Verbraucherzentrale Velbert warnt vor „Gratis-Krediten“

Die bunte Warenwelt generiert Wünsche, die mit so genannten Null-Prozent-Finanzierungen schnell verwirklicht werden können.
Die bunte Warenwelt generiert Wünsche, die mit so genannten Null-Prozent-Finanzierungen schnell verwirklicht werden können.
Foto: WAZ FotoPool
Die Verbraucherzentrale Velbert registriert in ihrem Jahresbericht 2014 einen sprunghaften Anstieg bei Beratungsanfragen zu Finanzen, Versicherungen und Energie.

Velbert..  Manchmal sind es höchstrichterliche Urteile, die für deutlich mehr Beratungsbedarf in der Verbraucherzentrale (VZ) sorgen: „In 2014 war es der Bundesgerichtshof, der die Entgelte der Banken für Kreditbearbeitung für unzulässig erklärte“, berichtet Andreas Adelberger, Leiter der Velberter Einrichtung. In der Folge ließen sich zahlreiche Kunden von Adelberger und seiner Kollegin Birgit Tüch Musterbriefe aushändigen, die an die betreffenden Banken geschickt wurden. Zudem wurde von der VZ ein Internetforum zur Beratung eingerichtet. „Da flossen bis zum Jahresende für viele dreistellige Beträge zurück“, so Adelberger.

Immer mehr auf Pump kaufen

Insgesamt gehört der Bereich Finanzen neben dem der Energie zu den am meisten wachsenden Beratungsfeldern der VZ – waren es 2013 noch 19 Prozent aller Anfragen, so ist es im vergangenen Jahr bereits fast jeder dritte Ratsuchende gewesen, der mit einer Anfrage zu Konten, Krediten, Geldanlagen oder Versicherungen vorsprach. „Der Sturm Ela und die Neigung vieler Versicherungen, Sturmschäden nicht zu regulieren, beschäftigte uns auch“, so Adelberger.

Was dem Verbraucherschützer sehr zu denken gibt, ist die offenkundig wachsende Neigung vieler Bürger, Produkte des alltäglichen Bedarfs auf Pump zu kaufen; hier könne man schnell die eigene Finanzkraft überschätzen. „Bei Autos gibt es den Trend schon länger, jetzt sind es aber auch Kühlschränke, Flachbildschirme, Kameras oder Spülmaschinen“, sagt Adelberger. Der Handel füttere diese Bereitschaft immer häufiger mit Null-Prozent-Finanzierungsangeboten, „die auf den ersten Blick auch dem Verbraucher mit kleinem Geldbeutel Wünsche erfüllen helfen.“ Doch im Kleingedruckten von Konsumentenkrediten fänden sich häufig Versicherungsbeiträge zu Restschuld, Ratenschutz, Ausfall und auch Kontoführungsgebühren. „Zudem gerät hier die gesunde Grundeinstellung in Gefahr, wonach man sich Anschaffungswünschen besser über das Sparen nähern kann“, so Adelberger.

Schlecht informierte Energiekunden

Ein Thema von sozialpolitischer Brisanz sind die Energiekosten. Besonders Ärmere und Hartz-IV-Bezieher müssen oft schlecht isolierte Wohnungen mit entsprechend hohem Energieverbrauch beziehen. Adelberger hat beobachtet, dass viele Verbraucher erschreckend wenig über ihre Abrechnungen und die Angebote der jeweiligen Versorger wissen. „Viele befinden sich in der teuersten Kategorie Grundversorgung und wundern sich bei Erhalt der Rechnung.“ Jetzt werden viele wach, die Anfragen in der VZ haben sich fast vervierfacht. Adelberger rät auch dazu, den Wechsel des Anbieters in Erwägung zu ziehen, „zumindest die Spielräume für Preissenkungen bei ihrem Versorger besser zu nutzen“, sagt der Verbraucherschützer.