Velbert schneidet bei ADFC-Befragung schlecht ab

Beim Thema Radfahren ist für Velbert kein Blumentopf zu gewinnen. Bei der Befragung von Radfahrern durch den ADFC erhielt die Schlossstadt sehr durchschnittliche Noten.
Beim Thema Radfahren ist für Velbert kein Blumentopf zu gewinnen. Bei der Befragung von Radfahrern durch den ADFC erhielt die Schlossstadt sehr durchschnittliche Noten.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Fahrradklima-Ranking des ADFC: Velbert auf Rang 95 von 100 Kleinstädten. ADFC-Ortsgruppe fordert Umdenken bei Entscheidern und Autofahrern.

Velbert..  Fahrradfahren ist gut fürs Klima. Doch es gedeiht auch nur dort, wo es ein gutes Klima vorfindet. In Velbert allerdings ist das Klima für Radfahrer unverändert schlecht, so sagt es der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) in seinem neuen „Fahrradklima-Test“.

Im Herbst 2014 hat der Club bundesweit rund 100 000 Radfahrer zur Fahrradfreundlichkeit in ihrer Stadt befragt, darunter auch 168 Velberter. Denen zufolge landet Velbert in der Klasse der Städte mit 50 000 bis 100 000 Einwohnern NRW-weit auf Platz 39, bundesweit auf Platz 95. Die 27 Kriterien, darunter solche wie „Akzeptanz als Verkehrsteilnehmer“ oder „Fahrradmitnahme im ÖPNV“, werden fast alle durchschnittlich mit der Schulnote Vier bewertet.

Ausreißer nach unten sind „Ampelschaltungen für Radfahrer“ (5,0), „Winterdienst auf Radwegen“ (5,1), „Führung an Baustellen“ (5,0), „geöffnete Einbahnstraße in Gegenrichtung“ (5,1) und der Mangel an „öffentlichen Fahrrädern“ (5,3).

Mit einer Drei bedenken die Velberter die Frage „Spaß oder Stress?“ (3,7) sowie die Kriterien „Alle fahren Fahrrad“ (3,7), „Fahrradförderung in jüngster Zeit“ (3,6), „Konflikte mit Fußgängern“ (3,9), „Fahrraddiebstahl“ (3,2) und „Wegweisung für Radfahrer“ (3,9). Der hiesige ADFC ist wenig überrascht über dieses „ganz miserable Abschneiden“, so Sprecher Wilfried Gehde wörtlich. Schon kurz vor der Gründung der neuen Ortsgruppe Ende 2014 hatte sein Vereinskollege Walter Krüger gesagt, in Sachen Fahrradfreundlichkeit bekomme Velbert „auf jeden Fall eine Fünf“.

Gradmesser für Lebensqualität

Dass diese subjektive Einschätzung seit gestern offiziell ist, veranlasste die Ortsgruppe prompt zu einer ausführlichen Stellungnahme. Kontinuierliche Radverkehrsförderung, etwa in Form von Einbahnstraßen-Öffnungen für Radfahrer, Tempo-30-Zonen, Winterdienst auf Radwegen und radfahrerfreundlichen Baustellen, mache sich bezahlt – in Lebensqualität: „Fahrradfreundlichkeit ist ein guter Gradmesser für die Lebensqualität in einer Stadt – deshalb macht es uns Sorgen, dass sich die Velberter auf dem Rad ziemlich unwohl fühlen.“

„Es gibt Punkte, wo es auch gefährlich wird“, sagt Gehde: etwa an der Friedrich-Ebert- und der Berliner Straße, wo Radfahrer immer wieder zwischen Radweg und Straße wechseln müssen. Schwierig sei es in Velbert auch deshalb, weil „Autofahrer es hier nicht gewohnt sind, dass Fahrradfahrer auf der Straße sind.“

Der Verein, der sich so kurz nach seiner Gründung noch finden muss, will im Verkehrsausschuss und mit zwei Dutzend Radtouren in diesem Jahr darauf hinwirken, dass mehr Menschen Rad fahren und mehr Entscheider das Rad selbstverständlich mitdenken.

Ganz anders fällt übrigens die Einschätzung in Heiligenhaus aus. Fand man es bei der vorherigen Befragung 2012 in der Klasse der deutschen Städte unter 50 000 Einwohnern noch auf Rang 172, steht es jetzt auf Platz 42 und gilt damit gar als größter Aufsteiger unter den Kleinstädten NRWs. Grund dafür dürfte der inzwischen gut angenommene Panorama-Radweg sein. Der habe dafür gesorgt, berichtet Gehde vom Velberter ADFC (siehe Umfrage), „dass viele die Fahrräder aus dem Keller geholt haben“. Merkwürdig nur, dass sich das in der Befragung der Velberter nicht niederschlägt. Die einzelnen Werte zu den 27 Fragen der Studie: www.adfc-nrw.de.