Velberter Klinikum Niederberg ist ein Multi-Kulti-Krankenhaus

Fachkräfte mit ausländischen Wurzeln: Laila Ben Chaib (l) und Sati Erdogdu (r) mit Klinik-Chefin Dr. Astrid Gesang.
Fachkräfte mit ausländischen Wurzeln: Laila Ben Chaib (l) und Sati Erdogdu (r) mit Klinik-Chefin Dr. Astrid Gesang.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Geschätzt haben gut 25 Prozent der Mitarbeiter des Velberter Klinikums einen Migrationshintergrund. Die Klinikleitung ist sich sicher: „Ohne die müssten wir schließen“.

Velbert..  Gesetzt den Fall Sie haben sich verletzt und kämen ins Krankenhaus. Und nehmen wir mal an, sie wären der deutschen Sprache nicht mächtig. So wäre das zumindest im Klinikum Niederberg überhaupt kein Problem: „Ich habe hier eine lange Liste mit Mitarbeitern, die Niederländisch, Französisch, Russisch Persisch, Vietnamesisch oder Spanisch sprechen, weil sie über einen entsprechenden Migrationshintergrund verfügen, und die freiwillig in solchen Fällen als Dolmetscher zur Verfügung stehen. Wir sind hier Multi Kulti und das gerne“, betont Dr. Astrid Gesang. So weiß die Geschäftsführerin des Klinikums Niederberg um den Nutzen dieser Mitarbeiter, nicht nur, wenn schwierige OP-Vorhaben übersetzt werden müssen. „Etwa 20 bis 25 Prozent unsere Mitarbeiter sind Zuwanderer bzw. stammen aus Zuwandererfamilien. Ohne sie könnten wir das Haus zu machen“, stellt sie klar.

Respekt erlebt

Für den Klinikalltag sind Mitarbeiter aus aller Herren Länder so normal, dass die Geschäftsführerin lange überlegen muss, wen sie zu dem Gespräch hinzu bitten soll: „Mir ist wuppe, wo jemand herkommt, so lange er seine Arbeit gut macht.“

Sogar zuweilen so gut, dass Sati Erdogdu in den achtzehn Jahren, in denen sie für die Klinik arbeitet, mittlerweile von der pharmazeutischen Assistentin zur Leiterin der Abteilung Einkauf aufgestiegen ist. In all den Jahren ihrer Arbeit hier kann sie sich an kein Beispiel erinnern, wo sie wegen ihrer türkischen Herkunft diskriminiert worden wäre: „Ich habe hier immer ein respektvolles Miteinander erlebt. Wir haben sogar ein muslimisches Gebetshaus.“ Nur einmal, während ihrer Ausbildung, wurde sie von einem Patienten angefeindet: „Der Oberarzt hat ihm darauf erklärt, er könne sich gerne ein anderes Krankenhaus suchen.“ Laila Ben Chaib, die hier geboren wurde, deren Eltern aber ursprünglich aus Marokko stammen, kennt solche Angriffe nicht: „Vor Jahren bin ich mal gefragt worden, ob ich den gern zurück möchte. Ich bin hier zu Hause habe ich dann geantwortet, wohin soll ich denn?“ Aufmärsche wie die Pegida-Versammlungen machen ihr zwar nicht direkt Angst, bedrücken die Krankenschwester aber trotzdem, weil sie die Gründe dafür nicht nachvollziehen kann. Sie arbeitet auf der Intensivstation und sagt über ihre Arbeit: „Ich mag meinen Beruf sehr gerne, besonders den Kontakt zu den Patienten.“ Genau solche ,Überzeugungstäter’ sucht Dr. Astrid Gesang völlig unabhängig von ihrer Nationalität im Krankenhaus: „Der Job in der Pflege ist im Zuge der gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen immer härter geworden. Wir müssen, woher auch immer, unseren Nachwuchs sichern.“ Sie erinnert daran, dass in der Medizin immer schon Unterstützung aus fremden Ländern gebraucht wurde: „In den Siebzigern hatten wir schon mal einen schlimmen Pflegenotstand, damals kamen viele philippinische Krankenschwestern nach Deutschland. In 2011/12 waren wir so knapp mit Assistenzärzten, dass die Ärztekammer eine Initiative startete, um Medizinstudenten aus dem europäischen Ausland zu rekrutieren.“ Lachend fügt sie hinzu: „Überhaupt hätten doch hier im Kohlenpott schon in den 70ern die Räder still gestanden, wenn wir keine Gastarbeiter gehabt hätten.“