Velberter Schülervertreter diskutierten über Sekundarschule

Diese sechs jungen Erwachsenen diskutierten über die Sekundarschule: (v.l.) Miriam Meinert (NEG), Mazlum Coskun (GSG), Christina Kotsi (HKS), Michael Galanopoulos (NEG/Jusos), Natascha Petersilie (GSG/Stadt-SV) sowie Sven Rogalla (JU).
Diese sechs jungen Erwachsenen diskutierten über die Sekundarschule: (v.l.) Miriam Meinert (NEG), Mazlum Coskun (GSG), Christina Kotsi (HKS), Michael Galanopoulos (NEG/Jusos), Natascha Petersilie (GSG/Stadt-SV) sowie Sven Rogalla (JU).
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Bezirksregierung hat die neue Sekundarschule in Velbert genehmigt. Bei der WAZ Velbert diskutierten nun Schüler-Vertreter über die Schule und den langen Weg bis zur Genehmigung.

Velbert.. Die Bezirksregierung hat entschieden, die Sekundarschule in Velbert ist genehmigt. Während das Aus für die Hardenbergschule in Neviges schon länger feststand bedeutet dieser Beschluss nun auch, dass die Kölver-Realschule (HKS) in Tönisheide bis zum Schuljahr 2019/20 ausläuft. Im Vorfeld dieser Entscheidung gab es teils hochemotionale Diskussionen um das Für und Wider zur Sekundarschule und um die Zukunft der HKS. Wer nicht zu Wort kam, waren die eigentlich Betroffenen – die Schüler. Sechs von ihnen trafen sich nun in der WAZ-Redaktion in Velbert, um über Sinn und Unsinn der Sekundarschule zu reden.

Zunächst einmal herrscht unter den Schülern große Verwunderung, „warum es keine zweite Gesamtschule gibt“, sagt stellvertretend Mazlum Coskun, Schülersprecher am Geschwister-Scholl-Gymnasium. „Schließlich zeigen die Anmeldezahlen jedes Jahr ganz deutlich den Elternwillen.“ Auch das Motto der neuen Sekundarschule „Menschlich - miteinander - motiviert“ sorgt für Unmut. Nochmal Mazlum Coskun: „Ist das denn an den anderen Schulen nicht der Fall? Auch dort wird dieses Motto gelebt.“

Das Konzept der Sekundarschule wiederum erfährt durch die Bank weg Zustimmung: „Eine Schule des längeren gemeinsamen Lernens ist grundsätzlich erst einmal zu begrüßen“, sagt etwa Michael Galanopoulos, Schüler am Nikolaus-Ehlen-Gymnasium (NEG) und Vorsitzender der Velberter Jusos. „Die Sekundarschule ist da schonmal ein Schritt in die richtige Richtung.“ Allerdings sei das Etikett „Sekundarschule“ in Velbert verbrannt. „Die ganze Diskussion hat die Eltern verunsichert, zumal es nicht immer sachlich zuging und viele Dinge unter den Tisch gefallen sind“, ergänzt Sven Rogalla, der als Vorsitzender der Jungen Union an der Gesprächsrunde teilnahm. „Viele Eltern wissen gar nicht genau, worum es sich bei der Sekundarschule handelt. Und das liegt auch daran, dass bei vielen Beteiligten persönliche Interessen im Vordergrund standen.“ So hätten etwa bei der Unterschriften-Sammlung in Tönisheide einige der Stimmen-Sammler nur davon berichtet, dass die HKS geschlossen werde – nicht aber über die Pläne für die Sekundarschule.

„Mir wäre es lieber gewesen, man hätte von Anfang an alle Energie in eine sinnvolle und konstruktive Diskussion über das Konzept Sekundarschule gesteckt, anstatt so viel Aufwand zu betreiben, die HKS zu retten“, fügt Michael Galanopoulos an. So sollten nun etwa die Lehrer auf das neue Konzept vorbereitet und motiviert werden, ergänzt Miriam Meinert, Schülersprecherin am NEG: „Es hängt viel vom Engagement der Lehrer ab, deswegen sollten die miteinbezogen werden, damit die Sekundarschule genau so gut wird, wie es die HKS jetzt ist.“

Einzig Christina Kotsi, Schülersprecherin der betroffenen Kölver-Schule, konnte dem Konzept nichts abgewinnen, versuchte immer wieder eine Lanze für ihre Schule zu brechen. Sie sagte, die Stimmung an der HKS sei getrübt, dennoch hege man noch ein wenig Hoffnung: „Wir haben auf der 150-Jahr-Feier Geld gesammelt, um einen Anwalt das Verfahren prüfen zu lassen. Einige Zahlen scheinen uns nämlich nicht ganz stimmig zu sein.“

Eine ganz andere Sorge treibt Natascha Petersilie, GSG-Schülerin und im Vorstand der Stadt-Schülervertretung, um: „Wie vereinbar ist das Konzept denn mit dem Haushalt der Stadt? Schließlich ist die Hardenbergschule absolut sanierungsbedürftig. Kann die Stadt also das Raumkonzept finanziell überhaupt tragen?“

Zerrissene Schulgemeinschaft

Drei weitere Punkte waren den Schülern und jungen Erwachsenen besonders wichtig: Michael Galanopoulos (NEG/Jusos) wandte ein, dass das Hin-und-Her der Findungsphase vor allem den Schülern gegenüber unfair gewesen sei – und zwar sowohl denen an der Kölver-Schule, die zunächst im Unklaren darüber gelassen worden seien, wie es mit der Schule weitergeht, dann aber auch denen gegenüber, die sich für die Sekundarschule interessiert hätten.

Natascha Petersilie (GSG/Stadt-SV) und Miriam Meinert (NEG) fürchten wiederum, dass durch die Aufteilung der neuen Sekundarschule auf zwei Standorte (Hardenbergschule und Kölver-Schule) den Schülern die Chance genommen werde, sich als eine Schule zu begreifen: „Das reisst die Schulgemeinschaft auseinander. Es wird immer das Gefühl geben, an zwei Schulen unterrichtet zu werden.“

Mazlum Coskun (GSG) und Christina Kotsi schließlich fürchten, „dass das, was die HKS ausmacht, an der neuen Schule verloren geht“, so Coskun, der von der Kölver-Schule ans GSG gewechselt war. „Daher ist das für mich auch eine Herzensangelegenheit.“