Velberts Bürgermeister Dirk Lukrafka im WAZ-Interview

Interview mit Bürgermeister Dirk Lukrafka in seinem Rathausbüro an der Thomasstraße.
Interview mit Bürgermeister Dirk Lukrafka in seinem Rathausbüro an der Thomasstraße.
Foto: Heinz-Werner Rieck
Was wir bereits wissen
WAZ-Sommer-Interview mit Bürgermeister Dirk Lukrafka. Teil 1: Flüchtlingsunterbringung, Hertie und Zukunft der Oberstadt

Velbert..  Auch wenn sommerliche Ferienruhe über die Stadt gekommen ist, an Themen mangelt es nicht, als Bürgermeister Dirk Lukrafka mit WAZ-Redakteur Matthias Spruck ins Gespräch kommt.

Das Thema Flüchtlingsunterbringung beschäftigt die Berichterstattung seit vielen Wochen. Um wie viele Flüchtlinge kümmert sich die Stadt Velbert?

Dirk Lukrafka: Nach aktuellem Stand sind es 660. Davon haben wir 58 in städtischen Wohnungen untergebracht, 220 in angemieteten Unterkünften, 305 leben im Übergangsheim, in Gästehäusern 77.

Wie muss man sich das Vorgehen bei der Stadt vorstellen, wenn die Bezirksregierung neue Flüchtlinge schickt?

Die Kapazitäten in der Talstraße reichen schon lange nicht mehr aus. Wir haben verschiedene Bausteine bei der Bewältigung, Häuser im Eigentum der Stadt wie etwa an der Heidestraße, aber auch am Hixholzer Weg, die Jugendherberge. Die Turnhalle an der Grünstraße dient als erste Anlaufstelle für Kontingente um die 50 Personen, die von dort natürlich zügig weitervermittelt werden.

Welche Rolle spielt dabei der Sportplatz in Bonsfeld?

Unsere Verwaltung ist immer auf der Suche nach möglichen neuen Standorten, die dann auf ihre Eignung untersucht werden. Der Sportplatz böte mit Wohncontainern Kapazitäten für etwa 50 Personen. Sind die dann eingetroffen, kümmern sich Mitarbeiter um sie: Für die Verteilung auf die unterschiedlichen Unterkünfte muss geklärt werden: Einzelpersonen oder Familien mit Kindern? Welche Religion? Welche Kultur? Auf keinen Fall wollen wir eine Ghettobildung, die dezentrale Unterbringung ist Grundsatz. In Bonsfeld wie auch an anderen Standorten laufen Voruntersuchungen, der Stadtrat soll dann in seiner Sitzung am 11. August entscheiden, welcher Standort genutzt werden soll.

Was macht das städtebauliche Sorgenkind, die Hertie-Ruine in der Oberstadt?

Es wird einen zweiten Zwangsversteigerungstermin geben, es gibt jedoch zurzeit keine Informationen über einen möglichen Investor.

Die Innenstadt soll konzentrierter werden. Das Integrierte Handlungskonzept sieht Bemühungen um Belebung schwerpunktmäßig im Bereich zwischen Offersplatz und Grünstraße vor. Welche Zukunft hat die Oberstadt?

Schallowetz setzt mit dem Neubau ein gutes Signal, so etwas würden wir uns für Hertie natürlich auch wünschen. Das Handlungskonzept, für dessen Umsetzung wir auch öffentliche Zuschüsse erhalten, begünstigt in der Oberstadt innenstadtnahes Wohnen, und es werden Objekte für altersgerechtes Wohnen für Bürger geplant, die ihr Haus in der Randlage der Stadt verkaufen. Solche Ansiedlungen schließen Läden in den Erdgeschossen nicht aus, die Zukunft der Oberstadt liegt meines Erachtens in einer Mischung aus Wohnen und Einkaufen.