Taschengeld mal selbst verdient
08.10.2012 | 17:28 Uhr 2012-10-08T17:28:00+0200
Langenberg. Das Taschengeld mal selber verdienen: Auf dem Flohmarkt ist das noch mehr Spaß als Arbeit. Eine heile Welt aber ist der Kindertrödel auch nicht mehr. Mancher muss sogar Lehrgeld zahlen.
„Ich glaub‘ 15,70 Euro hab‘ ich bis jetzt“, Christian stand gleich oben an der Hauptstraße, gerade noch so, dass er schon zum „Kinderflohmarkt“ zählen durfte. Denn der hat seinen eigenen Platz beim beliebten Langenberger Trödelmarkt: Die obere Hellerstraße. Und Kinder waren zahlreich erschienen. Der achtjährige Christian aus Essen hat schon oft getrödelt und bessert sein Taschengeld damit auf. „Es macht auch Spaß“, räumt er ein. Aber letztlich spart er damit auf eine „Löwenritter-Burg“.
Gleich oben in der Kindergasse sitzen Tamara (11 J.) und ihre vier Freundinnen. Die Fünf spielen gemeinsam Fußball. Vom Geld wollen sie Shoppen gehen. Die junge Händlerin erklärt, wie der Kinderflohmarkt funktioniert: „Wir zahlen zu Beginn fünf Euro. Wenn wir den Platz ordentlich und sauber verlassen, gibt’s zwei Euro zurück.“
Gegenüber stehen Dzenis (12 J.) und Colin (9 J.). Beide sind zum zweiten Mal dabei. Dzenis hat mittags bereits 95 Euro verdient. Das neue Handy, für das er spart, ist in greifbare Nähe gerückt. Doch wer glaubt, dass der Kindertrödel eine heile Welt sei, irrt. Kurz zuvor hat ein älterer Mann Colin abgezockt. Für zwei Fußballbilder gab er 20 Cent. Er unterhält sich noch kurz und weist den Jungen dann darauf hin, dass er noch Wechselgeld zu bekommen habe. Er habe ihm 50 Cent gegeben. Kein großer Betrag, aber jetzt nicht mehr nachvollziehbar, obwohl gleich drei Leute drum herum auch nur das 20-Cent-Stück gesehen hatten. Colin gibt nach – und zahlt drauf.
Lernen, mit Geld umzugehen
Für Mutter Petra Hillemacher ein Grund, den Kindern nicht allzu Wertvolles mitzugeben. Doch es gäbe mehr nette Kunden. Trotzdem sei es eben auch ein Erfahrungsfeld. Die Kinder lernten mit Geld umzugehen, sähen wie Handel funktioniere und gleichzeitig leerten sich die Kinderzimmer um Dinge, mit denen keiner mehr spielen wolle. Alle Klein-Händler beherrschen das Kopfrechnen, tragen ihr Geld am Körper. Kinderbücher, Figuren, Puppen, Pokemon- und Yu-Gi-Oh- sowie Fußballbilder, Stofftiere, Spiele aber auch Kinderkleidung und -schuhe wechseln die Besitzer.
Raphael ist Vollprofi unter den Händler. Jemand interessiert sich für seine Schuhe, die Größe weiß der 13-jährige gerade nicht: „Dann nehmen Sie sie doch für einen Euro mit, da können Sie nichts falsch machen.“ Und tatsächlich, der Handel ist perfekt. Dann verrät er, dass er den Preis immer höher ansetze, als er tatsächlich dafür haben wolle. „Bei fünf Euro sag ich sieben, wenn ich zwei Euro will, zweifünfzig.“ Außerdem schaut er vorher, was die Sachen bei Ebay Wert sind. Und den Neupreis nennt er auch immer gleich mit, damit die Käufer wissen, wie viel sie bei ihm sparen. „Man darf auch nicht locker lassen.“ Zwei Decken weiter verkauft Robin Exotisches: Minibiester, Insekten in Plexiglas. Der Elfjährige spricht die Leute direkt an. Er ist das erste Mal dabei, doch davon ist nichts zu merken: „Den Tipp hab ich von meinem Freund.“ Und zeigt er auf Raphael.
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