Velberter Verein empört über E-Scooter-Verbot der Rheinbahn

Hatten viel zu erzählen: v.l. Virginia Möller, Jennifer Jassmann (beide promobil), Sabrina Tappe und Klaus Kleinrahm.
Hatten viel zu erzählen: v.l. Virginia Möller, Jennifer Jassmann (beide promobil), Sabrina Tappe und Klaus Kleinrahm.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Auf Empfehlung des Verbandes VDV nimmt die Rheinbahn keine Menschen mehr mit, die mit einem E-Scooter unterwegs sind. Der Velberter Verein Pro Mobil ist empört. Ein Gespräch mit Betroffenen.

Velbert/Düsseldorf..  Mitbürger mit Behinderung, die mit einem E-Scooter am öffentlichen Verkehr auch in Bussen teilnehmen konnten, stehen seit etwa einem Monat bei den Rheinbahnbussen vor verschlossenen Türen. Eine kurze Mitteilung der Rheinbahn an ihre Kunden: Die Mitnahme von Elektromobilen, sogenannten E-Scootern, ist in Bussen untersagt. Die Begründung: nach Unfällen mit umgekippten und Verletzungen verursachenden E-Mobilen hat der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) ein Gutachten in Auftrag gegeben. Es folgte die Empfehlung, die Mitnahme dieser Elektro-Scooter in Bussen zu untersagen. Soweit die Rheinbahn.

Sind die Betroffenen jetzt die Dummen? Wird ein Ausgleich geschaffen? Pro Mobil, der Verein für Menschen mit Behinderung, gibt sich damit nicht zufrieden. In einer kleinen Runde bei Pro Mobil äußerten Jennifer Jassmann und Virginia Möller ihr Unverständnis über die Maßnahme und auch die Umsetzung ohne vernünftige Information an die betroffenen Verkehrsteilnehmer. Selbst Menschen mit Behinderung, die einen Elektro-Rollstuhl als Hilfsmittel benutzen, werden von Fahrern der Rheinbahn nicht mitgenommen.

Busfahrern fehlt Schulung

Und das schon seit mehr als einem Jahr. Eine der Betroffenen ist Sabrina Tappe aus Velbert. Bereits 2013 ist sie von einem Busfahrer der Rheinbahn stehen gelassen worden. „Ich darf Sie nicht mitnehmen“, habe er ihr gesagt und sei weiter gefahren. Sabrina Tappe, die trotz ihrer körperlichen Einschränkungen voll am Leben teilnimmt, soweit es ihr möglich ist, wird von der Rheinbahn ausgegrenzt. „Vielleicht sind die Fahrer nicht ausreichend geschult. Vielleicht sind die Fahrpläne so knapp bemessen, dass jeder Behinderte mit Rollstuhl, E-Bike oder Elektro-Rollstuhl nicht mitgenommen wird?“ sagt sie und ergänzt empört: „Letztlich werden die Unternehmen bezuschusst und es wäre an der Zeit, dass sich auch die Politik einschalten würde.“

Klaus Kleinrahm, ist für das Gespräch mit der WAZ von Ratingen bei Regen und Sturm angereist und empfiehlt ein große Runde mit allen Beteiligten, um das Problem zu lösen.

Heike Schuster, Pressereferentin der Rheinbahn in Düsseldorf, sieht die Mitnahme von Elektromobilen in Bussen bei ihrem Unternehmen als vorbeugende Maßnahme, um dem Gutachten des Verbandes VDV gerecht zu werden. Fälle wie der der Velberterin Tappe sind Heike Schuster bekannt. „Wir haben sofort reagiert. Nach den Beschwerden, die uns erreichten, sind unsere Fahrer nachgeschult worden.“

Scooter-Verbot wegen erhöhter Gefahren

Behinderte mit Elektromobilen (E-Scootern) haben im Alltag ein zusätzliches Handicap: Im Dezember legte sich die Rheinbahn fest: „Mitnahme von Elektromobilen in Bussen ausgeschlossen.“ Das gelte nicht für Straßen- und Stadtbahnen. In der Rheinbahn-Mitteilung stellt der Düsseldorfer Verkehrsbetrieb fest, dass die Entscheidung aufgrund eines Gutachtens des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) erfolgte, der seinen Mitgliedern empfehle, die Beförderung in Bussen zu untersagen. Zur Begründung heißt es, dass E-Scooter wegen ihres großen Wendekreises deutlich schlechter manövrierfähig seien als Rollstühle. Sie würden nicht längs im Gang- oder Türbereich abgestellt und hätten durch ihre Konstruktion obendrein einen hohen Schwerpunkt. Weiter schreibt die Rheinbahn: „Die Untersuchungen haben ergeben, dass erhöhte Gefahr des Kippens oder Rutschens besteht, wenn Beschleunigungs- oder Bremskräfte der Busse auf die quer abgestellten Mobile einwirken.“