilien stehen heute allein“, sagt Peter Huyeng, „und ich glaube, dass immer mehr Kinder der Armut ausgesetzt sind.“

In der Kajüte kommen sie zur Ruhe

Für sich sprechen auch Schulungen wie jene zu Trauma-Pädagogen oder Sexualprävention, an der über 40 der fast 100 Mitarbeiter von Haus Maria Frieden teilnahmen. Die „Bufdis“ und Hauswirtschafterinnen nicht mitgezählt, haben alle Mitarbeiter eine pädagogische Ausbildung: als Erzieher oder als Sozialpädagogen mit den unterschiedlichsten Zusatz-Qualifikationen.

Auch Ordensschwester Elisabeth Freund von der Congegratio Jesu, die Oberin der kleinen Kommunität in Langenberg, arbeitet in der Einrichtung: Sie leitet die Notaufnahme – erste Adresse, wenn Jugendämter wegen Kindeswohl-Gefährdung handeln müssen. „Wir haben einen Namen“, sagt Peter Huyeng. Und auch jedes der elf Angebote soll bald stimmige Namen erhalten. Die Notaufnahme mit ihren sechs Plätzen heißt bereits Kajüte. Dies meint Geborgenheit in unruhiger See. „Jüngere brauchen einen besonders geschützten Ort“, erklärt Peter Huyeng. „Fast alle kommen in der Kajüte gut zur Ruhe.“

Arbeit kann auch belastend sein

Einen maritimen Namen gab’s auch für den „Ankerpunkt“ mit sieben Plätzen, betreut von sechseinhalb Mitarbeitern. Es ist das Haus für sozialpädagogische Diagnostik und Training. „Da schauen wir intensiv hin, wie diese Kinder groß geworden sind“, sagt Peter Huyeng. „Oft waren ihre Lebensumstände sehr ungünstig.“

Auch für die Mitarbeiter kann diese Arbeit belastend sein. „Schon der Schichtdienst ist in jedem Beruf anstrengend“, so der Leiter des Hauses. „Hier kann man bei einer Krise nicht nach Hause gehen.“ Sondern muss beim Kind bleiben, bis – zumindest fürs Erste – wieder ein „Ankerpunkt“ gefunden ist.