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Tierischer Therapeut in Neviges

10.02.2012 | 16:41 Uhr
Tierischer Therapeut in Neviges
Therapiehund Römer zu Gast in der Regenbogenschule. Foto: H.W. Rieck

Neviges.   Schulhund Römer ist der Star an der Regenbogenschule. Besonders Kinder mit Behinderung profitieren von dem Vierbeiner.

Groß, schwarz, gepflegtes Haar, schlank und durchtrainiert. Muskulös, verschmust, treue Augen und Halsband: dieser Kerl ist der Traum einer jeden Frau, ist zudem kinderlieb und ein außerordentlich wachsamer Beschützer. Und sollte er doch einmal fremdgehen, dann höchstens für eine Fress-Affäre.

Römer ist sein Name, Schulhund sein Beruf. Der pechschwarze Labrador ist dreieinhalb Jahre alt, hört auf Sonderschullehrerin Kristina Bernhard und ist der Liebling an der integrativen Regenbogenschule im Siepen.

Es ist kurz nach zehn. Durch das große Flügelfenster wirft die Sonne einen schmalen Lichtkorridor in die Mitte des Klassenzimmers. Zielsicher legt sich Römer nieder, macht ein Nickerchen. Als es zur dritten Stunde klingelt, stört das den Rüden kaum. Kurz öffnet sich ein Auge, weiter geht die Siesta. Bis die ersten Schüler in die Klasse kommen.

Tiergestützte Pädagogik

„Das ist Hundi“, erklärt Bernhard, „sein eigenes Stofftier, das er jedem zur Begrüßung zeigt.“ Umgekehrt wird auch er herzlich begrüßt: „Hallo Römer!“ „Röööömer!“ Der Vierbeiner genießt seine Ausnahmestellung an der Regenbogenschule, hat seinen eigenen Ruhebereich, bekommt unzählige Streicheleinheiten, muss dafür aber auch viel arbeiten.

Im Rahmen der tiergestützten Pädagogik werden dem Therapiehund mehrere Aufgaben zuteil. Ohne großen Aufwand sorgt er per se für Ruhe. „Der Hund strahlt Ruhe aus. Auf der anderen Seite sind die Schüler aber auch ruhiger, um dem Hund nicht zu schaden. Sie wissen, dass er Geräusche sehr viel intensiver wahrnimmt“, sagt Bernhard.

Sein tierischer Einsatz wirkt sich zudem positiv auf Sozialverhalten, Emotionalität, Motivation, Kommunikation, Selbstwahrnehmung und Selbstbewusstsein aus. Schüler mit Behinderung, die entsprechend einen besonderen Förderbedarf haben, profitieren enorm von Römer. Sie trauen sich beispielsweise mehr zu, nachdem sie erlebt haben, dass der Hund ihren erlernten Kommandos gehorcht.

Römers Nase findet seine Belohnungen an jedem Ort

Sitzkreis auf dem Boden: Kristina Bernhard und ihre Klasse haben Römer in die Mitte genommen. Reihum würfeln sie und sollen die Augen addieren. Hier wirkt der Hund motivierend. Als Belohnung dürfen die Kinder bei jeder Lösung ein Stück Fleischwurst verfüttern. Mal aus der Hand, mal gut versteckt – Römers Nase findet seine Belohnungen selbst an Stellen, an denen sie nicht mal der Schimmel finden würde.

Nach der Würfelrunde geht es an die Tische. Für Thoren (7) steht eine Leseübung, für Simon (7) eine Schreibübung, für Jayson (6) Sprachtraining am Computer auf dem individuellen Wochenplan. Römer kümmert das nicht. Er streift ein wenig durch die Klasse, schnüffelt an Tornistern, holt sich ein paar Streicheleinheiten ab, legt sich wieder in die Sonne. Bis die Klingel die Schulstunde beendet. Draußen auf dem Schulhof wird Fußball gespielt. Pause. Auch für den Hund.

Daniel Duhr

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