Velberter bekommt drei Jahre Haft für Raubzug aus Neugier

Hier, an der Heidestraße, liegt einer der Tatorte, an dem der 23-Jährige aktiv war.
Hier, an der Heidestraße, liegt einer der Tatorte, an dem der 23-Jährige aktiv war.
Foto: Hans Blossey
Was wir bereits wissen
Der Angeklagte Velberter (23) gibt drei Taten an vier Septembertagen zu. Er habe wissen wollen „wie das ist“ und seinen Vater nicht ständig nach Geld fragen wollen.

Velbert/Wuppertal..  Er stieß die Kassiererin eines Getränkemarkts beiseite, um in ihre Kassenschublade greifen zu können und brach einem Busfahrer das Nasenbein, weil der ihm die Hand mit gestohlenem Kleingeld festhielt. Jetzt verurteilte das Wuppertaler Amtsgericht den 23-jährigen Sohn einer gutgestellten Velberter Handwerkerfamilie zu drei Jahren Gefängnis wegen Raubs und räuberischen Diebstahls in Velbert und Wuppertal. Das Urteil ist noch anfechtbar; Bewährung ist wegen der Höhe der Strafe unmöglich.

Getränkemarkt und Tankstelle

„Ich habe das nicht gemacht, weil es mir gefällt, sondern aus Neugier“, erklärte der junge Mann zu seinen Taten an vier Tagen im vergangenen September. Er habe sich durch Schnaps und Drogen stark gefühlt, erläuterte sein Anwalt. Und: Sein Mandant habe das finanziell nicht nötig. Der Vater (51) habe ihn mit quasi beliebig viel Geld versorgt. Nur habe der eben unbequeme Fragen gestellt, wenn der 23-Jährige gar zu schnell Nachschub wollte.

Der Angeklagte – muskelbepackte 1,70 Meter messend – ist zur Verhandlung an Händen und Füßen gefesselt. Drei Wachtmeister beäugen kritisch jede seiner Bewegungen. Insgesamt drei Taten gibt der junge Mann zu. Den Anfang machte ein Getränkemarkt an der Heidestraße in Velbert-Mitte, nur wenige hundert Meter von der Wohnung der Familie entfernt. 250 Euro habe er da erbeutet. In einer Tankstelle, ebenfalls an der Heidestraße, ging es ihm nur um zwei Flaschen Bier für insgesamt 1,38 Euro. Wegen einer Drohung gegen den Tankwart ist auch das ein Verbrechen. Bei einem erneuten Besuch der Tankstelle zwei Tage später wurde der Angeklagte festgenommen.

Mehrfach kommt der 23-Jährige durcheinander, wenn es um Einzelheiten eines Ablaufs geht. „Immer langsam“, rät sein Anwalt: „Es gab da zwei bis drei Vorfälle, die nicht in der Anklage enthalten sind.“ Im Auftrag des Vaters zahlt der Verteidiger Schmerzensgeld an die Überfallenen – je 500 Euro für die Getränkemarkt-Kassiererin (26) und den Busfahrer (33). Der hatte sich nach einer Kopfnuss des Angeklagten an der Endhaltestelle Ohligsmühle in Wuppertal-Elberfeld in einer Klinik behandeln und psychologisch betreuen lassen.

Mit der genannten Strafe von drei Jahren blieb das Gericht um zwei Monate unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Der Verteidiger hatte Bewährung gefordert; seinem Mandanten solle eine Drogentherapie zur Auflage gemacht werden. Das lehnten die Richter ab: „Es fehlen jegliche Angaben zu konsumierten Mengen.“ Der Angeklagte bleibt vorläufig in Haft wegen Wiederholungsgefahr, weil das Urteil noch nicht rechtskräftig ist.