Singen für die Seele

Vielfarbig europäisch: so präsentierte sich nicht nur der Europatag– sondern auch der Velberter Chortag.Foto:andré Duhme
Vielfarbig europäisch: so präsentierte sich nicht nur der Europatag– sondern auch der Velberter Chortag.Foto:andré Duhme
Beim 3. Velberter Chortag bieten zwölf Chöre mit am bundesweiten Tag der Musik ein abwechslungsreiches Programm unter freiem Himmel.

Velbert..  In blauen Musikschul-T-Shirts sitzen fast 60 Kinder der Singklassen der Velberter Grundschulen in der Hocke auf der Bühne vor dem BiLo und verstecken ihre Schöpfe in den verschränkten Armen. Dann erklingen die ersten Töne von Klavier und Akkordeon. Immer wieder schaut eins der Kinder auf, vergräbt den Kopf aber schnell wieder, andere wispern. Die ersten Liedzeilen des Urwaldsongs flüstern die Kinder mehr, als dass sie sie singen: „Schwarze Nacht, dunkler Klang.“

Die Tiere des Urwalds schlafen noch. Doch dann Affen-Gekreische, die Tiere wachen auf, beziehungsweise die Kinder stehen auf, recken ihre Arme in den Himmel und singen den Urwaldsong. Das machen sie so gut, dass die Zuschauer nach dem letzten geschmetterten „Urwald“ auf einer Zugabe bestehen, die die Nachwuchssänger prompt mit dem Lied „Die Sonne geht auf“ liefern.

Hymnen und Freiheitslieder

In den zwölf Chören sind alle Altersstufen vertreten, und ihre Programme begeistern mit ganz unterschiedlichen Musikstilen in mal besinnlicher, mal nachdenklicher oder heiterer Weise: „Recanto“ versetzt die Zuhörer mit zwei alten christlichen Hymnen in die Vergangenheit, präsentiert mit „Tears in Heaven“ und „Top of the World“ aber auch moderne Lieder. Der Frauenchor Neviges entführt das Publikum auf den afrikanischen Kontinent und bietet Freiheitslieder aus Südafrika sowie Gospel aus Ghana dar. „Contrapunkt“ stimmt Lieder in fünf Sprachen an (neben Deutsch: Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch) und greift damit die Idee des gleichzeitig stattfindenden Europatages auf. Viele Beiträge sind kirchlichen Ursprungs, aber auch Schlager („Wochenend und Sonnenschein“) und Popsongs wie „Love me tender“ von Elvis Presley oder „The Sound of Silence“ von Simon & Garfunkel stehen auf dem Programm.

So unterschiedlich das Repertoire der einzelnen Chöre ist, eines verbindet sie alle: die Freude am Singen. „Singen ist Leben“, sagt Silvia Strothenke, die bei Recanto mitsingt. „Singen ist Kultur und was für die Seele“, findet Stephan Lüdtke, der wie viele andere auch schon seit der Kindheit in einem Chor singt. Nachdem er sowohl Kinder- als auch Jugendchor durchlaufen hat, ist er nun Mitglied bei Recanto und Contrapunkt, die beide aus dem Jugendchor in St. Joseph hervorgegangen sind. Für den Chortag hat er seine private Technik zur Verfügung gestellt.

Viele schätzen außerdem die Gemeinschaft und den Zusammenhalt im Chor. „Es geht bei uns sehr herzlich zu“, erzählt Sylvia Massak vom Frauenchor Neviges. „Wir treffen uns auch abseits der Proben, feiern jeden Geburtstag.“