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Flüchtlingsheim

Unwürdige Zustände in Velberter Flüchtlingsheimen

21.10.2011 | 19:02 Uhr
Unwürdige Zustände in Velberter Flüchtlingsheimen

Velbert.   Die Flüchtlingsorganisation „Karawane Wuppertal und Velbert“ hat Flüchtlingsheime inspiziert: Das Ergebnis ist bitter - fehlende Isolierungen, schwarzer Schimmel. "Die Häuser sind nicht bewohnbar", resümiert eine Aktivistin.

Es ist ein Bild des bitteren Widerspruchs: Der dunkelhäutige Semere Tasfay aus Eritrea steht vor seinem vorläufigen Zuhause, dem Flüchtlingsheim in der Talstraße 24. Und eine dicke rote Jacke wärmt ihn, wie auch die Kappe – mit der Aufschrift des Reiseveranstalters „Thomas Cook“.

Er führt die Besucher zum Männerhaus. Dessen Eingangstür steht bereits auf, denn zumachen kann man sie nicht mehr. Trotzdem oder gerade deshalb machen die meisten einen großen Bogen um diese Gebäude. Die Flüchtlingsorganisation „Karawane Wuppertal und Velbert“ haben zur Begutachtung eingeladen. Der Grund: Die Häuser sind marode. Zwei Bauingenieurinnen, eine Ärztin und weitere Aktivisten sind vor Ort, um sich ein Bild von den Lebensbedingungen zu machen.

Semere Tasfay läuft die Treppe runter. Die Duschen sind im Keller. Ein Raum, gelb gefliest mit zwei Duschköpfen, die wie Zyklope aus der Wand glotzen. Die ehemals weiße Decke färbt sich giftgrün, unaufhörlich. Die Lüftung erfolgt durch ein kreisrundes Loch in der Stahlplatte des ehemaligen Kellerfensters. Ein Plastikeimer steht davor, damit nicht hereingeschaut werden kann.

Nachbesprechung
Filmvorführung

Die Flüchtlingsorganisation „Karawane“ lädt ein:

Die öffentliche Nachbesprechung des Delegationsbesuchs beginnt am Donnerstag, 27. Oktober, um 19 Uhr. Im Gebäude der Caritas, Friedrich-Ebert-Straße 228, wird darüber hinaus ein 40-minütiger Film der iranischen Filmemacherin Merandokht Feizi über die Zustände im Heim Talstraße gezeigt.

Oben zeigt Tasfay, der seit Juli dort wohnt, eine Wohnung. Starr blickt Salad Ismail Ahmad zu den Fremden. Er spricht nicht, versteht aber „Ausweis“. Er eilt in sein Zimmer, holt ihn. Die Begutachter schauen rein. Auf dem Bett liegt ein junger Mann aus Guinea. Er war Moslem, konvertierte und hat eine Christin geheiratet. Bouba Toure gelangte zwischen die Fronten der Gewalt. Körperlich ist er gezeichnet, seelisch sowieso. Er nimmt Psychopharmaka, zeigt der Ärztin ein Schreiben vom Krankenhaus. „Der junge Mann hat posttraumatische Belastungsstörungen“, erklärt Dr. Brigitte Majewski. Sie berät medizinisch ehrenamtlich Flüchtlinge ohne Papiere.

„Die Feuchtigkeit zieht direkt ins Haus“

Menschenunwürdig

Das Zimmer ist ein Sammelsurium aus Klamotten, Koffern und Krimskrams ohne festen Standort. Zart, an ein Kinderzimmer erinnernd, hängt ein Hunde-Baby-Poster an der Wand. Sonst wirkt dieser Wandschmuck süß, in diesem trostlosen Raum stößt er sauer auf – weckt Sehnsüchte.

Wieder draußen, gehen die Besucher um die Ecke. Dort steht das Familienhaus. Die Bauingenieure Isis Kossatz und Katrin Schmidt schütteln nur den Kopf. Die Isolierung fehlt, der blanke Stein zeigt sich. „Die Feuchtigkeit zieht direkt ins Haus“, beschreibt Katrin Schmidt die Situation. Im Duschraum sagt sie nur: „Extrem gesundheitsgefährdend.“ Damit meint sie nicht etwa den grünen, sondern den schwarzen Schimmel. Ihre Kollegin Isis Kossatz resümiert deutlich: „Diese Häuser sind nicht bewohnbar. Es besteht zudem Unfallgefahr.“

Die „Karawane“-Aktivistin Mehrandokht Feizi berichtet von einer Familie in einer Drei-Zimmer-Wohnung, die in einem Zimmer hause, weil die Stadt die anderen nicht aufschließe. Grund: Man wolle sie für andere Flüchtlingsfamilien in Not reservieren.

Der Pressesprecher der Stadt, Hans-Joachim Blißenbach, äußert sich erstaunt: „Es ist befremdlich, dass eine Organisation in städtische Gebäude einlädt, ohne uns darüber zu informieren.“ Er erklärt, die Stadt habe beschlossen, die Häuser mit Millionenaufwand zu sanieren. Weitere Informationen zur Talstraße 24 gebe es nächste Woche.

Nicole Krzemien

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Kommentare
23.10.2011
17:04
Unwürdige Zustände in Velberter Flüchtlingsheimen
von WGSchalk | #22

Zitat: also ein 5 sterne hotel sollte es schon sein für die flüchtlinge

Genau das meinte ich vorhin:
speedy123 hat mit Sicherheit noch nie so ein Wohnheim (gilt übrigens auch für die meisten Obdachlosenwohnheime) von innen gesehen, und keinen Flüchtling persönlich kennengelernt.

Es geht bei den _gesetzlichen_Vorgaben_ für Flüchtlinge bei weitem NICHT um eine 5-Sterne-Unterbringung, sondern um einen Lebensstandard, der noch weit unter dem Leistungsniveau von Grundsicherung und Hartz IV liegt.
Und die Zustände in diesen speziellen Velberter Wohnheimen erfüllen nicht mal dieses Mindestniveau und müßten eigentlich von den Gesundheitsbehörden geschlossen werden.

23.10.2011
16:59
„Diese Häuser sind nicht bewohnbar“
von DaDU | #21

Es geht nicht um Ausländerfeindlichkeit oder so etwas. In Velbert fließt das Geld dahin wo es der Bürgerneister und seine Getreuen es hin haben wollen.Ein Einkaufszentrum ist nun mal wichtiger, das vesteht doch wohl jeder, oder?
Oder wenn man einen Bachfür 200.000 € renaturiert, der anschließend und auch vorhersehbar kein Wasser führt, dann ist das wohl auch wichtiger als ein Ausländerwohnheim?
Diese Liste läßt sich beliebig lange fortsetzten.

23.10.2011
16:57
Unwürdige Zustände in Velberter Flüchtlingsheimen
von Kreuztaler | #20

Wem es in den hiesigen Flüchtlingsheimen nicht gefällt kann ja weiter ziehen. Man bekommt ein Dach über den Kopf, Geld, etwas zu essen und die Möglichkeit trotz kriminalität nicht abgeschoben zu werden. Was will man mehr?!

23.10.2011
16:30
Unwürdige Zustände in Velberter Flüchtlingsheimen
von speedy123 | #19

das geht ja garnicht

also ein 5 sterne hotel sollte es schon sein für die flüchtlinge

23.10.2011
16:29
Unwürdige Zustände in Velberter Flüchtlingsheimen
von WGSchalk | #18

Na gut, eigentlich habe ich keine Lust auf Zahlen, weil es hier um Menschen geht, aber hier ein paar Daten als Zitat:

Asyl im europäischen Vergleich
In der Europäischen Union wurden im letzten Jahr 235.928 Asylanträge gezählt. Im Vergleich zum Vorjahr mit 246.303 Asylanträgen sank die Zahl damit um 4,2 %. Hauptherkunftsländer waren Serbien (inkl. Kosovo) mit 26.726 Asylanträgen, Afghanistan (19.566), die Russische Föderation (16.648), der Irak (14.506) und Somalia (13.885). Diese fünf Herkunftsstaaten machten damit fast 40 % aller Asylanträge in der EU aus.

Die meisten Asylanträge wurden mit 47.790 in Frankreich verzeichnet, gefolgt von Deutschland (41.332) und Schweden (31.820). Ein völlig anderes Bild ergibt sich jedoch, wenn man die Asylantragszahlen in Relation zur Einwohnerzahl setzt. Bei diesem Vergleich wird deutlich, dass vor allem kleine Staaten mit wesentlich geringeren Aufnahmekapazitäten vergleichsweise hohe Asylantragszahlen zu verzeichnen haben. Hier liegt Schweden mit 3,4 Asylanträgen pro 1.000 Einwohnern vorne. Dahinter folgen Zypern (3,2 Asylanträge pro 1.000 Einwohner), Belgien (1,9) und Luxemburg (1,5). Deutschland liegt mit 0,5 Anträgen pro 1.000 Einwohnern auf Platz 11 und somit im Mittelfeld der 27 EU-Staaten. Im Vergleich der letzten fünf Jahre liegt Zypern vor Malta und Schweden, Deutschland kommt auf Rang 13.
http://www.proasyl.de/de/themen/zahlen-und-fakten/


Und Länder wie der Jemen, Kenia und Äthiopien, die Flüchtlinge aus Somalia aufnehmen, leisten ein Vielfaches im Vergleich zum reichen Deutschland.

Und noch ein Gedankenspiel: ein Flüchtling aus dem Deutschland von 1933-45, der heute hier einen Asylantrag stellen würde, hätte kaum Chancen auf Anerkennung. Er könnte keine _individuelle_ und _politische_ Verfolgung nachweisen. Verfolgung ganzer Volksgruppen gilt nicht mehr als Aylgrund!
Ein unpolitischer jüdischer Flüchtling könnte keine Verfolgung aus politischen Gründen nachweisen.

23.10.2011
16:28
Unwürdige Zustände in Velberter Flüchtlingsheimen
von Martin202020 | #17

Wenn ich diese rassistischen Kommentare lese muss ich kotzen.

23.10.2011
16:02
„Diese Häuser sind nicht bewohnbar“
von Klubchef | #16

#14 Ich glaube das sähe da nicht so schlimm aus, wenn die sich etwas Mühe geben würden und mal selbst sauber machen würden, anstatt das die Stadt dort immer noch eine Putzfrau hinschicken muss.


#15 ja ne, is klar. Deutschland nimmt so gut wie gar keine Flüchtlinge auf ... sie wissen schon das die ganzen Libanesen und Kurden alle als Flüchtlinge kamen? Das sind im Ruhrgebiet mittlerweile mehrere hunderttausend. Aber wir nehmen ja kaum welche auf ...

23.10.2011
15:46
Unwürdige Zustände in Velberter Flüchtlingsheimen
von WGSchalk | #15

Immer diese Märchen vom Flüchtlingsparadies Deutschland...
Das Asylrecht ist faktisch in Deutschland weitgehend abgeschafft. Deutschland gehört sowohl in Europa als auch im Vergleich z.B. zu afrikanischen Ländern zu denen, die besonders wenige Flüchtlinge aufnehmen (in Relation zur Bevölkerungszahl und erst Recht in Relation zum materiellen Reichtum).

Einigen hier würde ich empfehlen sich mit der Realität vertraut zu machen, anstatt Vorurteile wiederzukäuen.
Oder anders gesagt: je hemmungsloser über Flüchtlinge hergezogen wird, desto sicherer ist, daß derjenige noch nie mit einem gesprochen hat.

23.10.2011
15:31
Unwürdige Zustände in Velberter Flüchtlingsheimen
von meigustu | #14

Man sollte den Asylanten wie auch den Deutschen die unter solchen Umständen leben zumindest die Materialien an die Hand geben, damit sie ihre Wohnsituation in Eigenhilfe verbessern können.

Weiter spricht auch nichts dagegen, das sie auf städtischen Freiflächen die Lebensmittel anbauen die sie brauchen.

Deutsche haben vor 65 Jahren sich genauso aus dem Sumpf gezogen.

Selbstverständlich spricht auch nichts dagegen, das Arbeitsverbot für Asylanten aufzuheben. Warum sollen gesunde Menschen nicht von ihrer Hände Arbeit leben dürfen.

23.10.2011
15:21
„Diese Häuser sind nicht bewohnbar“
von buntspecht2 | #13

Warum schreibt man eigentlich nicht über deutsche die in solchen Behausungen wohnen da kümmert sich niemand drumm komischer weise nur über Flüchtlinge und Migranten

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