„Verantwortung liegt bei Eltern“
27.01.2012 | 17:15 Uhr 2012-01-27T17:15:00+0100
Abschaffung der verpflichtenden Schulempfehlung hat Konflikte entschärft und Druck genommen.
Seit 2010 stellt sich für Eltern von Grundschulkindern wieder die Frage, welche höhere Schulform sie für die spätere Schullaufbahn ihrer Kinder wählen möchten.
Just zu diesem Zeitpunkt hat die rot-grüne Minderheitsregierung die verpflichtende Grundschulempfehlung abgeschafft und damit dem Elternwillen wieder mehr Bedeutung eingeräumt. Ein Jahr danach werden die Folgen dieser Gesetzesänderung von den Schulleitern unterschiedlich beurteilt.
So schränkt Gabriele Geissler-Hillekamp, Direktorin der Städtischen Gemeinschaftsgrundschule Nordstadt, ein: „Wir geben ja nach wie vor eine begründete Empfehlung heraus. Dennoch erleichtert uns der Wegfall der verpflichtenden Empfehlung die Arbeit.“ Zum einen würden, da mittlerweile der Elternwille entscheidend sei, mögliche Konfliktpotenziale wegfallen, zum anderen laste nicht mehr so ein großer Druck auf den Schülern, eine bestimmte Anforderung unbedingt erreichen zu müssen.
Verantwortung liegt bei Eltern
Petra Holtmann, Konrektorin der Städtischen Gerhart Hauptmann-Grundschule, gibt zu bedenken, dass die Entscheidung für eine Schulform ja nicht von heute auf morgen getroffen werde: „Ich glaube, dass ich nach dreieinhalb Jahren meine Schüler so gut kenne, dass ich ihre Leistungen einschätzen kann.“ Dennoch falle die Entscheidung für eine Schulform ja nicht unabhängig von den Eltern, vielmehr gleiche man sich in regelmäßigen Gesprächen ab. Beim Beratungsgespräch stehe dann auch zunächst der Elternwille im Vordergrund: „Meine erste Frage an die Eltern dreht sich immer darum, ob sie sich schon Gedanken gemacht haben, welche Schulform ihr Kind besuchen soll.“ Bedauerlich findet sie es dagegen, wenn nun Empfehlungen an den weiterführenden Schulen nicht mehr gelesen würden. „Wir haben sehr viel Arbeit mit dem Schreiben der Empfehlungen, was ja richtige Dokumente sind, dennoch richtet sich der Blick häufig nur auf die Noten und nicht auf das dort festgehaltene Schülerverhalten“, beobachtet sie.
Das kann der Schulleiter des Nikolaus-Ehlen-Gymnasiums, Werner Schuhmacher-Conrad, nicht bestätigen: „Wir sprechen mit den Grundschulen, schauen uns die Zeugnisse und die Gutachten an, bevor wir uns für einen Schüler entscheiden.“ Dennoch liege die Verantwortung letztlich bei den Eltern; und egal, ob eine Empfehlung nun verpflichtend sei oder nicht, er hat die Erfahrung gemacht: „Wenn Eltern sich für eine Schulform entschlossen haben, dann sind sie auch entschlossen.“
Antje Häusler, Schulleiterin der städtischen Gesamtschule Velbert-Mitte, hat da ganz andere Erfahrungen gemacht: „Wir haben mittlerweile eine Warteliste von Schülern, die man gegen eine Lehrer-Empfehlung am Gymnasium angemeldet hat. Da wir aber keine Sitzenbleiber haben, haben wir auch keinen Platz, um diese aufzunehmen“, bedauert sie.
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