Technische Betriebe Velbert bohren nach Bergbauschächten

Nicht ganz einfach zu erkennen: Hier arbeitet sich der Bohrer in den Untergrund, das Wasser spült Material nach oben.
Nicht ganz einfach zu erkennen: Hier arbeitet sich der Bohrer in den Untergrund, das Wasser spült Material nach oben.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Weil eventuell Luftschächte aus dem Bergbau unter der von-Behring-Straße liegen könnten, müssen die Technischen Betriebe Velbert dort Erkundungsbohrungen durchführen lassen.

Velbert..  Schon von Weitem ist das grüne Ungetüm zu sehen, das da an der von-Behring-Straße steht. Auf Ketten, ein meterhohes Gestell vorne, es quietscht und brummt, Wasser sprudelt aus einem Auslass. Gebohrt wird hier, alle sechs Meter, bis zu 26 Meter tief. „Das muss leider sein“, sagt Wolfgang Schulz von den Technischen Betrieben Velbert (TBV), die die Bohrung veranlasst haben. „Wir haben die Erkenntnis erlangt, dass dieser Abschnitt der Straße im Einflussbereich von Luftschächten aus dem Bergbau liegen könnte.“ Könnte, betont Schulz ausführlich. „Deswegen müssen wir schauen, ob alles sicher ist.“ Und so wird gebohrt.

Mit gelber Farbe sind die Stellen markiert, an denen das Ungetüm das Metallgestänge in den Untergrund drücken wird. Mal auf dem Gehsteig, mal auf einem Parkplatz. Zwei Meter lang ist so ein Einzelteil, aus dem das Bohrgestänge nach und nach zusammengesetzt wird.

Daten sammeln für den Gutachter

Viel zu schleppen für Dennis Voss und Martin Wolf, die beiden Arbeiter, die sich um die Maschine kümmern. „25 Kilo wiegt so ein Teil“, sagt Wolf, 52, Schnäuzer, BVB-Logo auf dem Schutzhelm. Der Dortmunder ist ein alter Hase, seit 17 Jahren bei der Bohrfirma, davor 20 Jahre unter Tage. „Klar bringt mir diese Zeit was“, sagt er. „Von den Erfahrungen profitiere ich jetzt.“

Rund um das Bohrloch – Durchmesser vielleicht 20 Zentimeter – haben die beiden ein hölzernes Viereck aufgebaut. Fast wie ein Sandkasten sieht das aus. Hier läuft das Wasser rein, das durch das innen hohle Bohrgestänge nach oben befördert wird. Geröll, Kies, Erde – all das bleibt in dem Holzviereck hängen, das Wasser läuft unten ab. „Anhand des Materials können wir erkennen, was sich dort unten befindet“, erläutert Dennis Voss, 23, auch BVB-Fan. Der Hertener bedient die meiste Zeit die Maschine, macht sich fortwährend Notizen. „Die Bohrfirma muss Daten sammeln, etwa ein Schichtenverzeichnis anlegen“, erläutert TBV-Mann Wolfgang Schulz. Später bekommt ein Gutachter diese Daten, anhand der Ergebnisse erstellt der dann einen Bericht. „Den erwarten wir gegen Ende Juni, Anfang Juli“, sagt Schulz.

Derweil bekommen die beiden Arbeiter eine unfreiwillige Dusche ab: Beim Einschrauben des nächsten Bohrgestänges bläst eine Windböe das auslaufende Wasser auf die beiden. Wolf lacht. „Besser jetzt, als im Winter.“ Mittlerweile läuft das Wasser nicht mehr aus dem Auslass an der Seite, sondern kommt direkt aus dem Bohrloch. Schwarz ist es. Aber es läuft. „Wenn kein Wasser mehr hochkommt, könnte das ein Schacht sein“, sagt Wolf.

Laut Plan soll Montag alles fertig sein

Doch bei diesem Bohrloch finden Martin Wolf und Dennis Voss keinen Schacht – obwohl irgendwann, bei etwa 22 Metern, kein Wasser mehr nach oben sprudelt. „Da ist aber eine Erdschicht, da versickert das Wasser“, sagt Wolf, nachdem er den Bohrer mehrfach auf und ab gefahren hat. Doch woran erkennt der Bohrgeräteführer – so die offizielle Bezeichnung –, wann er auf einen Schacht gestoßen ist? „Wenn etwa Ziegelstein oder ähnliches hochkommt, weist das auf Füllmaterial hin, was im Bergbau oft verwendet wurde“, erläutert Wolf.

Etwa eine Stunde hat die Bohrung gedauert, nun geht es weiter zum nächsten Loch. Doch vorher muss das Gestänge aus der Erde. Stück für Stück, Zwei-Meter-Stange für Zwei-Meter-Stange.

„Wenn alles nach Plan läuft, sind wir Montag an der von-Behring-Straße fertig“, sagt Wolfgang Schulz von den TBV. „Es kann natürlich sein, dass die Bohrfirma dann noch aufräumen muss.“ Zuvor war schon auf Privatgrundstücken gebohrt worden. „Und um die Anwohner zu beruhigen: Was wir dort machen, ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Absenkungen hat es noch nicht gegeben.“

Spannend dürften die Arbeiten auch für die Kinder aus der angrenzenden Kita sein – denn viele wollten lieber Dennis Voss und Martin Wolf zuschauen, als bei Mama ins Auto zu steigen.