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Unkraut zum Essen

17.06.2012 | 17:28 Uhr
Unkraut zum Essen
Auf 700 Quadratmetern grünen und blühen bei Ulrike Schneider

Velbert.   Zum Tag der offenen Gartenpforte führte Kräuterhexe Ulrike Schneider erstmals durch ihr grünes Reich.

„Bei mir werden sie nix Gerades finden“, empfängt Ulrike Schneider lächelnd die ersten Besucher in ihrem grünen Kleinod in der Straße Am Holunderbusch. Als ein „gepflegtes Chaos“ bezeichnet sie selbst die gut 700 Quadratmeter große Gartenlandschaft, die sie in diesem Jahr erstmals beim Tag der offenen Gartenpforte für Gäste zugänglich machte.

Über frisch geschnittene Buchsbaumspitzen – „die lasse ich trocknen, gibt einen schönen weichen Bodenbelag“ – geht es kurz nach dem Öffnen der Tore bereits mit einer großen Besucherschar zu den ersten Stauden und Kräutern. „Hier, kosten Sie mal“, fordert die Gärtnerin sogleich auf und reicht die Blätter der Süßdolde durch die Reihen. Lakritzig und süß schmecken und duften die, so dass gleich klar ist, woher das Gewächs seinen Namen hat.

Kräuterstammtisch

Kräuterstammtisch im eigenen Garten

Seit 1998 hegt Ulrike Schneider den Garten und macht sich dort alles zu nutzen, was verwertet werden kann. Dass sie über so ein großes Pflanz- und Kräuterwissen verfügt, hat auch mit ihren drei Kindern zu tun. „Mir passte es nicht, mit welchen Bomben die Ärzte meine Kinder behandeln wollten, und ich hatte das Glück, an einen Kinderarzt zu geraten, der bei seiner Behandlung auf Heilkräuter setzte.“ Viel hat sie sich später dazu angelesen und jahrelang am Heilkräutergarten an der Bergischen Straße mitgewirkt. Seit März diesen Jahres gibt sie an jedem dritten Montag des Monats ihr Wissen beim Kräuterstammtisch im eigenen Garten weiter und ist selbst überrascht, wie viele die Einladung dazu annehmen. „Zuletzt hatte ich mehr als 40 Besucher.“

Auch heute werden eifrig Tipps von Menschen mit grünem Daumen ausgetauscht. So rühmt sich eine Besucherin, ein Mittel gegen den Gartenfeind Nummer 1 aller Blumenliebhaber gefunden zu haben: „Ich habe mit einem Kupferband um mein Beet etwas Neues gegen Schnecken entdeckt“, freut sie sich, dass es wirkt.

Wenn die Kräuter aber trotz natürlicher Feinde so schön wachsen wie hier, kann man viel damit anfangen, auch mit denjenigen, die manche als lästiges Unkraut herausreißen. „Was andere Unkraut nennen, das essen wir“, lacht die hier wohnende Kräuterhexe und fragt sich, „warum soll ich denn in den Supermarkt rennen und Rauke kaufen, wenn ich hier mit Löwenzahn die Urpflanze davon stehen hab’?“

Eigene Tee-Mischung

Noch nie Tee im Laden gekauft

Noch nie Tee im Laden gekauft hat auch Besucherin Erika Höschen. „Ich mixe mir meine eigene Mischung aus Salbei, Zitronenmelisse, Schafgarbe und Pfefferminze.“ Sie hat auch gleich einen Tipp parat, wo man die Pflege und Anwendung dieser Heilkräuter praktisch lernen kann: „Wir treffen uns jeden Dienstag im Heilkräutergarten an der Bergischen Straße 15 von 15 bis 17 Uhr und freuen uns über jeden, der mitmachen will.“

Werner Küchler ist extra zum Tag der offenen Gartenpforte aus Recklinghausen angereist: „Ich wollte mal sehen, wie Ihre Gärten hier sind, wir haben aber nicht so viel Gefälle“, spielt er schmunzelnd auf die bergische Landschaft um ihn herum an. Interessiert betrachtet er Pflanzen wie die prächtig knospenden Buschröschen, hat aber selbst andere Vorlieben: „Kräuter trinke ich nur im Likör; mich zieht es eher zu Bäumen hin.“

Likör aus dem eigenen Gartenholunder können sich die Besucher gegen einen kleinen Obolus zum Schluss des Gartenbesuchs mitnehmen, genauso wie ausgefallene Geleekompositionen, aus Kräutern selbst hergestelltes Pizzasalz und ungewöhnlichen, aber leckeren Brotaufstrich wie die Möhrenmarmelade.

Birgit Hölker-Schüttler

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