So lernen Zuwandererkinder Deutsch in Velbert

Lehrerin Angelika Blechinger mit ihrer Klasse: 19 Kinder aus neun Nationen unterrichtet sie hier. Der jüngste Schüler ist zwölf, der älteste wird 18.
Lehrerin Angelika Blechinger mit ihrer Klasse: 19 Kinder aus neun Nationen unterrichtet sie hier. Der jüngste Schüler ist zwölf, der älteste wird 18.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
In der Klasse von Angelika Blechinger an der Velberter Martin-Luther-King-Schule lernen 19 Schüler Deutsch. Sie sollen fit gemacht werden für den regulären Unterricht.

Velbert..  Vier Jungen und drei Mädchen aus Polen, ein Mädchen aus Rumänien, zwei Italienerinnen, zwei Griechen und eine Griechin, ein Junge aus der Türkei, einer aus Afghanistan und einer aus Serbien, zwei Mädchen aus Pakistan und eine Marokkanerin, die aber auch schon lange in Spanien gelebt hat.

Das ist die Klasse von Angelika Blechinger an der Martin-Luther-King-Schule. Diese Kinder und Jugendlichen – das jüngste ist zwölf, der älteste wird 18 – sind hier, weil sie Deutsch lernen müssen. Sie sind zugewandert oder nach Deutschland geflohen. Insgesamt gibt es an der Martin-Luther-King-Schule zwei solcher Klassen, Angelika Blechinger kümmert sich um die fortgeschrittenen Lerner, in der Nachbarklasse sind die Anfänger, also auch solche, die teilweise erst noch alphabetisiert werden müssen.

Im Unterricht geht es fröhlich zu, wenn Angelika Blechinger eine Frage stellt, gehen jede Menge Finger in die Höhe. Aber nicht zwingend, um eine Antwort zu geben: „Was bedeutet ,schimpfen’?“ fragt etwa Natalya. Eine Steilvorlage für Ali, der die Antwort weiß und erklären kann. Überhaupt ist Ali schon ziemlich gut, nur mit dem Melden vor dem Antworten hat er es nicht immer so. „Der Unterricht läuft eigentlich ausschließlich auf Deutsch“, sagt Lehrerin Angelika Blechinger, die sich seit 1988 um Kinder kümmert, die „unsere Sprache praktisch komplett neu erlernen müssen.“

Damals habe sie noch Pionierarbeit geleistet, Deutschbücher aus dem Französischen oder aus England übersetzt und für den eigenen Unterricht genutzt. „Heute sind die Materialien zwar sehr gut, für unseren Unterricht aber teilweise viel zu ausführlich.“ Weshalb sie die Übungen nach wie vor selbst zusammen stellen muss. Etwa das Hörspiel über die 16-jährige Nina.

Verstehen? Ja. Sprechen? Naja .

Hier sollen die Schüler ihr Hörverständnis schulen: „Das klappt eigentlich ganz gut“, meint Siham. Sie ist in Marokko geboren, spricht fließend marokkanisch – und spanisch, weil sie mit ihren Eltern lange in Südeuropa gelebt hat. Dass sie schon zwei Sprachen beherrscht, „hilft ein bisschen beim Lernen“, sagt sie, aber: „Verstehen ist einfacher als sprechen.“ „Und schreiben ist auch nicht so einfach“, ergänzen Chiara und Marta, die italienischen Zwillinge.

Bis zu den Zeugnissen hat die Klasse zusammen Unterricht gehabt, in allen Fächern bis auf Englisch. Jetzt, zum neuen Halbjahr, sind zwölf Schülerinnen und Schüler in ihre Regelklassen gewechselt. Ihre Deutschkentnisse sind nun gut genug, um am regulären Unterricht teilzunehmen.