Stadt Velbert setzt Glücksspiel Grenzen

Immer mehr Spielsüchtige suchen Hilfe bei Beratungsstellen – darunter immer mehr Jugendliche.
Immer mehr Spielsüchtige suchen Hilfe bei Beratungsstellen – darunter immer mehr Jugendliche.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Immer mehr Menschen nehmen eine Beratung wegen Spielsucht in Anspruch. Weil auch Jugendliche betroffen sind, wird Prävention gefordert.

Am Anfang steht meist der Besuch einer Spielhalle, ein wenig Glück beim Internet-Poker oder der richtige Tipp im Wettbüro. Sind dann erstmal ein paar Euro gewonnen, droht nicht wenigen die Spielsucht. Schließlich ist es nicht immer leicht, dem nächsten Versuch zu widerstehen, ein wenig Geld zu gewinnen. Das gilt besonders bei einem reichlichen Angebot an Spielhallen, wie es Velbert zu bieten hat: Insgesamt 15 Spielhallen werden derzeit betrieben, außerdem 284 Spielgeräte – insgesamt mehr als doppelt so viele wie noch 2006.

„Zu Beginn dient das Glücksspiel oft nur als Freizeitbeschäftigung“, erklärt Rolf Pfänder von der Fachstelle Sucht der Bergischen Diakonie in Velbert. „Problematisch wird es, wenn die Menschen in Spielhallen gehen, um abzuschalten und Probleme zu verdrängen.“ Wird das gelegentliche Spiel dann zur Sucht, folgen weitere Probleme, vor allem finanzielle Sorgen bleiben nicht aus. Immer mehr Velberter geraten in diese Situation, so jedenfalls der Eindruck der Beratungsstelle: Wurden dort im letzten Jahr noch 54 Klienten betreut, waren es in diesem Jahr bereits 34. „Zu den älteren Spielsüchtigen sind die Jüngeren hinzugekommen“, so Sandra Heinsch von der Bergischen Diakonie.

Das Problem aktiv bearbeiten

Einen Grund sieht Pfänder in einem wachsenden Bedürfnis der Menschen nach Entspannung. „Es gibt einen gesellschaftlichen Trend, den die Glücksspiel-Industrie nutzt und fördert“, so Pfänder. Doch auch die Städte profitieren von dieser Entwicklung: 1,2 Millionen Euro betrugen die Steuereinnahmen im vergangenen Jahr. Dennoch soll der stetigen Zunahme an Spielhallen nun Einhalt geboten werden: Neue Vergnügungsstätten dürfen nur im Bereich der Friedrichstraße zwischen Sternbergstraße und Am weißen Stein sowie im Bereich der Heiligenhauserstraße zwischen Hebbelstraße und A 44 eröffnet werden. Bestehende dürfen jedoch bleiben, so lange deren Konzessionen bestehen. Doch Heinsch sieht noch weiteren Handlungsbedarf: „Auch minderjährige Jugendliche kommen manchmal in die Spielhallen hinein“, so ihre Erfahrung. Dabei sind gerade sie besonders gefährdet: „Sie kommen leicht über ältere Geschwister und Freunde in Kontakt mit Glücksspielen“, so Heinsch, gerade Sportwetten und Poker seien unter Jugendlichen ein Thema. Die Diplom-Pädagogin setzt deshalb vor allem auf Prävention. Doch auch, wenn Vorbeugung zu spät kommt, ist Hilfe möglich: Die Beratungsstelle der Bergischen Diakonie bietet umfassende Unterstützung: „Am wichtigsten ist, sein Problem zu erkennen, und aktiv zu bearbeiten“, so Pfänder.