Velbert will mehr Gewerbeflächen mobilisieren

Velberts Stärken sind eindeutig die Zentralität und Erreichbarkeit der Stadt – so liegt etwas das Gewerbegebiet Talstraße in unmittelbarer Nähe zur Autobahn A 535.
Velberts Stärken sind eindeutig die Zentralität und Erreichbarkeit der Stadt – so liegt etwas das Gewerbegebiet Talstraße in unmittelbarer Nähe zur Autobahn A 535.
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Velbert liegt beim Mittelstädte-Ranking der IHK auf einem Mittelplatz. Für Stadtentwickler und Wirtschaftsförderer Wilfried Löbbert sind Arbeitsplätze und Bevölkerung die Kernthemen.

Velbert..  „Ein Mittelplatz ist selbstverständlich nie etwas, was man anstrebt.“ So kommentiert Wilfried Löbbert den Umstand, dass Velbert bei dem jüngsten Mittelstädte-Ranking der IHK Düsseldorf landesweit unter insgesamt 181 Kommunen Rang 91 belegt (WAZ berichtete). „Wir sind zwar nicht abstiegsbedroht, aber doch weit von der Meisterschaft entfernt“, fügt der Chef des Fachbereichs Stadtentwicklung und kommissarische Leiter der hiesigen Wirtschaftsförderung noch hinzu.

Sturzflug voll abgebremst

Die Stärke der Stadt liege weiterhin eindeutig in ihrer geografischen Lage, heißt es in der IHK-Untersuchung, deren Potenzial allerdings noch nicht gänzlich ausgeschöpft werde. Besonders mies schneide Velbert in den Kategorien Bevölkerung und Kommunale Finanzen ab. Faktoren wie die vergleichsweise hohe Verschuldung, der kreisweit zweithöchste Gewerbesteuer-Hebesatz, die Beschäftigungsentwicklung (Rang 171) oder der magere Gründungssaldo (Rang 168) schlagen ebenfalls ins Kontor.

„Solche Stimmungsbilder sind für unsere Arbeit wichtig“, meint Löbbert. „Dieser Standort ist ja nicht der einfachste. Da muss man sich einfach mehr anstrengen als an einem Standort im Speckgürtel an der Rheinschiene.“ Jedoch könne man natürlich weder das Tempo des A 44-Lückenschlusses bestimmen noch – Stichwort Topographie – Berge versetzen. Vorrangige Kernthemen seien vielmehr Arbeitsplätze und Bevölkerung, hinzu komme das „Puzzle“ der Stadtentwicklung, eng verknüpft mit angestrebten „Lebens- und Wohnqualitäten“.

Der Sturzflug bzw. der Bevölkerungsschwund sei 2010/2011 „voll abgebremst“ worden. Löbbert führt das nicht zuletzt auf das vermehrte und verbesserte Wohn-Angebot vor Ort zurück. Das gehe vom Einfamilienhaus über Sanierung im Bestand bis hin zu Projekten wie Schloßstraße oder Soziale Stadt. Zur weiteren Perspektive sagt er: Mittelfristig könne man binnen etwa fünf Jahren rund 1000 zusätzliche Wohneinheiten schaffen. „Und theoretisch geht auch noch mehr.“

Berappelt hat sich mittlerweile auch die Entwicklung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Wohnort Velbert. Waren das zur Jahrtausendwende noch um die 30 000, so ist deren Zahl nach dem deutlichen Einbruch in 2009 zum letzten Stichtag Mitte 2014 wieder auf 29 188 geklettert.

Planungsrecht in Neviges schaffen

Das Thema Wohnbau-Flächen wertet der Stadtentwickler als „einigermaßen entspannt“. Hingegen sei im Bereich Gewerbe „mit Blick auf die Qualitäten“ der Handlungsdruck deutlich höher. Klare Priorität habe die Mobilisierung von Flächen. Es gehe darum, Hemmnisse und Blockaden zu beseitigen.

Konkret, so die Auskunft der Abteilung Wirtschaftsförderung, wolle man z. B. möglichst bald Planungsrecht „für die letzte große Fläche in Neviges“ schaffen, um dort in die Vermarktung zu kommen: die hintere Fläche der ehemaligen Ziegelei Buschmann mit knapp sieben Hektar. Aktuell verfügbar seien dort zwei Hektar an der Straße Am Rosenhügel.

Als ein Zeichen „guter Bestandspflege“ interpretiert Wilfried Löbbert die Tatsache, dass es in den letzten Jahren lediglich zwei größere Firmen-(Teil)Fortzüge gegeben habe. Aktuell registriere man eher Verlagerungen im Nahbereich: „Und zwar vor allem nach Velbert und deutlich weniger von Velbert weg.“

Löbbert zufolge ist einerseits eine „Halte-Strategie“ bezüglich der Kernkompetenzen Schloss und Beschlag sowie Kfz-Zulieferer angezeigt. Andererseits müsse man aber auch auf andere Wirtschaftszweige setzen. So halte man z. B. seit Jahren den Standort Jupiter­straße für Dienstleister vor.