Velberter Bibliothekarin zu 150 Jahre Max & Moritz

Martina Saint-Martin von der Stadtbücherei empfiehlt Eltern, Max & Moritz gemeinsam mit den Kindern zu lesen.
Martina Saint-Martin von der Stadtbücherei empfiehlt Eltern, Max & Moritz gemeinsam mit den Kindern zu lesen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Im April 1865 erschien erstmals „Max & Moritz“ von Wilhelm Busch. Die Velberter Bibliothekarin Martina Saint-Martin erinnert sich an die Lausbubengeschichten.

Velbert..  Ach, was muß man oft von bösen
Kindern hören oder lesen!
Wie zum Beispiel hier von diesen,
Welche Max und Moritz hießen;


Die, anstatt durch weise Lehren
Sich zum Guten zu bekehren,
Oftmals noch darüber lachten
Und sich heimlich lustig machten.
Ja, zur Übeltätigkeit,
Ja, dazu ist man bereit!
Menschen necken, Tiere quälen,
Äpfel, Birnen, Zwetschgen stehlen,
Das ist freilich angenehmer
Und dazu auch viel bequemer,
Als in Kirche oder Schule
Festzusitzen auf dem Stuhle.


Aber wehe, wehe, wehe!
Wenn ich auf das Ende sehe!!
Ach, das war ein schlimmes Ding,
Wie es Max und Moritz ging!
Drum ist hier, was sie getrieben,
Abgemalt und aufgeschrieben.

So fängt sie an, die Geschichte von Max und Moritz. 150 Jahre alt werden die beiden Rabauken in diesem Monat, denn im April 1865 erschien das von Wilhelm Busch verfasste Buch erstmals. „Und es wird auch heute noch ausgeliehen“, erzählt Martina Saint-Martin von der Velberter Stadtbücherei. Weshalb das Buch auch in allen drei Stadtteilbibliotheken nach wie vor erhältlich ist.

Wie so viele hat auch sie die mit bunten Bildchen ergänzten Episoden über die Streiche der beiden Strolche als Kind gelesen. „Aber da nimmt man das natürlich ganz anders wahr“, erinnert sich die Bibliothekarin. „Ich fand das gar nicht so grausam, obwohl mir natürlich manche Bilder doch in Erinnerung geblieben sind.“ Heute, als Erwachsene, sehe sie die Erzählungen in einem ganz anderen Zusammenhang. „Max & Moritz war ja eigentlich gar nicht für Kinder geschrieben, sondern sollte eher der Belustigung von Erwachsenen dienen.“ Sie glaube, erzählt Martina Saint-Martin, dass Wilhelm Busch damals auch zeitgenössische gesellschaftliche Probleme behandeln wollte. „Mitte des 19. Jahrhunderts sind viele Deutsche nach Amerika ausgewandert, oft blieben Kinder alleine zurück und mussten sich irgendwie über Wasser halten. Ich glaube, dass das Busch in gewisser Weise inspiriert haben könnte.“

Wer seinen Kindern die Geschichten von Max & Moritz nicht vorenthalten möchte, dem empfiehlt Saint-Martin, „dem Kind das Buch nicht einfach in die Hand zu drücken, sondern mitzulesen und zu erklären. Das halte ich schon für sinnvoll.“

Alternativen zu dem Klassiker gibt es aber auch zur Genüge: „Nach Fantasy und Geschichten über Zauberer geht der Trend wieder zu realistischeren Themen in der Kinder- und Jugendliteratur“, weiß die Fachfrau. „Und auch hier bei den neueren Titeln liegt der Schwerpunkt auf eher lustigen Sachen, also auf den Themen, die früher als ,Lausbubengeschichten’ bezeichnet wurden.“

Gregs Tagebücher sind Trend

Ganz nah bei den anderthalb Jahrhunderte alten Geschichten eines Wilhelm Busch seien etwa Gregs Tagebücher, sagt Martina Saint-Martin: „Das ist von der Art her ähnlich, auch hier wird der Text durch Bilder ergänzt. Außerdem stehen hier meist lustige Streiche im Vordergrund, weil Greg seine Umgebung ganz schön auf Trab hält.“ Und: „Gregs Tagebüchern werden genauso von Mädchen wie auch von Jungs gelesen – sogar Erwachsene haben Spaß daran.“