Velberter Mütter kämpfen für Erhalt der Kindernotfallpraxis

Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein will 43 von 84 Notfallpraxen schließen, vielleicht wird auch die Kindernotfallpraxis Velbert geschlossen.
Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein will 43 von 84 Notfallpraxen schließen, vielleicht wird auch die Kindernotfallpraxis Velbert geschlossen.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVN) will 43 von 84 Notfallpraxen schließen, erwischen könnte es auch die Kindernotfallpraxis Velbert. Velberter Mütter wollen das nicht hinnehmen.

Velbert.. Es ist mitten in der Nacht. Dem Kind geht es schlecht, es hat hohes Fieber, erbricht sich. Es muss zum Arzt, und zwar sofort. Doch wohin sollen die besorgten Eltern gehen, wenn es keine Kindernotfallpraxis mehr in Velbert gäbe?

Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVN) will insgesamt 43 von 84 Notdienstpraxen schließen. Davon sind auch die Kindernotfallpraxen betroffen. Welche Orte ihren Notdienst einbüßen werden, ist bislang zwar noch nicht beschlossen, zwei im Kreis Mettmann sollen es aber sein. Derzeit scheint es, als bleibe die normale Notfallpraxis in Velbert erhalten, dafür soll wohl Ratingen schließen und eventuell die Velberter Kindernotfallpraxis.

Besuch beim Notdienst sei kaum praktikabel

Die Velberterin Andrea Schäfer, Mutter einer achtjährigen Tochter und derzeit hochschwanger, setzt sich für den Erhalt der Kindernotfallpraxis mit einem Facebook-Auftritt und einer Petition ein. Sie schildert folgendes Szenario: „Stellen Sie sich vor, Sie sind alleinerziehende Mutter und haben kein Auto. Mitten in der Nacht wird Ihr Kind krank. Wie kommen Sie dann nach Wuppertal?“

Sie hat etliche Argumente parat, weshalb ein spontaner Besuch beim Notdienst kaum praktikabel sei. „Der Bus braucht nach Wuppertal bis zu 50 Minuten, machen Sie das mal mit einem Kind, dass sich ständig erbricht.“ Und dann denkt sie an den Heimweg. „Nach 23 Uhr fährt kein Bus mehr. Dann können Sie mit einem kranken Kind die Nacht am Bahnhof verbringen oder 50 Euro für ein Taxi bezahlen.“ Sie steht mit ihrer Meinung stellvertretend für viele Velberter Eltern, die sich gegen eine etwaige Schließung der Kindernotfallpraxis aussprechen: „Es kann doch nicht sein, dass Geld gespart wird auf Kosten der Gesundheit unserer Kinder.“

Kinderstation ist keine Alternative

Alternativen könnten dann sein, in so einem Notfall einen Krankenwagen zu rufen oder aber auch die Kinderstation des Klinikums aufzusuchen. „Die Ärzte der Kinderstation dürfen aber eigentlich keine Erstversorgung machen“, berichtet die Mutter. „Diese Leistung können sie auch gar nicht in Rechnung stellen.“ Und sie berichtet, dass auch schon Patienten abgewiesen worden seien, mit der Argumentation, dass doch in einer Stunde die Notfallpraxis öffnen würde.

Damit es nicht zur Schließung kommt, hat sie gemeinsam mit Melanie Ceten Kaya die Facebook-Gruppe „Wir sind gegen die Schließung der Notarztpraxis Ratingen-Velbert-Mettmann“ ins Leben gerufen. Auch mit Hilfe einer Online-Petition wollen die beiden Mütter möglichst viele Unterschriften unter https://www.openpetition.de/petition/online/notfallpraxis-velbert sammeln. Zudem sprechen sie Kinderärzte aus dem Kreisgebiet zwecks Unterstützung an. Sie haben den Bürgermeister und die Parteien angeschrieben und wollen, dass ihr Anliegen im März im Sozialausschuss gehört wird. Sie hoffen, dass sie mit diesen Schritten bewirken, dass die KVN die Kindernotfallpraxis in Velbert bestehen lässt.