Selektive Wahrnehmung

Am Samstag fuhr ich gut 60 Kilometer durch Langenberg. 60 Kilometer? So groß ist der Ortsteil doch wohl wirklich nicht. Doch, wenn man mit dem Bürgerbus drei Mal zum Hopscheid, zwei Mal zur Klippe und vier Mal zum Eickeshagen fährt. Dann kann man locker viereinhalb Stunden durch Langenberg und eben mehr als 60 Kilometer fahren. Und während ich mich überwiegend an diesem schönen Flecken erfreute, fuhr ich auch insgesamt drei Mal an einem Haus vorbei, vor dessen Eingang sich dunkle, mit Regen vollgesogene alte Pappkartons von Silvester stapelten. Vor den Mehrfamilienhäusern fühlt sich ja oft niemand für den Dreck zuständig, aber wenn dieser Müll so direkt vor dem eigenen Eingang liegt, dann müsste sich doch der Eigentümer oder Mieter angesprochen fühlen und den Unrat wegräumen. Nun, jedenfalls hab ich mich drei Mal und jetzt im Moment schon wieder – also zum fünften Male – darüber aufgeregt. Doch, ich kann rechnen. Das vierte Mal war, als ich meiner Freundin davon erzählte. Und die fragte mich, warum ich mich nicht viel mehr über die Straßen und Hauseingänge freue, die bereits wieder sauber seien und um die sich ihre Bewohner gekümmert hatten. Stimmt! Die meisten Straßen und Gassen sind wieder sauber. Und meine Wahrnehmung wurde auch bereinigt.