Unkraut erobert das Straßenbild
24.10.2012 | 17:37 Uhr 2012-10-24T17:37:00+0200
Nierenhof. Anwohner Werner Kostka bringt Wildwuchs am Nierenhofer Bahnhof in Rage.
„Wenn ein Reisender vom Bahnhof oder mit dem Auto nach Nierenhof einreisen will, dann ist er wohl entsetzt über diesen tollen Wildkräuterwuchs.“ Er jedenfalls, so schrieb WAZ-Leser Werner Kostka jetzt der Redaktion, würde als Fremder wohl umkehren bei diesem Anblick, da er dahinter die Welt zu Ende wähne. Und um zu erklären, was ihn so auf die Palme gebracht hat, schickte der Nierenhofer Leser gleich drei Bilder mit in die Redaktion. Auf allen zu sehen: wild wucherndes Grün mitten auf der Bonsfelder Straße.
„Vielleicht wäre es ja doch mal möglich, da etwas zu machen – auch aus Sicherheitsgründen“, meinte Kostka, der sich auch über etwas anderes ärgert: „Ruft man bei der Stadt Velbert an, heißt es ’das ist eine Landesstraße’. Aber dann könnten unsere Stadtverordneten doch mal beim Kreis Druck machen.“
Wobei der Kreis wohl auch nicht der richtige Ansprechpartner wäre. „Da ist der Landesbetrieb Straßen zuständig, da es sich um eine Landstraße handelt“, beantworte Stadtsprecher Hans-Joachim Blißenbach eine Anfrage der WAZ.
Eine durchaus richtige Auskunft, wie Carsten Socall, Leiter der Straßen-NRW-Niederlassung in Tönisheide bestätigt. Auch stellt er das grundsätzliche Problem, das es mit wildwucherndem Grün gibt, gar nicht in Abrede. Was er allerdings zu bedenken gibt. „Wir haben nur ein begrenztes Budget zur Verfügung, aber ein riesengroßes Aufgabenfeld.
Andere Städte machen es selbst
Da bleibt nichts andere übrig, als nach Prioritätenliste vorzugehen.“ Und dabei habe stets Sicherheit absoluten Vorrang, müsse Schönheit schon mal hinten anstehen.
Was der Niederlassungsleiter vorschlägt: „Einige Städte haben erklärt, dass sie die Aufgaben mitmachen, auch wenn sie nicht zuständig sind. Die sagen: Uns ist ein schönes Ortsbild einfach zu wichtig.“
08:38
Das Budget der Straßenmeisterei ist nun einmal eng begrenzt, als Steuerzahler möchte ich auch gar nicht, dass es erweitert wird.
Als Anwohner eine Landesstraße möchte ich meine Erfahrungen weitergeben:
Müll sammele ich auch mal selbst ein, beim ersten Mal waren vier Auroreifen, Radkappen und anderes dabei. Sauber am Straßenrand gestapelt, Anruf beim Straßenmeister: am nächsten Tag war es weg.
Zum Besen greifen und mal Schnee räumen ist auch mal drin, an Landesstraßen gibt es keine städtische Straßenreinigung, folglich keine Gebühren, was mir nur recht ist.
Wildwuchs entlang meines Grundstücks kann ich selbst stutzen. Da wo es an unbebauten Grundstücken in den Gehweg reicht: Anruf beim Straßenmeister, nach vier Wochen war alles perfekt zurückgeschnitten.
Die Mitarbeiter der Straßenmeisterei tun was sie können, als Bürger darf man aber ruhig einmal Eigeninitiative zeigen. Zur Presse laufen sollte man erst, wenn man vorher einmal mit dem Straßenmeister selbst gesprochen hat.
07:58
Es gibt BürgerInnen und Bürgervereine, die z.B. Patenschaften für Blumenkübel und dergleichen übernehmen. Es gibt BürgerInnen und Bürgervereine, die zum Besen greifen und z.B. den Bürgersteig an Bushaltestellen kehren. Es gibt BürgerInnen und Bürgervereine, die sich am Dreck-Weg-Tag beteiligen. Und es gibt Bürger, die sich lieber an die Zeitung wenden nach dem Motto: "Herr Lehrer, ich weiß was, im Keller brennt noch Licht!"
Die Männer und Frauen der Straßenmeisterei machen einen harten, teils gefährlichen Job. In den vergangenen Wintern war gerade besagte Straße vorbildlich geräumt. Weil Landesstraße, gibt es diesen Service kostenlos für die Stadt.
Der Ruf nach Übernahme von Leistungen durch die Stadt könnte dümmer nicht sein. Die Kosten werden zuerst den Anwohnern aufgebrummt (und ob der Service dann besser wird?). Mal selbst den besen in die Hand nehmen, hat auch noch keinem geschadet.
"...würde als Fremder wohl umkehren bei diesem Anblick", was für Menschen hier nur wohnen, die Ansprüche kennen, aber keine Eigeninitiative.