Velberts Bürgermeister Lukrafka im WAZ-Sommerinterview Teil 2

Interview mit Bürgermeister Dirk Lukrafka.
Interview mit Bürgermeister Dirk Lukrafka.
Foto: Heinz-Werner Rieck
Was wir bereits wissen
Im zweiten Teil des Interviews mit Bürgermeister Dirk Lukrafka ging es um seinen ehemaligen Konkurrenten um das Amt der Bürgermeisters, Gerno Böll, der nun einen hochdotierten Job in der Stadtverwaltung bekommt, und um die Kultur in einer unter Sparzwang stehenden Mittelstadt.

Im zweiten Teil des Sommerinterviews sprachen Bürgermeister Dirk Lukrafka und WAZ-Redakteur Matthias Spruck über die beruflichen Ambitionen von Gerno Böll und die Kultur in Zeiten des Sparzwangs und Lukrafkas Blick auf sein Amt genau ein Jahr nach der Übernahme.

Der bei der Bürgermeisterwahl unterlegene Kandidat der SPD, Gerno Böll, soll ja jetzt Karriere in der Stadtverwaltung machen. Können Sie nachvollziehen, dass viele annehmen, das System Politik sorge da wieder einmal für sich selbst?

Gerno Böll muss nicht versorgt werden! Er hat sich auf völlig normalem Weg für die Position des Fachabteilungsleiters beworben. Böll verfügt über mehrere Abschlüsse, hat exzellente Noten, er kennt aus seiner politischen Arbeit alle Themen dieser Stadt. Nach einer Einarbeitungsphase haben wir einen hoch qualifizierten Mann auf diesem Posten. Ich kann die Kritik überhaupt nicht nachvollziehen: Gerno Böll darf doch nicht wegen seiner ehrenamtlichen Arbeit für die Stadt einen Nachteil haben, wenn er beruflich seine Zukunft hier sucht! Wir würden ja ein fatales Signal an alle ehrenamtlich tätigen jungen Menschen aussenden, wenn wir ihnen im Gegenzug eine berufliche Perspektive in der Verwaltung unter Hinweis auf ihren Einsatz versagen würden.

Im Zuge der Spardiskussion: Wie viel Kultur braucht eine Stadt wie Velbert?

Velbert ist eine Stadt mit reicher Kultur. Wir stellen aber fest, dass unsere Angebote längst nicht immer zielgruppengerecht sind. Klassische Musik wird eher weniger gefragt, Theateraufführungen auch. Chormusik dagegen erfreut sich großer Nachfrage, auch Kabarett und Musicals wie die Grenzfälle werden gut angenommen. Wir stehen an einem Punkt, wo wir die Bevölkerung fragen müssen: Was wollen wir anbieten? Und es muss bezahlbar sein: Die Arbeit unserer Musik- und Kunstschule ist klasse, aber je mehr wir dort anbieten und je mehr nachgefragt wird, um so höher steigt das Defizit! Und wer über die Kosten des Kulturbetriebs spricht, sollte wissen, dass die Kultur- und Veranstaltungs GmbH jährlich 1,5 Millionen, die KVBVgut 600000 Euro Defizit pro Jahr erwirtschaftet.

Seit genau einem Jahr sind Sie Bürgermeister. Wie viel Zwang, wie viel Freiheit, wie viel Freude bringt dieser Job?

Die Zeit ist wie im Fluge vergangen. Der Zeitbedarf ist enorm, für Privates bleibt da wenig übrig. Aber es ist eine große Freude für mich, Menschen zu treffen und kennen zu lernen. Andererseits ist der Zwang groß, wenn es etwa um die Grenzen geht, die uns die Haushaltslage aufzwingt. Vorgaben von Bund und Land schränken uns zusätzlich ein. Ideen, wie Velbert weiterzubringen wäre, gibt es viele, wenn nur das Kapital vorhanden wäre! Dabei gibt es noch viel zu tun: Die Schulen und Kindergärten etwa sind noch nicht alle auf dem Stand, der wünschenswert wäre. Aber Bürgermeister sein ist für mich jeden Tag wieder eine wunderbare Aufgabe.