Segelflugtag auf dem Wallmichrath

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Was wir bereits wissen
Mit einer großen Veranstaltung erinnert der Bergische Geschichtsverein Velbert-Hardenberg in der kommenden Woche an Langenbergs goldene Zeit als Mekka des Segelfliegens.

Langenberg..  Grüne Wiesen, sanfte Hügel. Ruhig und beschaulich liegen sie heute da, die Wallmichrather Höhen. In Vergessenheit ist geraten, dass dieses landschaftlich Idyll bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts die Kulisse für manch spektakuläre Hasardaktion bot. War doch der Wallmichrath ein Mekka der Segelflieger aus Nah und Fern, in den 1920-er bis 50-er Jahren, den Pioniertagen des Segelflugsports. Mit einem großen Segelflugtag will der Bergische Geschichtsverein am Samstag kommender Woche an diese glorreiche Ära erinnern, die Langenberg damals stolz in einem Werbeslogan verkündete: „Seide – Sender – Segelflug“.

Von Kupferdrehern „entdeckt“

Dabei gebührt die Ehre, Langenberg fürs Segelfliegen entdeckt zu haben, gar nicht den Senderstädtern selber. Mitglieder des in Essen-Kupferdreh beheimateten Segelflugvereins Ruhrtal waren es, die das Segelflug-Eldorado im Hügelland zwischen Langenberg und Neviges 1928 entdeckten.

Gestartet wurde mit dem Gummiseil

„Das Gelände war vor allem deshalb so geeignet, weil es dort einen sehr hohen Westhang gab, der beste Voraussetzungen für einen Gummiseilstart mit anschließendem Hangflug bot“, erläutert Jürgen Lohbeck, Autor des im Scala-Verlag Velbert erschienenen Buches „Seide – Sender – Segelflug“ (ISBN 978-3-9816362-1-5).

Autor ist selbst Segelflieger

Lohbeck, der den Segelflugtag gemeinsam mit der Vorsitzenden des Bergischen Geschichtsvereins Dr. Jutta Scheidsteger organisiert, weiß wovon er spricht: Jahrelang ging er selbst als Segelflieger regelmäßig in die Luft. Ihm ist es auch zu verdanken, dass den Besuchern am 18. April auf dem Wallmichrath ein ganz besonderes Erlebnis geboten werden kann: Vom Segelfugplatz Langenfeld organisierte er einen flugfähigen Segelschulgleiter „SG38“ aus dem Jahr 1938, den Besucher an diesem Tag aus nächster Nähe bestaunen können.

Am Anfang galt höchste Geheimhaltung

Dabei hat das Jahr 1938 besondere Bedeutung für Langenbergs Segelfluggeschichte. Fällt es doch in die Blütezeit des Wallmichrather Platzes, dessen Geschichte im September 1928 begann. Damals wurden „von den Ruhrtalern, trotz Geheimhaltung unter großer Aufmerksamkeit der Bevölkerung und auch der Presse, die ersten Flugversuche durchgeführt“, heißt es in einer Chronik, die auch jeder Besucher des Segelflugtages in der kommenden Woche erhält.

3000 Besucher kamen zum Wettflug

Na ja: An Geheimhaltung war schon bald nach Aufnahme des Flugbetriebes nicht mehr zu denken. In Scharen pilgerten nicht nur die Segelflieger, sondern auch die Zuschauer ins Wallmichrath, um Zeuge zu werden, wie zwei Mannschaften von je fünf bis acht Mann ein Gummiseil spannten und so Segelflugzeuge regelrecht den Hang hinunter ins Tal katapultierten. So wurden beispielsweise zu Pfingsten 1936 bei einem Wettbewerb 500 aktive Flieger gezählt, 3000 Besucher sollen damals zum Wallmichrath gepilgert sein.

1952 gab es den letzten Start

Dann aber kam der Krieg, wurde der Flugplatz ebenso wie der Segelflugsport für andere als friedliche Zwecke missbraucht, folgte nach der Kapitulation ein Flugverbot der Alliierten, das erst 1952 endete. Damals gab es dann den letzten Flug über den Wallmichrath: Mit Motorfliegern als Schleppflugzeugen und Windenstarts hatte Langenbergs alter Gummiseil-Flugplatz ausgedient.