Uniformjacke wurde für Velberter zum Problem

Der Angeklagte (49) mit Anwältin Dagmar aus der Fünthen (vorn) zu Beginn der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Wuppertal.
Der Angeklagte (49) mit Anwältin Dagmar aus der Fünthen (vorn) zu Beginn der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Wuppertal.
Foto: Dirk Lotze
Was wir bereits wissen
Ein 49-jähriger Velberter wurde wegen Amtsanmaßung verurteilt. Geschmückt mit falschen Federn hatte er sich gegenüber einem Lasterfahrer aufgespielt.

Wuppertal..  Eine billige, grüne Jacke aus Polizei-Restbeständen kommt einen 49-Jährigen Angeklagten aus Velbert teuer zu stehen. Das Landgericht verurteilte den Berufskraftfahrer gestern in zweiter Instanz zu 600 Euro Geldstrafe wegen Amtsanmaßung: Er hatte das Stück vor zweieinhalb Jahren bei einem Streit im Straßenverkehr getragen.

Anzeige bei der echten Polizei

„Er hat gesagt: Zeig’ mir Deine Tachoscheiben“, berichtete sein damaliger Gegner (47), ein Lasterfahrer, im Zeugenstand. Auslöser war ein riskantes Überholmanöver des Angeklagten mit seinem Pkw an einer Kreuzung auf der Nevigeser Straße in Tönisheide gewesen – soweit stimmen beide Seiten überein. Wenig später hatte der 49-Jährige seinen Astra eingeparkt. Der Lkw-Fahrer hielt ebenfalls und stellte den Anderen zur Rede: „Ich habe ihn gefragt, ob er gern um sein Leben spielt. Ich hab’ 40 Tonnen hinten drauf.“

Den Auftritt mit „Polizei“ auf dem Rücken und Landeswappen auf dem Ärmel habe er dem Angeklagten nicht abgekauft, sagte der 47-Jährige: „Der Ton bei Kontrollen ist sonst anders.“ Schließlich sei er einfach weiter gefahren, habe sich dann aber gefragt, was der Ältere mit dieser Jacke wohl noch vorhabe. So kam es zur Anzeige – bei der echten Polizei.

Inzwischen bemüht sich der 49-Jährige nach Kräften, aus dieser Nummer wieder raus zu kommen: Der Zeuge sei zuvor zu schnell gefahren, deshalb habe er auf die Tachoscheiben hingewiesen; die würden nämlich 28 Tage aufbewahrt. Und die Jacke, sorgfältig als Beweisstück verpackt auf dem Richtertisch? „Das ist eine ganz normale Arbeitsjacke“, erklärte der 49-Jährige. Er habe sie günstig als Regenschutz gekauft und finde die Reflektorstreifen am Saum gut: „Wenn Polizisten die sehen, grinsen die und zeigen mir Daumen hoch.“

Seine Anwältin Dagmar aus der Fünthen führte an, dass es seit 2009 blaue Uniformen im Kreis Mettmann gebe, außerdem sei der Schriftzug nicht vollständig. Landrichterin Andrea Vosteen hielt die Jacke hoch: „Das zweite ‘I’ hat jemand abgeknibbelt. Aber das war mal eine Dienstjacke.“ Vermutlich habe es dem Träger gut gepasst, wenn ihn damit jemand für einen Polizisten hielt.

Verurteilter kündigt Revision an

Für die Amtsanmaßung brauche es zweierlei, stellte Vosteen klar: Die Jacke und das Verhalten. „Und bei dem Gespräch ging es eben um Tachoscheiben, nicht ums Überholen.“ Der Angeklagte kündigte nach dem Urteil an: „Ich gehe in Revision.“ Seine Jacke blieb auf dem Richtertisch zurück. Der 49-Jährige hatte erklärt, die könne seinetwegen vernichtet werden: „Ich hab’ schon genug Ärger damit gehabt.“