Velberter ärgert sich über Abholzaktion der Stadt

Vielfältig sind die Gründe, warum im Stadtgebiet auch gesunde Bäume gefällt werden – wie hier an der Kolpingstraße/Eingang Offersplatz. Übrigens wird für jeden gefällten Baum irgendwo in der Stadt ein neuer gepflanzt.
Vielfältig sind die Gründe, warum im Stadtgebiet auch gesunde Bäume gefällt werden – wie hier an der Kolpingstraße/Eingang Offersplatz. Übrigens wird für jeden gefällten Baum irgendwo in der Stadt ein neuer gepflanzt.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Ein Anwohner aus Velbert schimpft über abgeholzte Ahörner an der von-Behring-Straße. Die Technischen Betriebe klären über Kriterien der Entnahme auf.

Velbert..  Es war für Rainer Kellermann immer eine wahre Freude, wenn er im Herbst seinen Blick die von-Behring-Straße entlangschweifen ließ mit ihren bunten Ahörnern. Und jetzt: „Drei gesunde Bäume sind von der Stadt einfach abgeholzt worden“, schimpft der Bewohner der Hufelandstraße. Da müsse die Stadt ja wohl „im Geld schwimmen“, vermutet Kellermann. „Andere Städte kämpfen nach dem Sturm Ela um jeden Straßenbaum, in Velbert werden sie einfach abgesägt!“.

Bei den Technischen Betrieben (TBV), die für das öffentliche Grün zuständig sind, bittet man in diesem Zusammenhang um eine differenzierte Betrachtung. „Bevor im Stadtgebiet auch nur ein Baum fällt, müssen einige Bedingungen erfüllt sein“, informiert Geschäftsbereichsleiter Tobias Schiffer. Wie ist der Gesundheitszustand, wie steht es um die Vitalität, steigt der Anteil von Totholz in bedenklichem Maße? Die TBV begutachten regelmäßig alle im Stadtgebiet stehenden Bäume und erstellen Fälllisten. Bäume leben nicht ewig, manche werden irgendwann krank, Teile sterben ab, so dass sie bald als Gefahrenbäume registriert werden, die bei Sturm umstürzen.

Aber auch gesunden Gewächsen kann es unter bestimmten Bedingungen „an den Kragen“ gehen. Schiffer erwähnt Baumaßnahmen an Straßen oder wenn Kanäle saniert werden müssen. „Wenn es um Verkehrssicherheit geht, ist ein gesunder Baum nachrangig.“ Konkret in der von-Behring-Straße wurden nach Schiffer in den 70er und 80er Jahren Straße, Gehwege und Laternen errichtet. „Die Bäume stehen unter der Laterne und sind heute so groß, dass abends die Vogelnester beleuchtet werden“, so Schiffer.

Welche Bäume fallen müssen, wird vorher der Öffentlichkeit bekannt gegeben – in den Bezirksausschüssen und im Umwelt- und Planungsausschuss legen die TBV den Volksvertretern ihre Listen vor, die in der Regel natürlich durchgewunken werden. Tobias Schiffer: „Die Politiker beugen sich dem Sachurteil.“

Jedoch gibt es in Velbert nicht nur Baumfreunde unter den Bürgern: „Es kommen sehr viele Anfragen rein, die um die Beseitigung von öffentlichen Gewächsen bitten, weil sie etwa am Grundstücksrand zu viel Schatten werfen.“ Rainer Kellermanns Ahörner mussten übrigens weichen, weil zwei mit ihren Wurzeln Straßenschäden verursachten und einer wurzelkrank war.