Velberter Joseph Krämer veröffentlicht Buch über Bildung

Joseph Krämer heiratete am 26. August 1956 kirchlich. Kennengelernt hatte er seine Frau im Tiefbauamt, für das beide zur gleichen Zeit gearbeitet haben. Die beiden sind auch heute noch verheiratet.
Joseph Krämer heiratete am 26. August 1956 kirchlich. Kennengelernt hatte er seine Frau im Tiefbauamt, für das beide zur gleichen Zeit gearbeitet haben. Die beiden sind auch heute noch verheiratet.
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Was wir bereits wissen
Joseph Krämer aus Velbert hat ein Buch verfasst. Damit möchte er jungen Menschen – vor allem seinen Nachkommen – die Bedeutung von Bildung ans Herz legen.

Velbert..  Es ist ein Appell, dieses Buch, das Joseph Krämer geschrieben hat. Ein Appell an alle Generationen, die nach ihm kommen. „Die Werte einer Bildung“ heißt das 168 Seiten starke Werk. „Was ich der Jugend mitteilen möchte, ist: Beteiligt euch an der politischen Willensäußerung. Kümmert euch um die Demokratie. Kämpft dafür.“

Krämer spricht aus eigener leidvoller Erfahrung. Auf den ersten gut 100 Seiten rekapituliert er seinen eigenen Werdegang und erzählt die Geschichte seiner Familie. Zentraler Punkt: die Bildung. „Da hat sich ja im Laufe der Zeit so viel verändert“, berichtet Krämer, der am 29. Juni seinen 90. Geburtstag gefeiert hat. „Meine Vorfahren waren ins Ruhrgebiet gekommen mit der Hoffnung, ihre Armut hier zu überwinden“, schreibt Krämer. „Sie waren abhängig tätig als Ackersmann, Tagelöhner, Schuster und Lumpensammler. Dann zogen sie ins Ruhrgebiet und verkauften hier ihre Arbeitskraft an die entstehenden Industrieunternehmen.“

Reflektion in Gefangenschaft

Bildungsmöglichkeiten gab es wenig, „die besserten sich erst bei den Kindern der ersten Generation.“ Das war um 1860. Im Laufe der Jahre wurden aus Arbeitern Angelernte, aus Angelernten Facharbeiter. „Bildung führte in jeder nachfolgenden Generation langsam zur Verbesserung der Lebensverhältnisse“, schreibt Krämer. 1925 kam er dann in Essen zur Welt, als Sohn eines Bergmanns. Immerhin konnte er die Volksschule besuchen, doch die Erziehung war streng: „Meine Eltern waren strenge Katholiken und ich wurde im Sinne der Kirche erzogen. Ungehorsamkeiten wurden ebenso bestraft wie Widerworte.“ Schließlich kamen die Nazis an die Macht, Krämer trat in die Hitlerjugend ein. „Erst während der Kriegsgefangenschaft habe ich über meinen Bildungsweg reflektiert und mir wurde bewusst, was wir dort gelehrt bekommen hatten.“ Auch im Buch macht er immer wieder klar, dass er als naiver Teenager nicht durchschaut habe, was in Lagern und bei Aktivitäten der Hitlerjugend der eigentliche Sinn gewesen war.

„Deswegen lege ich heute so viel Wert darauf, dass junge Leute gute Bildung erfahren“, sagt Joseph Krämer, der nach dem Krieg über Jahrzehnte in der Velberter Politik (für die SPD) und in der Verwaltung aktiv war. „Ich habe immer versucht den Menschen klar zu machen, wie wichtig unsere Demokratie ist. Die Bürger sollen sich wehren, wenn sie mit etwas nicht einverstanden sind. Sie sollen ihre politischen Rechte wahrnehmen – und wählen gehen.“

Damit auch andere seine Gedanken teilen können, will Krämer sein Buch am Samstag bei der Geburtstagsfeier verteilen.

Mathilde Sankowski – Erinnerungen aus 90 Lebensjahren

Nicht nur Joseph Krämer, auch Mathilde Sankowski hat ihre Erinnerungen und Gedanken zu Papier gebracht – und tut das auch heute noch, mit bald 95 Jahren.

Für ihre Enkel zum Beispiel hat sie ein Buch verfasst, „Meine 90 Jahre“ heißt das. „Ich habe schon immer gerne geschrieben“, erzählt die Seniorin, während sich vor ihr auf dem Tisch vollgeschriebene Papiere und Bücher ausbreiten. „Und irgendwann haben meine Enkel gesagt ,Mensch, schreib doch mal was über Dich, Du hast doch so viel erlebt.’ Und das habe ich dann gemacht.“ Da war sie schon 91 Jahre alt. „Meine Enkel haben sich riesig darüber gefreut“, berichtet sie. Einen Verlag gab es für das Buch zwar nicht, „aber ich habe da ein nettes Ehepaar in der Verwandtschaft, die helfen mir bei so was immer gerne.“

Ein weiteres Buch aus der Feder der Velberterin beschäftigt sich mit einem besonderen Schmuckstück. Und dem Leben ihrer Mutter. „Einmal hat sie von einem Danziger Ingenieur eine Bernsteinkette geschenkt bekommen. Die habe ich heute noch. Und das habe ich zum Anlass genommen, aus dem Leben meiner Mutter zu berichten.“ Titel des Werks: „Die Bernsteinkette“.

Doch damit nicht genug: Vor 15 Jahren hat sie ein Buch mit gesammelten Feldpostkarten herausgebracht. „Die Veröffentlichung haben mir Verwandte finanziert“, erinnert sich Mathilde Sankowski. Seit sie neun Jahre alt ist, beschäftigt sie sich mit Sprache, dem geschriebenen Wort: „Damals habe ich in der Zeitung eine Meldung von einem Brand gelesen“, blickt sie zurück. „Das fand ich faszinierend und meine Mutter hat mir ein bisschen was beigebracht. Seit dem komme ich nicht mehr davon los.“

Und auch mit 95 Jahren ruht der Stift nicht: „Immer wenn ich einen Gedanken habe, bringe ich den sofort zu Papier. Sonst ist der weg.“ Oft fallen ihr fröhliche Sprüche zum Leben ein – kleine Kostprobe: „Älter werden ist die einzige Möglichkeit zu überleben“. Auch eine kleine Ausstellung in der Sparkasse hat sie schon damit ausgerichtet.

Wer in Mathilde Sankowskis Büchern lesen möchte, darf sie gerne in der Residenz Rheinischer Hof besuchen. Darauf hat die 94-Jährige ausdrücklich hingewiesen: „Ein Exemplar habe ich immer hier.“