Tödlicher Badeunfall - Familie aus Velbert klagt auf 65.000 Euro Schmerzensgeld

Strafrechtlich ist der Fall des im Freibad Neuenhof umgekommenen Siebenjährigen abgeschlossen, ohne dass jemand angeklagt wurde. Jetzt klagen die Hinterbliebenen vor dem Landgericht Wuppertal auf Schmerzensgeld.Foto: Volker Speckenwirth, Archiv
Strafrechtlich ist der Fall des im Freibad Neuenhof umgekommenen Siebenjährigen abgeschlossen, ohne dass jemand angeklagt wurde. Jetzt klagen die Hinterbliebenen vor dem Landgericht Wuppertal auf Schmerzensgeld.Foto: Volker Speckenwirth, Archiv
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Was wir bereits wissen
Der Grund für den Tod eines siebenjährigen Jungen aus Velbert im Jahr 2009 konnte nie geklärt werden. Er war im Wuppertaler Freibad Neuenhof ums Leben gekommen.

Wuppertal.. Es war einer der erschütterndsten Badeunfälle der Region und er ist für eine Velberter Familie längst nicht abgeschlossen: Vor dem Landgericht Wuppertal hat die Verhandlung wegen des Todes eines damals siebenjährigen Jungen 2009 im Nichtschwimmerbereich des Wuppertaler Freibads Neuenhof begonnen. Eltern und Zwillingsbruder klagen auf Schmerzensgeld; die Aufsicht im Bad sei ungenügend geführt worden.

Laut Gericht fordert jedes Familienmitglied 20. 000 Euro wegen seiner Belastungen durch das Unglück, gemeinsam zu zahlen von den zwei damaligen Betreuern einer Ferienfreizeit, dem Betreiberverein des Schwimmbads und einer Bademeisterin. Weitere 5000 Euro beantragen sie als Erben des Jungen – für dessen Leiden vor dem Tod.

Viele Besucher wurden psychologisch betreut

Der Siebenjährige – ein Nichtschwimmer – war im Sommer vor fünf Jahren an einem zunächst unbeschwerten Julitag mit einer Feriengruppe nach Wuppertal gefahren, um das weithin beliebte Freibad zu besuchen. Am Nachmittag bemerkte ihn ein anderes Kind leblos im Nichtschwimmerbereich, offenbar ohne dass es zuvor Anzeichen für Gefahr gegeben hätte. Badegäste riefen den Rettungsdienst; der Zwillingsbruder wurde Zeuge der vergeblichen Wiederbelebungsversuche. Die Polizei räumte sofort das Bad; viele Besucher mussten psychologisch betreut werden.

Für die Familie gehe es vor allem um die Aufklärung des Unglücksfalls, erläutert deren Rechtsanwalt Oguz Özkan auf Anfrage. Dazu gehöre die Frage, wo genau der ältere Betreuer der zwölfköpfigen Ausflugs-Gruppe zur Zeit des Unfalls war: „Während des Ermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft haben die Betreuer geschwiegen, was ihr Recht ist. Für die Eltern ist das sehr unbefriedigend. Niemand sagt ihnen etwas. Es gab nicht einmal eine persönliche Beileidsbekundung seitens der Betreuer.“ Die beiden Begleiter hätten eine größere Aufsichtspflicht als der Schwimmverein oder die Bademeisterin, die hunderte Gäste im Blick haben musste. Das erläuterte das Gericht in einer vorläufigen Einschätzung.

Bademeisterin hatte an der Kasse gearbeitet

Rechtsanwalt Özkan führt aus, der Verein sei beklagt, weil womöglich organisatorische Mängel bestanden haben: „Die Bademeisterin, die eigentlich Aufsicht führen sollte, hat während des Unfalls auch an der Kasse gearbeitet.“ Strafrechtlich ist der Fall abgeschlossen, ohne dass jemand angeklagt wurde: Trotz aufwändiger Untersuchungen konnten Experten nicht klären, woran der Junge starb und ob jemand das Unglück hätte verhindern können. Der Prozess wird fortgesetzt.