Stuttgarter Philharmoniker gastierten im Velberter Forum

In zweifacher Funktion gefordert: Christian Zacharias und die Stuttgarter Philharmoniker im Forum Niederberg.
In zweifacher Funktion gefordert: Christian Zacharias und die Stuttgarter Philharmoniker im Forum Niederberg.
Foto: André Duhme
Was wir bereits wissen
Zusammen mit den Stuttgarter Philharmonikern interpretierte Christian Zacharias als Pianist und Dirigent im Velberter Forum Niederberg luftigen Mozart und dramatischen Bruckner.

Velbert..  Ein exzellent musiziertes Sinfoniekonzert lieferten am Sonntagabend die Stuttgarter Philharmoniker und Christian Zacharias im Forum Niederberg ab. Besonderes Schmankerl: Im ersten Teil diente Zacharias nicht nur als Taktgeber, sondern gleichzeitig als Solist in Wolfgang Amadeus Mozarts Konzert für Klavier und Orchester D-Dur KV 537, dem ersten Krönungskonzert.

Hohe Disziplin und Aufmerksamkeit

Zacharias, ursprünglich als Pianist international bekannt geworden, hat sich längst auch als Dirigent einen guten Ruf erworben – nun bewies er, dass auch beides zusammen wunderbar funktioniert. Entspannt, aber nicht spannungslos spielten die Stuttgarter die Einleitung, vom Dirigenten mit Schwung angestoßen, bevor dieser am Flügel Platz nahm, der zu diesem Zweck zwischen den Streichern platziert war statt wie sonst eher vor dem Orchester. Die Philharmoniker wiederum begleiteten hochdiszipliniert, aufmerksam und geradezu kammermusikalisch.

Sehr schön gelangen die dynamischen Abstufungen, zunächst vom Klavier vorgestellt, dann vom Orchester sekundiert, und selbst Tempowechsel waren kein Problem, selbst wenn Zacharias gerade beide Hände auf den Tasten hatte. Exemplarisch für diese beispielhafte Mozart-Interpretation stand der zweite Satz, das Larghetto: Zacharias stellte das innige Thema verträumt und zart vor, bevor die Stuttgarter es mit eigenem Gestus übernahmen. Hut ab vor dem ersten Fagott, dass seine prägnanten Liegetöne so leise und fein spielte, das sie einem Pinselstrich glichen, der ein Gemälde abrundet.

Mit Anton Bruckners Sinfonie Nr. 2 c-Moll, bisweilen Pausensinfonie genannt, stand zwar nach der Pause ein weiterer Österreicher auf dem Programm, aber viel größer hätte der Kontrast nicht sein können: von Mozarts luftiger Klassik zu Bruckners dramatischer Romantik, jedoch mit dem verbindenden Element klar voneinander abgegrenzten Stimmgruppen. Hier konnten die Stuttgarter Philharmoniker ihre ganze Klasse ausspielen: So musizierten beispielsweise die Streicher in ihren einzelnen Stimmen unglaublich homogen, jeweils solide geführt und von Zacharias – auch jetzt ohne Taktstock – zu einem Ganzen zusammengefügt. Wunderbar unter anderem das thematische Wechselspiel zwischen ersten Geigen und Bratschen, die präzise zusammen absolvierten Pizzicato-Passagen oder das Durchreichen eines Themas durchs ganze Orchester.

Bei den Bläsern glänzte insbesondere die erste Oboe mit musikantischer Spielfreude, ergänzt um die schöne runde Klangfarbe der ersten Flöte. Formidabel aufgelegt auch das erste Horn, das seine exponierten Stellen mit Bravour spielte.

Das Publikum zeigte sich rundum begeistert und dankte mit lang anhaltendem Applaus.