Schwierige Rettungseinsätze am Velberter Stadtrand

Schnell vor Ort sein, das ist Grundsatz bei der Feuerwehr. Doch klappt das auch in Außenbezirken?
Schnell vor Ort sein, das ist Grundsatz bei der Feuerwehr. Doch klappt das auch in Außenbezirken?
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Anwohner der Region Flandersbach berichten von fehlgeleiteten Rettungsfahrzeugen. Ihr Appell an die Stadt: für bessere Beschilderung sorgen.

Velbert..  Günter Pollmeier hat schon die unterschiedlichsten Menschen an seiner Haustür angetroffen – viele von ihnen hatten sich schlicht verirrt. Denn Pollmeier lebt auf Gut Schmitz-Steinbeck in einem Außenbereich im Südwesten, mitten in der Landschaft zwischen Velbert und Wülfrath. Die Straßen und Feldwege heißen hier Obere Flandersbach, Flandersbach, Flandersbacher Weg, einige Hausnummern steuert man von Velbert, andere von Heiligenhaus an – „absoluter Wirrwarr, da hat schon so manches Navi kapituliert und Fahrer völlig falsch geleitet“, erzählt Günter Pollmeier.

Das an sich ist zwar in einem Land, wo alles seine Ordnung hat, verbesserungsbedürftig, aber keine Katastrophe. Ins Grübeln kam der Velberter jedoch, als im Abstand von wenigen Wochen zwei Krankenwagen mit Blaulicht in seinem Tal auftauchten und ihr Ziel nicht fanden, weil sie sich verfahren hatten. „Ich finde, das ist ein Skandal! Wieso wissen die nicht, wo die einzelnen Gehöfte liegen?“, fragt Günter Pollmeier empört.

Bei der Velberter Feuerwehr schließt man aus, dass die besagten Rettungswagen von ihr stammen. „Wir verfügen über Navigationsgeräte, und unsere Kollegen im Einsatz haben Ortskenntnisse“, hält Reinhard Lüdeke entgegen. Kein Einsatzwagen werde in die Irre geschickt. „Unser Disponent in der Einsatzzentrale gibt bei einem Notruf das Ziel ein, das ihm auf der Karte angezeigt wird“, erklärt Lüdeke. Ergäben sich da Unsicherheiten bei der Adresse, würde der Anrufer gebeten, nähere Informationen zu übermitteln. Bei Unsicherheiten greife die Feuerwehr auf eigenes Kartenmaterial zurück, wo die Liegenschaften mit Hausnummern aufgeführt sind.

„Das alles passiert unter Zeitdruck“, gibt der Feuerwehrsprecher zu bedenken. Eine Frist von acht Minuten habe die Wehr laut Brandschutzbedarfsplan, um vor Ort zu sein. „Irrfahrten können wir uns gar nicht leisten.“

Verantwortung der Stadt

Und trotzdem – es hat solche Fahrten nach Beobachtung Pollmeiers und seiner Nachbarn ja gegeben; beruhigen lassen will er sich nicht. Abgesehen davon, dass er stellvertretend für die Bewohner von Einzelhäusern oder Gehöften in den ländlichen Außenbezirken Velberts erwartet, dass Feuerwehr und Krankenwagen im Notfall zielsicher eintreffen, sieht Günter Pollmeier eine grundsätzliche Verantwortung bei der Stadt: „Schon vor vielen Jahren bin ich in der Verwaltung vorstellig geworden und habe auf die völlig verwirrenden Straßenbezeichnungen und schlechten Beschilderungen hingewiesen.“ Das Chaos müsse aus Sicherheitsgründen dringend beseitigt werden.