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Live-Konzert

Standleitung nach Krapinske

18.12.2009 | 17:45 Uhr
Standleitung nach Krapinske

Velbert. Die Hardenbergschule gab ein Live-Konzert. Das Besondere: Die Musik wurde per Internet nach Kroatien übertragen.

Die Aula der Hardenbergschule füllt sich allmählich. Immer wieder rennen vereinzelte Schüler zur kleinen Webcam, die auf einem Laptop angebracht ist, und winken wild. Die Antwort auf der Leinwand lässt nicht lange auf sich warten. Denn dort ist das Live-Bild der Klasse einer Krankenhauschule in Kroatien zu sehen. Der Computer-Kurs von Karsten Schillies konferiert jede Woche mit dem Nachwuchs aus Krapinske Toplice.

Doch an diesem Tag wartet etwas ganz Besonderes auf die erkrankten Schüler vom Balkan. Die fünfte, siebte und zehnte Jahrgangsstufe der Hardenbergschule haben ein einstündiges Konzert auf die Beine gestellt, das live in den Klassenraum nach Kroatien übertragen wird.

Die Fünftklässler sind zuerst dran. Die Nervosität ist ihnen anzumerken. Schließlich sind sie noch nie „im Fernsehen” und gleichzeitig vor so vielen Leuten aufgetreten. Bevor die Musik ertönt, stehen sie noch ganz schüchtern auf der Bühne. Doch dann ändert sich das Bild. Kaum legt die Band los, sind auch die Sänger in ihrem Element. Selbst der Hüftschwung fehlt bei Beyoncés „Hallo” nicht.

Spätestens da sprang auch der Funke nach Kroatien über. Während die meisten Schüler rhythmisch klatschen, schwenkt im Hintergrund Igor lässig seinen Kopf auf und ab. Der Jugendliche ist schwer behindert und hat sich auf diesen Tag enorm gefreut, wie sein Lehrer Anton Zunpanc berichtet: „He is very exited.”

Dass Igor überhaupt neue Bekannte in Deutschland machen konnte, verdanken er und seine Mitschüler gleich mehreren Zufällen. Bei einem internationalen Lehrer-Kongress der Vereinigung „innovative teachers” in Hongkong lernten sich sein Lehrer und Karsten Schillies kennen. „Doch der Kontakt verlief sich erstmal. Zumindest bis zum letzten Sommer.” Dann reiste der computerbegeisterte Pauker auf eine kroatische Insel, um dort seinen Urlaub zu verbringen. Unter mehr als vier Millionen Kroaten traf er dort ausgerechnet „Toni” Zupanc wieder. „Da kam uns dann die Idee. Wir haben bei uns schon vor einigen Jahren, das Englisch-Lernen via MSN-Messenger eingeführt.” Damals haben die Schule das in Kooperation mit Altersgenossen in Athen gemacht. „Und da ich in diesem Jahr den Computer-Kurs in der sieben bekam, dachte ich, wäre dies eine gute Chance, den Kids die ganzen Möglichkeiten des Instant Messengers aufzuzeigen.”

Seit Anfang dieses Schuljahres läuft nun die Zusammenarbeit der beiden Klassen. „Teilweise wird mit Händen und Füßen kommuniziert, da die kroatischen Kinder nahezu kein Englisch sprechen”, erklärt Lehrer Carsten Schillies. Ein zweiter Zufall sei dann vonnöten gewesen, damit das Konzert zustande kommen konnte. Vom Nachbarraum drang immer wieder Musik zum Computerkurs. Nebenan übte gerade Klaus Weikamp mit seinen Schülern einige Stücke für einen Bandcontest im Jugendzentrum Lessingstraße ein. „Da ja auch bald Weihnachten vor der Tür steht, dachten wir ein Live-Konzert wäre eine super Sache. Für meine Schüler ist das auch richtig gut. So haben sie vor ihrem Auftritt im Siepen auch noch eine Generalprobe vor Publikum hingelegt”, so Weikamp. Und geht es nach Igor, müsste die Kritik an diesem Tag heißen: „Generalprobe geglückt!”

Thorsten Miloszewski

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