Stadt Velbert will Verluste aus Franken-Geschäft minimieren

Auf rund 2,7 Millionen Euro beziffert die Stadt aktuell die Mehrbelastung, die durch die Auflösung der Wechselkursbindung des Schweizer Franken an den Euro entstanden ist.
Auf rund 2,7 Millionen Euro beziffert die Stadt aktuell die Mehrbelastung, die durch die Auflösung der Wechselkursbindung des Schweizer Franken an den Euro entstanden ist.
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Was wir bereits wissen
Der Stadt Velbert entstehen durch Geschäfte in Schweizer Franken mehr Kosten. Fragen rund um diesen Themenkomplex beantwortet Stadtsprecher Hans-Joachim Blißenbach.

Velbert..  Nachdem bekannt wurde, dass auch auf den Velberter Haushalt durch die Entscheidung der Schweizer Nationalbank, die Wechselkursbindung des Franken (CHF) an den Euro aufzuheben, eine Mehrbelastung zukommt, haben sich bei vielen Bürgern Fragen ergeben. Die WAZ hat Fragen und die Antworten von Stadtsprecher Hans-Joachim Blißenbach zusammengefasst:

Wenn der Franken aufgewertet wurde, müssen nicht nur höhere Zinsen bezahlt werden, sondern am Ende auch der Kredit mit einem Zuschlag. Sind diese Zahlen in den 2,7 Millionen enthalten? Oder kommt da noch mehr auf uns zu?

In den 2,7 Millionen Euro sind nur die sich auf das Jahresergebnis auswirkende Mehraufwendungen enthalten. Ein Mehrbedarf an Liquidität wäre bei einem angenommenen 1:1 Kurs wie folgt notwendig: Beim CHF-Kredit würde dies ein Mehr bei der Tilgung von jährlich ca. 250 000 Euro bis 2018 bedeuten sowie rund 62 000 Euro in 2019 sowie rund 32 800 Euro aus der restlichen Zinslast. Die Swaps würden die Liquidität jährlich durchschnittlich mit 270 000 Euro – insgesamt bis zum Laufzeitende 2025 mit rund 2,6 Millionen Euro – mehr belasten.

Da es keinen festen Wechselkurs mehr gibt, sind die von der Stadt Velbert genannte Zahlen nur Annahmen. Es kann auch weit schlimmer kommen, richtig?

Um den Schaden gering zu halten, werden voraussichtlich im Haushaltsplan für die folgenden Jahre die Mittel auf der Grundlage eines angenommenen 1:1 Kurs veranschlagt. Die Entscheidung über eine Rückstellung aus Wechselkursverlusten wird im noch aufzustellenden Jahresabschluss 2014 fallen.

Wie hoch sind die Kredite im Vergleich zu den Gesamtschulden?

Der Anteil dieser Verbindlichkeiten beträgt an den Gesamtverbindlichkeiten aus Krediten knapp 4 Prozent.

Welche Risikopapiere gibt es noch?

Die Stadt Velbert hat keine weiteren Risikopapiere.

Rund drei Millionen gespart

Seit wann laufen die Kredite und wie viel Zinszahlung wurde dadurch bisher erspart (was den Schaden verringert)?

Der CHF-Kredit wurde 2004 aufgenommen. Im Vergleich zum Ratenkredit in Euro beträgt die Zinsersparnis insgesamt rund 1,8 Millionen Euro. Die Swapabschlüsse erfolgten im Dezember 2001. Verglichen mit einer fiktiven Berechnung nach dem Break-Even-Kurs wurde bis zum aktuellen Bilanzstichtag eine Einsparung von insgesamt rund 1,15 Millionen Euro erzielt.

Anmerkung der Redaktion: Break-Even ist der Moment, ab dem der Zinsvorteil weg ist. Anders gesagt: Dann hat sich das Niveau angeglichen, es wird draufgezahlt. Beim Abschluss des Geschäfts hat sich rein rechnerisch das Geschäft gelohnt. Der Zinsvorteil lag oberhalb der „Absicherungsprämien“ (Kosten für die Swaps). Allerdings steigen diese bei zunehmenden Marktschwankungen rapide. Eine höhere Versicherungsprämie schmälert also den Zinsvorteil schneller. Der Deal wirkt unattraktiv.

Das sind SWAPSund Derivate

Als Swapgeschäft (von englisch: to swap, austauschen) wird ganz allgemein ein Austauschgeschäft bezeichnet. „Swap“ stellt im wirtschaftlichen Sinne einen Sammelbegriff für derivative Finanzinstrumente dar, deren Gemeinsamkeit ein Austausch von zukünftigen Zahlungsströmen (Cash Flows) ist. Mit Swaps können Zahlungsströme fast beliebiger Natur getauscht werden. Dadurch können gezielt finanzielle Risiken in der Finanzierung, Bilanzstruktur oder Absicherung eines Portfolios optimiert werden.

Ein Derivat ist ein gegenseitiger Vertrag, der seinen wirtschaftlichen Wert vom beizulegenden Zeitwert einer marktbezogenen Referenzgröße ableitet. Die Referenzgröße wird als Basiswert bezeichnet. Basiswerte können Wertpapiere (Aktien, Anleihen usw.), finanzielle Kennzahlen (Zinssätze, Indices, Bonitätsratings usw.) oder Handelsgegenstände (Rohstoffe, Devisen usw.) sein.
Quellen: Wikipedia, Bundesbank