Taxibus-Linie in Velbert wird auf Vorkasse umgestellt

Die Menge der Fahrten und die der Fahrgäste ist zwar über die Jahre zurückgegangen, aber nach VGV-Angaben gibt es auf dem Linienweg T 1 doch so einige Stammkunden: Senioren, Berufspendler und Schüler.
Die Menge der Fahrten und die der Fahrgäste ist zwar über die Jahre zurückgegangen, aber nach VGV-Angaben gibt es auf dem Linienweg T 1 doch so einige Stammkunden: Senioren, Berufspendler und Schüler.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
VGV will Aufschläge von Unternehmen in „exorbitanter Form“ nicht hinnehmen. Also heißt es künftig wohl: Der Kunde bestellt und bezahlt privat. Danach gibt’s gegen Quittung das Geld zurück. Probelauf soll im Sommer beginnen.

Die Verkehrsgesellschaft der Stadt Velbert (VGV) geht – pardon: fährt – künftig völlig neue Wege. Ein durch und durch VGV-spezifisches Angebot außerhalb des VRR-Tarifs und sämtlicher Regularien dieses Verkehrsverbundes: Die Taxibus-Linie 1 soll nämlich voraussichtlich ab dem nächsten Sommer auf Vorkasse umgestellt werden. Das Ganze ist zunächst mal als sechsmonatiger Probelauf angelegt.

Allerdings geschieht diese Umstellung, für die VGV-Geschäftsführer Jochen Bellingkrodt bereits die politische Unterstützung des BZA-Mitte und des Umwelt- und Planungsausschusses hat – am 24. Februar entscheidet abschließend der Haupt- und Finanzausschuss –, nicht aus freien Stücken. Es geht ums liebe Geld, geht darum, beträchtliche Mehrausgaben zu umschiffen.

EVAG hatte Betrieb eingestellt

Zur Vorgeschichte: Zunächst hatte die Essener EVAG den Betrieb ihres 171er auf Velberter Stadtgebiet eingestellt. Die Linie sei unwirtschaftlich und die Nachfrage einfach zu gering, hieß es damals. Als „Nachfolgeprodukt“ startete die VGV, um das Wohngebiet Hefel nicht gänzlich vom ÖPNV abzuhängen, im August 2010 die Taxibus-Linie. Mit einem festen Fahrplan wie bei einem „normalen“ Bus, zum jeweiligen VRR-Tarif ohne Aufpreis. Allerdings mit dem Unterschied, dass Fahrgäste mindestens 30 Minuten vorher anrufen und sich „anmelden“ müssen.

23,10 statt bisher 6,40 Euro

Der Heiligenhauser Taxi-Unternehmer, der diese Strecke mit den lediglich drei Haltestellen Bernsmühle/Haus Stolberg/Moltkeplatz seither im VGV-Auftrag bedient und dafür jeweils netto 6,40 Euro als Ausgleich bekommen hat, hat seinen Vertrag zum Jahresende 2014 gekündigt. Aus wirtschaftlichen Gründen. Der Unternehmer habe ja lange Anfahrten, zudem habe er vergeblich „auf die Ausweitung des Produktes“, mithin die Beauftragung für weitere T-Linien, gehofft, erzählt Jochen Bellingkrodt, und das durchaus verständnisvoll.

Ein von dem Heiligenhauser neu unterbreitetes Angebot zwecks Weiterführung der Leistungen ab Januar 2015 belief sich laut VGV dann auf 15 Euro. Ein örtliches Zweitangebot über 12 Euro sei später wieder zurückgezogen worden, und ein Dritt-Anbieter habe gar 23,10 Euro verlangt, berichtet Bellingkrodt.

Der VGV-Chef schlägt nun vor, dass die Fahrgäste, wohlgemerkt im Rahmen des Linienweges und auch Fahrplans, „ihr“ Taxi auf privater Basis bestellen, zunächst selbst bezahlen und sich das gegen Quittung von der VGV erstatten lassen. Das gäb’s dann, bedingt durch die kreisweit beschlossene Taxi-Preiserhöhung, demnächst für lediglich etwa 7 Euro.

„Ich weiß um die Schwierigkeiten für die Fahrgäste“, sagt Bellingkrodt zu dieser Vorfinanzierung. „Aber soll ich da gar nicht mehr fahren oder aus öffentlichen Geldern überhöhte Tarife bezahlen?“ Die VGV würde ja auch Aufschläge hinnehmen, „aber nicht in solch exorbitanter Form“.

Vorerst muss die Gesellschaft allerdings notgedrungen den Heiligenhauser für 15 Euro einsetzen. Denn bis die Bezirksregierung die VGV davon entbindet, ist sie noch Konzessionsinhaberin, hat somit die Beförderungspflicht und muss den Verkehr aufrechterhalten. Immerhin gut für die „Stammkunden“, die es gesunkenen Zahlen zum Trotz, laut Bellingkrodt gibt. Er zählt dazu „ältere Bürger, Berufspendler und die Schüler“.