Visionen im Kasten
02.03.2010 | 18:43 Uhr 2010-03-02T18:43:00+0100
Velbert. Gesamtschüler präsentieren ihr ab Freitag Projekt im Schloss- und Beschlägemuseum
Am Anfang ist eine Holzkiste. Ohne Deckel. Format rechteckig, hoch. In diese Kiste, so die Aufgabe, sollen Träume, Visionen, Emotionen hineingepackt werden. Den Träumen einen Raum geben. Eine Schachtel für Phantasien. Das ist der Auftrag. 30 Schüler/innen der Jahrgangsstufe 10 der Gesamtschule lassen diese Idee Wirklichkeit werden.
Was die Zehntklässler unter Anleitung des Velberter Künstlers und Kunstlehrers Detlef Mischo in Zusammenarbeit mit der Musik- und Kunstschule, hier vor allem Dieter Sander-Manzek, umgesetzt haben, kann der interessierte Betrachter am Freitag, 5. März, ab 18 Uhr im Schloss- und Beschlägemuseum selbst und hautnah erleben.
Auch Paul Rasch aus Langenberg, 16 Jahre jung, Klasse 10 a, hat seine Visionen in die Kiste gepackt. Lauter Müll:. angelutschte Lollies, zertretene Cola-Dosen, Pillen-Päckchen, ein halb verbranntes Grundgesetzbüchlein, kaputte Eintrittskarten, aber auch eine strahlende Sonne. „Die zeigt,, dass eben doch nicht alles Mist ist”, erklärt Paul. Er will auf Armut, Dreck, soziale Missstände aufmerksam machen. Auf Achtlosigkeit und auch darauf, dass der Staat viel mehr auf den einzelnen Menschen eingehen sollte - das angebrannte Grundgesetz.
Pauls Kiste wird eine der 30 Traum-Boxen sein, die im Foyer des Museum präsentiert werden. Und seine Geschichte eine von 30 sein, die vorgetragen werden. Eine Geschichte zu einem der Kunsträume, die bereits im Juni vergangenen Jahres im Zusammenhang mit der Ausstellung „55 Türen für Velbert” geöffnet wurden. Paul hat sich gleich den ersten Raum, einen knallbunten Flur, ausgesucht. „Es ist die Geschichte eines Studenten, der seine erste Wohnung bezieht und alles ganz anders gestalten will. Er spritzt mit Farben nur so um sich. Er will Außergewöhnliches haben.”
Diese Geschichte wird Paul vortragen. Sie im Wortsinne in den Raum stellen. Genau wie seine Mitschüler. Die haben indes eigene, auch ganz andere Phantasien, Träume, Assoziationen in ihre Boxen gesteckt: die große Liebe, der Urlaub am Meer mit Sonnenstrand, den Freundeskreis, aber auch den Bürgerkrieg, bei dem der Vater das Leben und die Familie das Dach über dem Kopf verloren hat.
„Die Beiträge gehen unter die Haut”, beurteilt Künstler und Pädagoge Detlef Mischo, der ein halbes Jahr lang mit seinen Schülern an diesem Projekt gearbeitet hat. „Spätestens nach solch einer Arbeit kennt man den Schüler und seinen Charakter.“
Bei der Ausstellungseröffnung greifen die Pennäler zu verschiedenen Stilmitteln, unterstreichen ihre Texte durch besondere Betonung oder Trommelrhythmen. Festgehalten für die Nachwelt werden die Text-Dokumente in einem Buch, das während der Vernissage lebendig wird.
Interessierte Besucher sind am 5. Februar willkommen. Der Eintritt ist frei.
Raum für den Traum
Teilfinanziert wird dieses Projekt aus der Versteigerung der „55 Türen für Velbert“, bei der, so Museums-Hausherr Dr. Ulrich Morgenroth, rund 1500 Euro zusammengekommen sind. Drei Schulprojekte sollen von der Türen-Aktion profitieren. Das Museum stellt den Raum für den Traum. Die Gesamtschüler bewerben sich mit ihrem Projekt bei „Kinder zum Olymp“, dem Wettbewerb der Länder-Kulturstiftung.
16:43
Danke der Beitrag ist gut geworden.