Seit 19 Jahren dem Bürgerbus treu

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Was wir bereits wissen
„Wenn es den Langenberger Bürgerbus nicht gäbe, käme ich gar nicht mehr vom Berg runter“, sagt Gertraud Gehrmann. Ihre Fahrscheine hat sie aufgehoben – alle 633, aus 19 Jahren!

Langenberg..  Genau 600 123 Fahrgäste bis zum 31. Dezember 2014, ziemlich genau 1 190 000 Kilometer seit der Jungfernfahrt am 11. November 1996, exakt 19 572 Fahrereinsätze in all den Jahren: Keine Frage – Statistiken werden gewissenhaft geführt beim Bürgerbus-Verein Langenberg. Über die Statistik, die Gertraud Gehrmann einem „ihrer“ Fahrer aber beinahe beiläufig lieferte, staunte aber selbst Bürgerbus-Vereinsvorsitzender Gerd Berker nicht schlecht...

„Den Bürgerbus habe ich seit dem ersten Tag genutzt – seitdem er damals als erstes Fahrzeug über die neu gebaute Querspange fahren durfte“, erinnerte sich die Langenbergerin, die auch noch weiß, wohin die erste Fahrt ging: „Ziel war damals der Eickeshagen“. Und dann erzählte sie dem Fahrer ganz nebenbei, dass sie die zurückliegenden 19 Jahre, die sie den Bürgerbus genutzt habe, auch Fahrt für Fahrt dokumentieren könne: „Ich habe alle Fahrscheine aufbewahrt – 633 Tickets insgesamt.“

Das Fahrgeld auf Heller und Pfennig nachgehalten

Und nicht nur das. Auf Heller und Pfennig, besser gesagt auf D-Mark und Euro hat Gertraud Gehrmann auch nachgehalten, was sie fürs Bürgerbusfahren ausgegeben hat. „Das waren vom 11. November 1996 bis zum 6. Dezember 2014 genau 428 D-Mark und exakt 3029 Euro“, nennt sie die Zahlen.

Seit Dezember 2012 fährt sie täglich

Was in den nackten Zahlen nicht erfasst ist, jedoch in ihrer Stimme mitschwingt: die Bedeutung, die der Bürgerbus in ihrem Leben hat. „Am Anfang bin ich nur ab und zu mal Bürgerbus gefahren“, blickt die Anwohnerin der Feldstraße zurück. Das aber habe sich im Laufe der Jahre geändert. „Seit Dezember 2012 nutze ich den Bus sehr intensiv, eigentlich täglich.“

Auf den Bürgerbus angewiesen

Vor allem seitdem sie in ihrem Schwerbehindertenausweis das „g“ für „gehbehindert“ aufgedruckt bekam, ist die Langenbergerin auf den Bürgerbus angewiesen. Und das wirklich existenziell, denn: „Ohne den Bürgerbus käme ich den Berg doch heute gar nicht mehr runter“, ist Gertraud Gehrmann überzeugt.

Zwei Fahrten – Tag für Tag

Täglich zweimal steigt die Seniorin heute in den Bürgerbus. „Am Morgen fahre ich in die Stadt hinunter, später dann wieder die Feldstraße hinaus“, berichtet sie. Und fügt mit einem Lachen hinzu: „Wenn ich morgens mal nicht an der Haltestelle stehe, dann werde ich schon vermisst.“ Was sie dazu gebracht habe, heute schon am Vortags Bescheid zu geben, wenn sie am nächsten Tag einmal nicht mitfahren wolle.

Eine Kundin der ersten Stunde

Dass sie mit 19 Fahrgast-Jahren tatsächlich eine „Kundin der ersten Stunde“ ist, freut natürlich auch Gerd Berker. „Vor allem, weil am Beispiel von Frau Gehrmann einmal deutlich wird, was der Bürgerbus und das Engagement seiner ehrenamtlichen Mitglieder, vor allem der Fahrerinnen und Fahrer, für die Langenberger bedeutet“, sagt der Vereinsvorsitzende. Für viele von ihnen, vor allem jene, die „auf dem Berg“ wohnen, bilde der Bürgerbus tatsächlich die einzige Möglichkeit, am Leben in der Stadt teilzunehmen, machte Berker deutlich, als er gestern am Froweinplatz Getraud Gehrmann mit einem Blumenstrauß überraschte.

Und vermutlich ist eben das auch einer der Gründe dafür, warum kein anderer Bürgerbus in Nordrhein-Westfalen so erfolgreich fährt wie der Langenberger.