Velberter Pädagogen setzen auf Schreibschrift

Ginge es nach dem Willen der Finnen, gehört die Schreibschrift bald der Vergangenheit an.
Ginge es nach dem Willen der Finnen, gehört die Schreibschrift bald der Vergangenheit an.
Foto: Tom Thöne / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
In Finnland sollen ab 2016 Texte nur noch auf Geräten getippt werden. Velberter Pädagogen setzen weiter auf das traditionelle Schreibenlernen

Velbert..  Die Praxis, wie Kindern das Schreiben beizubringen ist, hat sich im Laufe der Jahre oft gewandelt. Hielt man lange Jahre die schnörkelige Lateinische Ausgangsschrift für das Nonplusultra, wurde sie über die Jahre immer weiter zugunsten einer Angleichung an die Druckschrift vereinfacht. In manchen Ländern wie in Finnland scheint die Schreibschrift im Zeitalter von Tablets und mobilen Smartphones ganz ausgedient zu haben. Dort will man sich ab 2016 vorrangig auf das Erlernen des Tippens konzentrieren und das Schreiben nur noch in einer vereinfachten Druckschrift vermitteln.

Getippte Wörter nicht einprägsam

Engelbert Schmitz hält das für keine geeignete Methode. 42 Jahre hat er als Lehrer unterrichtet, war Schulleiter sowohl an Grund- als auch an Hauptschulen und hat selbst Lehrer ausgebildet. Aus seiner Erfahrung heraus favorisiert er ganz klar das Erlernen einer klassischen Schreibschrift: „Das Problem mit der Druckschrift ist, dass sie nicht verbunden ist. Eine flüssige Schreibschrift prägt sich leichter im Kopf und auch als Bewegungsmuster der Hand ein“, ist er überzeugt. Dabei ist ihm schon die vereinfachte Ausgangsschrift mit Druckschriftelementen ein Dorn im Auge. „Sie hat keine guten Verbindungen und führt bei Schülern oft zu einer Sauklaue.“ Noch schlimmer findet es der Pädagoge, wenn nur noch getippt würde: „Da sich an der Schreibmaschine Wortbilder viel schlechter einprägen, sehe ich auch große Schwierigkeiten für das Erlernen der Rechtschreibung.“

Gabriele Geissler-Hillekamp, Schulleiterin der Gemeinschaftsgrundschule Nordstadt, nennt weitere Argumente, die für eine Schreibschrift sprechen: „Ich finde, dass eine verbindende Schrift in die Grundschule gehört, weil sie den Schreibfluss verbessert. Außerdem stellt sie den Wert von sorgfältig dargestellten Schülerarbeiten in den Fokus. Überall gibt es immer mehr Computer, dabei wird ganz vergessen, dass in bestimmten Bereichen das Verfassen eines Schreibens in Handschrift einen hohen Stellenwert hat.“ Ganz unproblematisch sei dass Festhalten an einer Schreibschrift dennoch nicht: „Leider fehlt bei den überfrachteten Lehrplänen heutzutage oft einfach die Zeit, um richtiges Schreiben lernen zu fördern.“

Und auch Christa Schreven von der Sonnenschule in Neviges bleibt bei der Schreibschrift, die aus dem Erlernen von Druckbuchstaben entwickelt wird: „So lange ich Schulleiterin bin, wird bei uns die Lateinische Ausgangsschrift gelehrt, auch wenn die am Anfang Mühe macht. Man muss nicht alles den Kindern vereinfachen. Mein Motto: Fordern und Fördern.“