Velbert gratuliert dem Toast Hawaii zum 60. Geburtstag

Nicht ganz das Original, aber immerhin – so sieht der rüstige Rentner in vielen Restaurants aus. Wer’s wirklich so machen möchte, wie einst Clemens Wilmenrod, der muss auf den Käse eine Cocktail-Kirsche setzen.
Nicht ganz das Original, aber immerhin – so sieht der rüstige Rentner in vielen Restaurants aus. Wer’s wirklich so machen möchte, wie einst Clemens Wilmenrod, der muss auf den Käse eine Cocktail-Kirsche setzen.
Foto: FUNKE Foto Services
Der Fernsehkoch Clemens Wilmenrod schuf 1955 den Toast Hawaii – und ganz Deutschland war heiß auf den exotischen Snack. Velberts Sternekoch Walter Stemberg erinnert sich.

Velbert..  Es war das Jahr 1955, mit Deutschland ging es zehn Jahre nach Kriegsende steil bergauf. Wirtschaftswunder-Jahre. Es war vor allem das Jahr, in dem Clemens Wilmenrod den Deutschen ein ganz besonderes Gericht bescherte: den Toast Hawaii. Wilmenrod hieß eigentlich Carl Clemens Hahn – so steht es zumindest in seiner Geburtsurkunde. Und er gilt als erster Fernsehkoch der Bundesrepublik, dabei war der gebürtige Westerwälder gelernter Schauspieler.

Wie dem auch sei, in seiner Sendung „Clemens Wilmenrod bittet zu Tisch“ wurde die wohl exotischste Kreation der Ära Adenauer geboren: eine Scheibe Toast, darauf Schinken, Käse, Ananas „und dann noch eine Cocktail-Kirsche“, beschreibt Velberts Sterne-Koch Walter Stemberg die klassische Toast-Hawaii-Variante. „Im Original soll da sogar noch ein Klecks Ketchup auf der Kirsche gewesen sein“, weiß der Profi.

Warum der Happen für zwischendurch so erfolgreich wurde, sei schnell erklärt, meint Stemberg: „Das war im Fernsehen. Und Wilmenrod war einfach überall bekannt, die Rezepte dann logischerweise auch.“ Kaum ein gastronomischer Betrieb kam in der Folge ohne den Hawaii-Toast aus. „Das war ein No-Go, wenn der nicht auf der Karte stand“, erinnert sich Stemberg. Und die Kulturjournalistin Gudrun Rothaug findet in ihrem Aufsatz „Vom Toast Hawaii zum Döner. Essen in Deutschland“ folgende Erklärung: „(Wilmenrod) bündelte auf wenigen Quadratzentimetern Weizenbrot die Sehnsüchte einer ganzen Epoche: Die verschwenderische Kombination aus Schinken und Käse demonstrierte den neu gewonnenen Wohlstand, Ananas und Cocktailkirschen drückten die Sehnsucht nach der weiten Welt aus.“

Dennoch: Mittlerweile gehört der Snack-Rentner zu den aussterbenden Arten. „Wir machen den höchstens noch für Personalabende, haben ihn aber nicht auf der Karte“, sagt Walter Stemberg. Und rät: „Wenn man das Rezept nachkocht, sollte man unbedingt auf die Qualität der Zutaten achten. Guten Schinken statt Pressfleisch, einen ordentlichen Käse, gutes Toastbrot.“ Auch variieren könne man, je nach Geschmack: „Etwa mit frischen Apfelscheiben oder Pfirsichen statt der Ananas“. Na dann, herzlichen Glückwunsch!