Start zur Sanierung des Doms in Neviges verzögert sich

Das Dach des Mariendoms ist an einigen Stellen undicht und muss saniert werden.
Das Dach des Mariendoms ist an einigen Stellen undicht und muss saniert werden.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die dringend nötige Dachsanierung des Mariendoms verzögert sich. Grund sind Vorarbeiten der Technischen Hochschule Aachen, die noch nicht abgeschlossen sind.

Neviges..  Zuerst die gute Nachricht: Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beteiligt sich mit einer Finanzspritze in Höhe von 200 000 Euro an der dringend nötigen Sanierung des Domdaches. Die schlechte: Die Arbeiten beginnen später als geplant. „Wir hatten Anfang Mai ins Auge gefasst, doch das ist leider nicht möglich“, erklärt Erzdiözesanbaumeister Martin Struck aus Köln auf Nachfrage.

Vorarbeiten noch nicht fertig

Grund: Die nötigen Vorarbeiten des Instituts für Bauforschung IBAC der Technischen Hochschule Aachen sind noch nicht abgeschlossen.

Der 1968 geweihte Dom ist ein ebenso eindrucksvoll wie kompliziert gestalteter Sakralbau: Das zeltartige Dach und die Wände sind aus einem Guss und stützen sich gegenseitig. 2700 Quadratmeter misst allein das Dach der zweitgrößten Kirche nördlich der Alpen. Zwar ist das Dach nur an einigen Stellen undicht, aber aufgrund der Konstruktion kann es nicht einfach nur geflickt werden: Die Erneuerung muss aus einem Guss erfolgen. In Frage kommen da nur spezielle Baufirmen, die sich mit der Anwendung von kohlefaserverstärktem Spritzbeton auskennen. Es soll ein neuartiges Verfahren angewandt werden, das auch bei der Brückensanierung bekannt ist, erklärte der Erzdiözesanbaumeister.

Um diesen speziellen, feuchtigkeitsabweisenden Spritzbeton zu finden, stellen die Experten der Technischen Hochschule immer wieder diverse Material-Muster her und untersuchen sie, dabei wird der Stoff auch unter Stress gesetzt: Unter Laborbedingungen malträtieren Blitz, Regen und Frost die Muster, bis sich der am meisten geeignete Spritzbeton herauskristallisiert. Und all diese Arbeiten dauern jetzt länger als erwartet.

Mitarbeiter des Instituts für Bauforschung IBAC der Technischen Hochschule Aachen waren es auch, die die feinen Spannungsrisse in der zeltdachartigen Konstruktion einst entdeckt hatten. Festgestellt wurden Rissweiten von 0,01 bis 0,5 Millimeter, durch die seit Jahren Feuchtigkeit in das Innere des Domes dringt. Wann genau der Startschuss für die Sanierung fällt, ist zurzeit noch ungewiss – und damit auch die Frage, ob die Arbeiten, wie einst geplant, noch in diesem Jahr beendet werden können.

Ungewisser Zeitplan

Dom-Erbauer Gottfried Böhm, der am 23. Januar diesen Jahres seinen 95. Geburtstag feierte, ist bisher der einzige deutsche Architekt, der mit dem angesehenen Pritzker-Preis ausgezeichnet wurde. International bekannt wurde Böhm durch seine kristallinen Betonfelsen. Als Höhepunkt dieser Arbeiten gilt der 1966 bis 1968 erbaute Mariendom zu Neviges.