Velberter Pädagoge arbeitet Lernstress im Roman auf

Der Pädagoge  Gerd Hähnel hat Lernstress in seinem Buch „Viktor im Schattenland“ verarbeitet.
Der Pädagoge Gerd Hähnel hat Lernstress in seinem Buch „Viktor im Schattenland“ verarbeitet.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Da Fachbücher Eltern und Lehrer nicht erreichen, hat Gerd Haehnel, Lehrer am Geschwister-Scholl-Gymnasium, ein Leseabenteuer über Lernstress verfasst.

Viktor hat’s mal so überhaupt nicht leicht. Weder als Sohn, noch als Schüler. Er kriegt jede Menge Druck der verschiedensten Art. Und zwar mehr, als der arme kleine Kerl verkraften kann. Doch bei dem Arzt der psychiatrischen Gemeinschaftspraxis, da ist er gut aufgehoben. Denn der bittet ihn nicht ins Sprech-, sondern wohlgemerkt ins Zuhörzimmer und sagt zu ihm: „Du benötigst keine Spritzen oder Tabletten, mein Junge, du bist nicht krank. Ich befürchte aber, du bekommst nicht die Aufmerksamkeit, die du brauchst.“ – Das ist eine, wenn nicht gar die Schlüsselszene in dem Roman „Viktor im Schattenland“ von Gerd Haehnel.

Schatten sind Licht, Farbe und Musik

Der Buchtitel trägt noch den Zusatz „Ein Leseabenteuer gegen Lernstress – auch für Erwachsene“. „Der zunehmende Lernstress ist ein großes gesellschaftliches Problem“, sagt Haehnel. Der Roman sei für Leser ab zehn Jahren, aber eigentlich „all age“ und somit für alle Semester geeignet, meint der Dipl.-Pädagoge, der überdies seit acht Jahren hier am Geschwister-Scholl-Gymnasium (GSG) Musik, Theater und Pädagogik unterrichtet. Natürlich könnten Alt und Jung ihn auch gemeinsam lesen. „Das finde ich eine schöne Sache.“

„Es gibt ja eine Menge Fachbücher“, so der 60-Jährige, der selbst bereits über drei Jahrzehnte solche verfasst und zigtausendfach verkauft hat, „aber damit erreichen Sie ja allenfalls Lehrer.“

Deshalb nun also dieses Buch, in dem das Velberter GSG ausdrücklich „in keiner Hinsicht eine Rolle spielt. Allenfalls die, dass es eine ganz tolle Schule ist“. Das Buch, das eine häufig bedrückende Geschichte, aber mit wunderbaren Lösungen, erzählt. Und das es in zwei Versionen gibt: einmal als preiswertere Klassenausgabe und einmal wesentlich dicker und mit „Experimentier-Material“ wie farbigen Folien, Wunderdreher und mehr versehen. „Bücher sind nichts zum Lesen und Wegstellen, sondern man sollte auch etwas mit ihnen machen können“, findet der Essener, der nicht nur ein Verfechter der entsprechenden Literatur-Didaktik ist, sondern auch seit langem eine sehr enge Affinität zum Schattenspiel hat. Derweil der Begriff Schattenland in Europa düster besetzt sei, würden Schatten in Indonesien viel lebensfroher gesehen und auch als Helfer empfunden.

Nicht zuletzt dank des Beistandes von seinem geliebten Opa wird auch Viktor schließlich seine Schatten bzw. Ängste los. Sein Leitspruch, so Gerd Haehnel, sei, „ dass Schatten aus Licht, aus Farbe, aus Musik bestehen“.

Er bewertet seinen Roman als „wissenschaftlich up to date“, hat ihn von einem Psychiater und Psychotherapeuten gegenlesen lassen: „Wenn ich über so ein Thema schreibe, muss ich schließlich auch auf der sicheren Seite sein.“ Das Buch zeige eine Lernstörung, vor allem aber ihre Rahmenbedingungen, ohne dass jemand im klassisches Sinne daran schuld sei, so der Pädagoge weiter. „Nur wenn keine Vorwürfe gemacht werden, kommt man aus so einem Teufelskreis auch wieder heraus.“

Kinder lernen eigentlich gerne - Zwölf Pädagogentricks gegen Lernstress

Sollte Ihnen, liebe Eltern, Ihr Kind demnächst mal ein Miniatur-Verkehrsschild mit der Aufschrift „Stopp! Ich bin okay!“ unter die Nase halten, dann hat es sich ganz offensichtlich die beiden Seiten in dem Viktor-Roman zu Herzen genommen, auf denen der Autor Gerd Haehnel „Opas Pädagogentricks gegen Lernstress“ zusammengetragen hat. Insgesamt zwölf nebst Ausführungen und Erläuterungen sind dort aufgelistet.

„In dir steckt viel mehr Kraft, als du glaubst! Wo liegen deine Stärken?“, heißt zum Beispiel ein Trick. Oder aber dieser: „Beruflich abgerechnet wird mit 67. Viele Wege führen zum Ziel: Welcher ist deiner?“ Ein weiterer, nachdenkenswerter Tipp lautet: „Lerne aus Krisen, aber lass dich nicht von ihnen überwältigen: Keiner weiß, was morgen ist.“

Ganz wesentlich sei, betont Gerd Haehnel, das Selbstbewusstsein des Kindes zu stärken und bei Lernproblemen ja nicht mit Druck zu reagieren: „Kinder lernen eigentlich gerne, wenn die Situation und die Umstände stimmen.“ Und dann sagt er noch: „Kinder brauchen Hilfe am meisten, wenn sie diese am wenigsten verdienen!“