Verblassende Botschaft der Stolpersteine in Neviges

Auch in Neviges hat der Künstler Gunter Demnig Stolpersteine verlegt, die an früher hier lebende Opfer des Nationalsozialismus erinnern.
Auch in Neviges hat der Künstler Gunter Demnig Stolpersteine verlegt, die an früher hier lebende Opfer des Nationalsozialismus erinnern.
Foto: WAZ
Viele Passanten in der Nevigeser Innenstadt nehmen die Stolpersteine im Pflaster nicht wahr. Doch der Sinn dieser Form des Erinnerns steht außer Frage, wenn man sie aufmerksam macht.

Neviges..  Zur Ehrenrettung der vielen Passanten, die sich am Donnerstag in der Nevigeser Innenstadt aufgehalten haben, sei dies gesagt: Man nimmt sie wirklich kaum wahr, die Stolpersteine, die in den vergangenen Jahren von dem Kölner Künstler Gunter Demnig auch hier in der Fußgängerzone in den Boden gepflastert wurden. „Das ist doch ein Messpunkt“, ist Hans-Joachim Breitgoff überzeugt, als er auf den messingbeschlagenen Stein nahe des Eingangs zu Gassmann angesprochen wird. Helene Heumann, geboren 1884, ist dort zu lesen. Die Nevigeserin jüdischen Glaubens, die früher genau hier gewohnt hat, wurde 1944 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Breitgoff setzt seine Einkaufstüte ab, beugt sich hinab und hält seine Brille vor die Augen. „Wahrhaftig, kein Messpunkt“, stellt er fest. Und ein bisschen peinlich ist es dem Nevigeser auch, dass er so gar nichts von der Existenz der Steine wusste, obwohl er fast täglich hier vorbeikommt.

Wer reinigt die dunkel gewordenen Steine?

Gunter Demnig hat allein bis 2013 in etwa 820 deutschen und gut 200 europäischen Städten nahezu 40000 Stolpersteine für diejenigen Menschen herstellt, die in der Zeit des Nationalsozialismus deportiert wurden und meist dem Holocaust zum Opfer fielen. Die Steine versieht er mit den Namen der Opfer und verlegt sie vor deren einstigen Wohnungen im Straßen- oder Gehwegpflaster. „Ich hab’ es damals in der Zeitung gelesen, dass für die Familie Meyer und Frau Heumann diese Erinnerungssteine verlegt wurden“, sagt Hildegard Beninngsen. Die 62-Jährige findet es gut, dass diese Information für alle Menschen zugänglich ist, auch das von Demnig geäußerte Zitat, dass wer den Namen des jeweiligen Opfers lesen will, sich dafür vor ihm verbeugen muss, überzeugt die Rentnerin.

Eine vorbeischlendernde Schülergruppe, die auf die vier Steine der Familie Meyer im Eingangsbereich der Passage aufmerksam gemacht wird, verweist auf den Geschichtsunterricht. „Wir haben versucht, den Nationalsozialismus in unserer Stadt aufzubereiten“, sagt ein 16-Jähriger. Da seien auch die Stolpersteine angesprochen worden. Die Jugendlichen finden diese Form des Erinnerns angemessen. „Das waren ja alle mal Bürger unserer Stadt, die durch furchtbares Unrecht vertrieben und getötet wurden“, sagt Schülerin Jessica.

So denkt auch Hans-Dieter Scholten aus Tönisheide. „Ich finde es nur schade, dass der Messingbezug mit der Zeit so dunkel wird, so dass man fast nichts mehr lesen kann“, klagt er. Da müsse doch die Stadt dafür Sorge tragen, dass die Stolpersteine regelmäßig gereinigt werden, um als solche erkennbar zu bleiben. Diese Ansicht korrigiert Stadtpressesprecher Hans-Joachim Blißenbach: „Für die Reinigung der Bürgersteige sind die Anlieger verantwortlich!“