Velberter erzählen vom Leben mit Spenderorganen

Ein Herz ohne Puls – das künstliche Organ hielt Daniel Ellsiepen so lange am Leben, bis er ein Spenderherz transplantiert bekam.
Ein Herz ohne Puls – das künstliche Organ hielt Daniel Ellsiepen so lange am Leben, bis er ein Spenderherz transplantiert bekam.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
In der Brust des Velberter s Daniel Ellsiepen schlägt ein gespendetes Herz, Silke Bergmann hat die Nieren eines anderen in ihrem Körper. Für beide eine große Erleichterung.

Velbert..  Leben ohne Herzschlag? Daniel Ellsiepen kennt das Gefühl genau. Der junge Mann ist 29, Landwirt – als 2006 die Diagnose gestellt wird: Hodenkrebs. Er besiegt den Krebs, doch die Chemotherapie macht sein Herz krank. So krank, dass er auf die hohe Dringlichkeitsliste der Transplantationsdatei (HU-Liste für „high urgency“) rückt. Er wird einer der Nächsten sein, der für ein geeignetes Spenderherz ausgewählt wird. „Aber: Es musste sofort ein künstliches Herz eingebaut werden“, erinnert sich der junge Mann. Die Operation läuft erfolgreich. Das moderne künstliche Herz wiegt gerade mal 132 Gramm.

Hans Schmolke (71) engagiert sich seit vielen Jahren in einer Selbsthilfegruppe, hatte ein künstliches Herz und lebt nun seit 15 Jahren mit einem Spenderherzen. Er hat sein altes Kunstherz zum Vergleich mitgebracht. „Das wog zwei Kilo und hatte eine Lebenserwartung von etwa einem Jahr.“ Bei Daniel Ellsiepen hat das Kunstherz eine längere Lebenserwartung: „Ich kenne jemanden, der die Pumpe seit sieben Jahren hat.“ Länger ist das Produkt noch gar nicht auf dem Markt. Mit einem Kunstherz lebt man ohne Puls, das Blut fließt einfach gleichmäßig durch den Körper. Das runde, hochtechnische Metallelement wird ans Herz angeschlossen und hat einen künstlichen Ausgang am Bauch. „Der Akku hält etwa vier Stunden und nachts muss man ans Ladegerät angeschlossen sein.“ 1000 Tage lebt Ellsiepen mit seinem Kunstherzen. Die Krux: durch das Implantat rutscht er von der HU-Liste auf die transplantable Liste – er wird bei der Organspende nicht mehr prioritär behandelt.

„Es gibt viele Regularien. Das Hauptproblem ist, dass so wenig Organe gespendet werden“, weiß Dr. Peter Scharmann, Transplantationsbeauftragter des Klinikum Niederberg.

Ellsiepen gelangt erst wieder auf die HU Liste, als das Außenkabel bricht und sich am innenliegenden Kabel Bakterien ansiedeln. Dann die Wende: „Es war vor einem halben Jahr, es war 17 Uhr, da kam der Anruf und als ich bei Hans durchklingelte, spielte ich ihm das Geräusch eines Rasierers in den Hörer – weißt Du, was das bedeutet? fragte ich“. Allen war sofort klar: es geht nach Bad Oeynhausen. Hier werden die Operationen für die Organspende durchgeführt. Nur einen Monat später kann Ellsiepen wieder duschen. „Das ging während der gesamten Zeit mit dem künstlichen Herzen nicht.“

Auch Silke Bergmann (44) ist dankbar, dass sich vor zwei Jahren ein geeigneter Spender für sie gefunden hat. Ihre Nieren versagten, sie war zehn Jahre an der Dialyse. „Das Schönste nach der Transplantation ist natürlich, ein nahezu normales Leben führen zu können. Aber besonders, dass ich nahezu wieder alles essen und trinken kann, was ich will.“ Solange sie an der Dialyse war, durfte sie nur 500 ml Flüssigkeit zu sich nehmen. Inklusive Obst oder Tee.

Alle drei müssen nach der Organspende Immunsupressiva nehmen. Denn die Organe begreift ihr Körper als Fremdkörper und versucht, sie abzustoßen. Daher sind auch banale Krankheiten wie Erkältungen für die Transplantierten ein höheres Risiko.

Die drei hoffen, durch ihr Schicksal das Bewusstsein für die Organspende zu wecken: „Es geht uns nicht darum, dass jeder nach dem Tod seine Organe spendet, es reicht schon, wenn man das Thema im Vorfeld mit den Verwandten diskutiert.“