Senioren jäten Unkraut im verwilderten Stadtgarten

Diesen Gedenkstein haben hochbetagte Bürger von Unkraut freigeschnitten.
Diesen Gedenkstein haben hochbetagte Bürger von Unkraut freigeschnitten.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Nevigeser haben den Gedenkstein im Stadtgarten von Unkraut freigeschnitten. Die TBV wird das Grünzeug bald in Angriff nehmen, doch erst haben wichtigere Arbeiten zur Sicherheit der Bürger Vorrang.

Neviges..  Der Rasen: gepflegt und kurz geschnitten. Doch der Hang hinauf zur Tönisheider Straße ist ein kleiner Urwald. Es grünt so grün im Stadtgarten, das Unkraut wuchert und wächst wie verrückt, schlängelt sich gar durch die Gitter der Ruhebänke. Das allein empfindet Siegmar Jung schon „als Schande“. Was er letzte Woche beobachtet hat, gab dem Anwohner der Wilhelmstraße den Rest.

„Ein altes Ehepaar hat sich geplagt und bemüht, um zumindest den Gedenkstein frei zu schneiden. Das darf doch nicht sein“, empört sich Siegmar Jung. Die beiden Senioren, deren Namen er nicht nennen möchte, seien über 80 Jahre alt und hätten sich wahrlich abgeplagt, damit zumindest die Schrift auf dem Ehrenmal „Denen, die nicht heimkehrten“ wieder zu lesen ist. „Das ist ein Hammer hier. Das Klebkraut überwuchert alles.“

„Die Technischen Betriebe lassen das völlig vergammeln“, schimpft Siegmar Jung, den vor allem eines ärgert: „Gucken Sie mal am Bahnhof, da wird alles toll gemacht. Überall da, wo man was sieht und die Leute hinkommen.“

Mit dieser Einschätzung liegt Siegmar Jung sogar richtig – allerdings nicht, weil die Mitarbeiter der Technischen Betriebe keine Lust haben, sich um den Stadtgarten zu kümmern, sondern weil Sicherheit vorgeht. Wie es zurzeit im Stadtgarten aussehe „das ist schade, keine Frage“, räumt Tobias Schiffer, Leiter Geschäftsbereich öffentliches Grün, ein.

„Aber im Moment grünt und blüht es einfach an allen Ecken und Enden, das ist jedes Jahr das gleiche. Im Juni brennt es bei uns, da arbeiten wir alles nach Prioritäten ab.“ Ein zugewachsenes Ehrenmal sei zwar kein schöner Anblick, berge aber keine Gefahr. Bei einem dichten Busch oder bei Zweigen, die über den Gehweg ragen und sich zu Stolperfallen entwickeln können, sieht die Sache schon anders aus. Diese „Sichtbehinderungen durch das Straßenbegleitgrün“, so Tobias Schiffer, „stehen auf der Liste ganz oben: Aus- und Einfahrten werden freigeschnitten, höchste Priorität haben Schulwege. Alles, was in den Straßenbereich hineinwächst und die Sicht behindern könnte, wird entfernt.“

Jetzt in den Ferien sind zudem erst die Schulhöfe an der Reihe. Vergessen ist der Stadtgarten aber mitnichten, versichert Tobias Schiffer. Sobald Wichtigeres erledigt sei, werde man dem Unkraut zu Leibe rücken. Genug zu tun hat seine Abteilung allemal: 45 Mitarbeiter halten 606 Objekte mit 175 Hektar in Schuss. Und gerade jetzt, wenn alles wächst, stehen die Schulferien vor der Tür. „Dann muss ich eine Vielzahl von Mitarbeitern in den Urlaub schicken.“