Viele Nevigeser wollen ein bisschen Ruß fürs Glück

Viel Glück für 2015 wünschen der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger Axel Stiefeling mit seiner Gesellin Melina Mays. Die beiden sind nicht nur zum Jahresende überall gern gesehen.
Viel Glück für 2015 wünschen der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger Axel Stiefeling mit seiner Gesellin Melina Mays. Die beiden sind nicht nur zum Jahresende überall gern gesehen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Wer Ruß vom Schornsteinfeger abstaubt, dem lacht das Glück, sagt der Volksmund. In Neviges lässt sich der Schornsteinfeger gern anstuppsen.

Neviges..  Die meisten fragen vorher höflich, einige können ihr Glück kaum fassen und greifen sofort zu und ganz seltene Exemplare haben es gar auf die goldenen Knöpfe ihrer Dienstkleidung abgesehen. Nein, Berührungsängste dürfen Axel Stiefeling, bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger in Neviges und seine neue Gesellin Melina Mays wahrlich nicht haben.

Kaum auf der Straße, kommt jemand herbei geeilt, tätschelt freundlich und möchte einen Hauch Ruß erhaschen. „Wenn es eine schöne Frau ist, darf sie auch gern umarmen“, meint Axel Stiefeling lachend. Gesellin Melina Mays und er sind zurzeit heiß begehrt, sollen Schornsteinfeger doch Glück bringen, und das kann man im neuen Jahr gut gebrauchen.

„Am Anfang ist es komisch, wenn einen fremde Leute anfassen, aber man gewöhnt sich daran, ist ja auch nett“, erzählt Gesellin Melina Mays (22), die selbst Glück hatte: „Viele meiner Kollegen haben nach der Ausbildung keinen Job bekommen, für mich ist das wirklich ein toller Start ins neue Jahr.“ Ein kleiner Zettel an der Tür führte sie einst zu ihrem Wunschberuf. „Da stand drauf: Der Schornsteinfeger kommt.“ Kurz nachgedacht, ein Praktikum absolviert, „dann war ich angefixt“. Es folgten drei Jahre Ausbildung, nun steigt sie mit ihrem Chef den Kunden in Velbert und Heiligenhaus aufs Dach, reinigt in den 2500 Liegenschaften Kamine, sorgt für den richtigen Abzug. Und ganz nebenbei, auf dem Weg zum Arbeitsplatz oder auch auf dem Heimweg, sollen Schornsteinfeger eben Glück bringen...

Kein Garant für den Lottogewinn

Als wenn das immer so einfach wäre. „Die Leute fassen einen an und sagen oft: Schön, dass ich Sie gerade sehen, ich habe nämlich Lotto gespielt“, erzählt Axel Stiefeling, der die Euphorie dann regelmäßig bremst: „Ich sage immer: Wir sind nur für das kleine Glück zuständig, nicht für die Million.“ Kleine Pause: „Meinen Sie, sonst würden wir noch selbst fegen?“ Dabei würden ihn seine Stammkunden schmerzlich vermissen, wenn er sich mit seinem fetten Gewinn einfach aus dem Staub machen würde: Das Telefon im Büro an der Elsbeeker Straße steht kaum still. „Dieses Jahr bin ich schon voll. Ach so, bei Ihnen ist für Öl eine Gasheizung eingebaut worden. Wie wäre es am 5. Januar gegen elf?“ Hauptsache, bis zum 15. Januar ist alles erledigt, denn dann muss ein jeder Kehrbezirk abgearbeitet sein.

Doch bis dahin ist noch Zeit, bei allem Termindruck ist dem bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger ein guter Kontakt zu seinen Kunden sehr wichtig. „Klar, man kennt sich, in manche Häuser müssen wir drei oder vier Mal im Jahr rein, da gibt es schon mal einen Kaffee.“ Als „Feger des Vertrauens“ hütet er zudem diverse Hausschlüssel. Anfang des Jahres wird die Emission gemessen, im Februar heißt es dann: fegen. Schornsteine werden von Festbrennstoffen gereinigt, betroffen sind Kachelöfen, Holzzentralheizungen und Pelletsheizungen. Dazu kommt die regelmäßige „Feuerstättenschau“. „Ich gucke, was in den Häusern alles vorhanden ist, wie Ölheizungen, Kachelöfen, Kamine.“ Axel Stiefeling, der sich vor zehn Jahren selbstständig machte, stellt dann den „Feuerstättenbescheid“ aus, in dem vermerkt ist, was geprüft und gereinigt werden muss. „Wenn von außen gekehrt werden muss, flitzen wir auch schon mal über die Dächer.“

Das alles klingt routiniert, dabei sind Schornsteinfeger vor Überraschungen nie sicher: „Ich hatte mal eine Eule im Schornstein, ein Riesenvieh, da habe ich mich vielleicht erschrocken“, erinnert sich Melina Mays. Das Tier suchte das Weite, was eher die Ausnahme ist, wie Axel Stiefeling weiß. „Viele Vögel wärmen sich hier den Hintern, kriegen später eine Kohlenmonoxidvergiftung und wir können die dann rauskratzen.“ Unvergessen ist ihm jedoch ein besonderer Fund: „Ich habe mal einen Igel entdeckt, den hatte wohl ein Raubvogel im Schornstein abgelegt, den habe ich gerettet.“ Da hat Mecki mächtig Schwein gehabt.