Velberter üben Umgang mit Pfeil und Bogen

Ein intuitives Bogenschießen fand auf dem Hof zur Hellen im Windrather Tal mit der Firma Bogenlust aus Köln in Velbert Neviges statt.
Ein intuitives Bogenschießen fand auf dem Hof zur Hellen im Windrather Tal mit der Firma Bogenlust aus Köln in Velbert Neviges statt.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Als entspannend, schon fast meditierend empfinden die Teilnehmer das intuitive Bogenschießen. Ein Kurs fand nun auf dem Hof zur Hellen statt.

Neviges..  Umgeben von Wiesen und Wäldern ist der Hof zur Hellen im Windrather Tal wahrlich schön gelegen – nur der triste Himmel am Samstagnachmittag trübt das idyllische Bild. Doch davon lassen sich 16 Männer und Frauen nicht abschrecken. Auf einer Wiese haben sie sich hinter leuchtend orangefarbenen Kegeln aufgestellt, machen Bewegungen, als spannten sie einen Bogen. „Ihr müsst den Ellbogen parallel zum Boden halten“, korrigiert Rolf Räbiger. „Genau, so sieht’s gut aus.“

Der Inhaber der Firma Bogenlust ist sichtlich zufrieden. Wind und Regen zum Trotz bietet er heute einen Kompaktkurs im intuitiven, oder traditionellen, Bogenschießen an. Nachdem die Teilnehmer, von denen nahezu alle Anfänger sind, die ersten Trockenübungen abgeschlossen haben, geht es an die Bogen. Diese sehen aus, als seien sie früheren Zeiten entsprungen, was jedoch nicht ganz der Wahrheit entspricht. „Sie sind zum Beispiel wetterbeständiger, als die Bogen, die früher zur Jagd eingesetzt wurden“, erklärt Räbiger.

Das tut der Vorfreude, endlich schießen zu dürfen, allerdings keinen Abbruch. Nacheinander gehen die Männer und Frauen in die richtige Position, legen einen Pfeil an. Um sie herum herrscht absolute Ruhe, volle Konzentration. Ziel fixieren, Sehne spannen, loslassen. Ein Zischen durchschneidet die Stille, bis sich der Pfeil in die weiße Platte, die als Ziel dient, gebohrt hat. Erst dann beginnen die Gespräche wieder, man überlegt, was man verbessern könnte. „Diese Spannung liebe ich einfach“, schwärmt Rolf Räbiger, der seit elf Jahren hauptberuflich Unterricht im intuitiven Bogenschießen gibt. „Ganz gelassen und achtsam zielen und dann den Schuss genießen.“

Seine spürbare Begeisterung überträgt sich schnell auf die anderen. Gerade hat Beate Buchborn einen Pfeil abgeschossen und lächelt. „Ich finde, intuitives Bogenschießen hat etwas entspannendes, fast schon meditativ“, sagt sie. Buchborn kommt von der Volkshochschule Velbert-Heiligenhaus: „Wir überlegen, Bogenschießen im Herbstsemester in Kooperation mit Bogenlust in unseren Gesundheitsbereich einzubringen. Deshalb probiere ich es heute aus“, erklärt sie, bevor sie sich auf den nächsten Schuss vorbereitet.

Sonja Grützmann nimmt auf Empfehlung gemeinsam mit einer Freundin teil. „Man kann sich selbst neu kennenlernen, weil man sich ganz anders auf sich und seinen Körper konzentriert“, findet sie. „Es ist wirklich spannend, etwas auszuprobieren, das in dieser Form im Alltag nicht vorkommt.“

Der Körper, nicht der Bogen wird hier justiert

Vom traditionellen oder intuitiven Bogenschießen unterscheidet sich das Systembogenschießen, wie es bei Olympiaden zu sehen ist. Hier sind die Bögen mit Zielvorrichtungen und Stabilisatoren aus der Waffentechnik ausgestattet, um auch aus großer Distanz genau treffen zu können.

Der Bogenschütze steht kerzengerade, nur ein Auge ist geöffnet – ganz anders als beim intuitiven Bogenschießen, bei dem der Schütze die Knie leicht beugt und beide Augen geöffnet bleiben. „Damit trainieren wir das räumliche Sehen“, erklärt Rolf Räbiger diese Herangehensweise. Beim traditionellen Bogenschießen gehe es weniger darum, schnell gute Trefferquoten zu erzielen: „Vielmehr soll das Hirn frei geblasen werden.“

„Ich sage gerne, während beim Systembogenschießen der Bogen justiert wird, geht es beim intuitiven Bogenschießen darum, Körper und Geist zu justieren.“ Dazu zählen vor allem die aufrechte Haltung und eine ruhige gleichmäßige Atmung. Räbiger meint: „Wir möchten uns von der Technik abgrenzen, damit man sich ganz auf sich selbst konzentrieren kann.“