Velberter Autofahrer verantwortungsbewusst unterwegs

Scharf stellen und los geht’s: Ralf Schefzig, Leiter des Verkehrsdienstes der Kreispolizei, an der Messstelle an der Heidestraße.
Scharf stellen und los geht’s: Ralf Schefzig, Leiter des Verkehrsdienstes der Kreispolizei, an der Messstelle an der Heidestraße.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Kreispolizei Mettmann zieht ein positives Zwischenfazit aus dem Blitzmarathon. Die meisten Autofahrer in Velbert verhielten sich angemessen. Kreative Erklärungen für Verstöße gab es dennoch.

Velbert/Kreis Mettmann..  1676 Menschen wurden im vergangenen Jahr im Kreis Mettmann bei einem Verkehrsunfall verletzt, 275 von ihnen in Velbert. Die Hauptursache ist klar: zu schnelles Fahren. Seit den frühen Morgenstunden waren darum Velberts Polizeibeamten gestern unterwegs, um Temposünder aufzugreifen.

„Wir wollen Präsenz zeigen und so auf das Gefahrenpotenzial aufmerksam machen“, erklärt Dagmar Janßen von der Führungsstelle der Direktion Verkehr des Kreises Mettmann, „denn normalerweise werden Geschwindigkeitsmessungen ja nur von Einzelnen wahrgenommen. Die Abschreckung für andere ist dann gering.“ Ziel des Blitzmarathons sei gerade nicht die Steigerung der Bußgeldeinnahmen. „Bei solchen Aktionen stellen wir erfahrungsgemäß sogar weniger Geschwindigkeitsverstöße als normalerweise fest“, so Janßen.

Entsprechend fiel die Zwischenbilanz der Polizei im Kreis sechs Stunden nach Beginn des Blitzmarathons aus: In den meisten Fällen waren die Geschwindigkeitsüberschreitungen gering, der schnellste Fahrer überschritt die erlaubten 50 km/h an der Kalkumer Straße in Ratingen um 36 km/h. Nicht minder gefährlich: Einen 27-jährigen Lkw-Fahrer, der zu schnell unterwegs war, zogen die Beamten aus dem Verkehr, weil er auch noch unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln stand.

Flotte Fahrt nach Schäferstündchen

„Die große Mehrzahl der Autofahrer war verantwortungsbewusst unterwegs“, lobt Ralf Schefzig, Leiter des Verkehrsdienstes der Kreispolizei. Von den 2247 Fahrern, die die Polizei im Kreis bis zum Mittag kontrolliert hatte, hatten gerade mal 108 das Tempolimit überschritten. Um Erklärungsversuche waren die in Velbert gefassten Raser jedoch nicht verlegen: „Jemand erklärte, er sei bei einem Schäferstündchen erwischt worden“, berichtet Claudia Partha, Pressesprecherin des Kreises Mettmann. Auch wenn mancher Beamte vielleicht für die eilige Flucht Verständnis hat – für den Raser wird es nicht billig: Neben einem Bußgeld können Punkte in Flensburg und ein dreimonatiges Fahrverbot drohen.

Weil die Geschwindigkeitsüberschreitungen im Kreis jedoch in den meisten Fällen nur gering waren, mussten viele Fahrer nur ein Verwarngeld zahlen. Keine Ausnahme machten die Beamten bei einer Wittener Fahrerin, obwohl die ihre eilige Fahrt mit der ungewöhnlichen Erklärung „ich bin auf dem Weg zu einer Fohlengeburt“ zu rechtfertigen versuchte.

Geblitzt wurde in Velbert dort, wo es besonders gefährlich ist. Doch entscheidend für die Wahl der Messstellen war nicht nur die Einschätzung der Polizei, sondern auch die Meinung der Velberter Bürger. Aus einer Liste von 40 Messstellen konnten die Orte auswählen, an denen Blitzer aufgestellt werden sollten. Kaum nachvollziehbar erschien daher das Verhalten einer Velberterin, die sich zuvor an der Abstimmung beteiligt hatte – und dann selbst an der Stelle ihrer Wahl geblitzt wurde. Auch ein unbelehrbarer Oberhausener, den die Polizei jeweils auf dem Hin- und Rückweg durch eine 30er-Zone blitzte, schien von den Maßnahmen nur wenig beeindruckt. Die Polizei im Kreis Mettmann hofft trotzdem, dass die präventive Wirkung des Marathons möglichst lange anhalten wird.